Der Tag im Wilden Westen neigt sich bereits dem Ende entgegen, als Markus Söder die George Ranch nahe Houston erreicht. Ein paar Holzhäuser, drei in Würde ergraute Herren, die Westernmusik spielen. Ein Cowboy trabt auf einem Pferd vorbei. Der Duft von Barbecue. Unter den Bäumen auf einer Wiese stehen Tische in der Abendsonne. Weiß-blaue Tischdecken. Es ist die erste Station des bayerischen Ministerpräsidenten auf seiner Reise nach Texas und South Carolina. Aber selbstverständlich geht es beim Besuch in den USA nicht um Südstaaten-Romantik. Oder sagen wir so: zumindest nicht in erster Linie.
Söder will Kontakte knüpfen, will die Beziehungen ausbauen. Trotz des Zollkriegs, den Donald Trump angezettelt hat. Oder besser gesagt: gerade deswegen. „Die Washington-Blase ist nicht alles“, sagt der deutsche Botschafter in den USA, Jens Hanefeld, zur Eröffnung der kleinen Feier für die Gäste aus Bayern. So sieht Söder das auch.
Markus Söder zu Besuch: Everllence aus Augsburg stärkt Präsenz in Houston
Wenn es schon auf der weltpolitischen Ebene gerade schwierig ist mit den Amerikanern, soll das Netzwerk wenigstens im Bereich Wirtschaft und Wissenschaft halten. Söder wird hier bayerische Unternehmen besuchen, das Werk des Autoriesen BMW in Spartanburg, den Standort des Augsburger Motorenbauers Everllence in Houston. Er will die Zusammenarbeit mit der Nasa in der Raumfahrt intensivieren. Auch ein Treffen mit Henry McMaster, Gouverneur von South Carolina, steht auf dem Programm. Die USA sind der wichtigste Geschäftspartner außerhalb Europas für die bayerische Wirtschaft. Aber an diesem sonnigen Abend auf der George Ranch spielt das noch keine Rolle.
Söder war schon immer ein Mann der Bilder. Wenn er in Indien ist, lässt er sich selbstverständlich einen landestypischen Turban verpassen, in Ägypten sind drei Kamele bestens auf den Besuch des bayerischen Landesvaters vor Pyramiden-Panorama vorbereitet. In Fernost wird die Chinesische Mauer zur Kulisse für einen weltmännischen Blick in die Ferne. Und was darf nicht fehlen im Wilden Westen? Selbstverständlich: der Cowboyhut. Dem Instagram-Follower gefällt das, auch wenn daheim ein paar andere wieder mit den Augen rollen werden.
Markus Söder genießt sein Barbecue auf texanischer Ranch
Söder hat fast 12 Stunden Flug in den Knochen, die Zeitverschiebung zollt langsam ihren Tribut. Daheim in Bayern hat schon der nächste Tag begonnen. Aber der 59-Jährige hat offenkundig keine Eile, ins Bett zu kommen. Das Barbecue auf der Ranch ist ein entspanntes „Onboarding“, wie juvenile Unternehmensberater sagen würden.
Von den Gastgebern gibt es warme Worte, am Buffet grandiose texanische Grillspezialitäten. Und für Söder eine Gürtelschnalle im Western-Style und eben einen Cowboyhut. Es ist ein Vorgeschmack auf das, was da kommt in den nächsten Tagen. Hightech und Heimat – das könnte auch ein Texaner erfunden haben.
Überhaupt seien sich Bayern und Texas in vielen Punkten ähnlich, sagt Söder. „We are not normal“, konstatiert er in seiner Rede, die er auf Englisch hält. Was Besonderes halt. Washington sei für die Texaner so weit weg wie Berlin für die Bayern.
Söder sieht sich auf seiner Reise in einer Linie mit seinen Vorbildern. Franz Josef Strauß natürlich, der übrigens einst bei einem Texas-Besuch die Parole ausgab: „Wir Südstaatler müssen zusammenhalten.“ Er machte aus dem Agrarland einen starken Industriestandort. Oder Edmund Stoiber, der als bislang letzter bayerischer Ministerpräsident vor mehr als 20 Jahren die USA besucht hatte und mit „Laptop und Lederhose“ die Modernisierung Bayerns vorantrieb. „Wir sind das Texas von Deutschland“, sagt Söder. Sogar den legendären Slogan „Don‘t mess with Texas“ (Legt Euch bloß nicht mit den Texanern an) gebe es in einer bayerischen Variante: „Mia san mia!“ Kommt gut an auf der George Ranch, über der langsam die Sonne untergeht.
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