Riesige Plastikinseln, die im Meer schwimmen, oder Mikroplastik, das von US-Forschern sogar im menschlichen Gehirn nachgewiesen wurde: Die Probleme durch Plastikmüll sind nicht immer sichtbar, aber allgegenwärtig. Um dem globalen Problem zu begegnen, verhandeln die Vereinten Nationen seit mittlerweile drei Jahren über ein Plastikabkommen. Demnächst - vom 5. bis 14. August - findet in Genf die nächste Verhandlungsrunde statt. Und obwohl viele Staaten ambitionierte Ziele anstreben, ist eine Einigung noch völlig offen. Woran aber hakt es genau?
Der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments geht davon aus, dass mittlerweile über 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren schwimmen. Einer Schätzung zufolge könnten sich, am Gewicht gemessen, bis zum Jahr 2050 mehr Plastikteile als Fische im Meer befinden. Das ist eine Gefahr für die Lebewesen im Meer, sie können sich im Plastikmüll verfangen oder daran ersticken. Aber auch der Mensch ist durch Plastik gefährdet, weil er es über die Nahrungskette zu sich nimmt. Mikroplastik findet sich inzwischen häufig selbst im Trinkwasser. Die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit sind bisher kaum absehbar. Und bis sich Kunststoff zersetzt, dauert es Hunderttausende Jahre, wie das Copernicus-Programm mitteilt. Wissenschaftler der Tsinghua Universität in Peking fanden heraus, dass 2022 nur knapp zehn Prozent des weltweit produzierten Plastiks recycelt wurde.
Plastikmüll ist eine Gefahr für Mensch und Tier
„Wir ersticken an Plastik. Plastikverschmutzung ist überall um uns herum und sogar in uns selbst“, warnte UN-Generalsekretär António Guterres im Oktober 2024. . Fünf Verhandlungsrunden haben bisher stattgefunden, zuletzt im November 2024 in Busan in Südkorea. Eigentlich hätte dies die letzte sein sollen, doch sie wurde ohne Ergebnis pausiert. Nun sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.
„Es hängt jetzt an den ambitionierten Ländern, ihre Position zu halten, damit wir das Abkommen bekommen, das wir brauchen“, sagt Greenpeace-Experte Moritz Jäger-Roschko. Zu diesen etwa 100 Staaten gehören unter anderem Deutschland und Frankreich, außerdem zählen beispielsweise Panama, Peru und Ruanda dazu. Sie streben nicht nur vermehrtes Recycling an, sondern eine Reduktion der Plastikproduktion und ein Verbot schädlicher Chemikalien und Produkte. Zudem gibt es Forderungen nach einem Fonds, der bedürftige Länder auf dem Weg in eine plastikfreie Zukunft unterstützt.
Einige Staaten blockieren die Verhandlungen zum UN-Plastikabkommen
Neben den ambitionierten Staaten gibt es weniger ehrgeizige Staaten, die sich vor allem auf das Recycling konzentrieren. Dazu gehören zum Beispiel Indonesien oder Indien. Das Problem sind jedoch vor allem diejenigen, die dem Anliegen insgesamt ablehnend gegenüberstehen. „Die Positionen liegen weiterhin sehr weit auseinander“, sagt Jäger-Roschko, „einige Staaten blockieren die Verhandlungen aktiv.“ Dazu zählen vor allem öl- und gasproduzierende Länder wie Saudi-Arabien, Russland oder Iran.
Der Grund dafür dürfte sein, dass Kunststoff fast vollständig aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Kohle und Erdgas hergestellt wird. Auch deshalb setzen sich Umweltorganisationen wie Greenpeace dafür ein, beim Plastikabkommen schon bei der Produktion anzusetzen und nicht nur auf Recycling zu setzen.
Auch innerhalb Deutschlands gibt es unterschiedliche Positionen
Doch auch innerhalb Deutschlands gehen die Positionen zum UN-Plastikabkommen auseinander. Der Verband der chemischen Industrie (VCI) setzt sich zwar für ein Plastikabkommen ein, geht mit seinen Forderungen aber weniger weit als die Umweltverbände. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI, sagt: „Wir müssen der Plastikverschmutzung ein Ende setzen und zugleich das enorme Potenzial von Kunststoffen nutzen. Sie sind ein Garant für Innovation und Wohlstand. Der Weg führt über langlebige Produkte, die wir am Ende recyceln.“ Der Industrieverband setzt sich also für mehr Recycling ein, will aber keine Einschnitte bei der Produktion. Auch eine Regulierung von Chemikalien sieht der VCI kritisch. Große Entrup mahnt, das Abkommen nicht zu überfrachten und damit ein Scheitern zu riskieren.
Ganz anders schätzt das die Umweltorganisation Greenpeace ein: Für sie wäre ein schwaches Abkommen schlimmer als keines. Denn so würde etwas als Erfolg verkauft, ohne die Plastikverschmutzung wirksam zu bekämpfen.
Wie die Verhandlungen dieses Mal ausgehen, ist nicht abzusehen. Jäger-Roschko ist dennoch vorsichtig optimistisch: „Die Chancen stehen so gut wie nie zuvor.“
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