Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

USA: Last Exit für Donald Trump: So schlitterte der US-Präsident in den Iran-Krieg

USA

Last Exit für Donald Trump: So schlitterte der US-Präsident in den Iran-Krieg

  • |
  • |
  • |
  • |
    Donald Trump drohte – und zog letztendlich zurück. Ein Bluff?
    Donald Trump drohte – und zog letztendlich zurück. Ein Bluff? Foto: Alex Brandon, AP/dpa

    Im Weißen Haus zeigte die Uhr 18.32 Uhr Ostküstenzeit, als Donald Trump ein vorläufiges Ende des Kriegs gegen den Iran verkündete. Eineinhalb Stunden später wäre sein apokalyptisches Ultimatum abgelaufen: Noch am Morgen hatte er gedroht, „dass eine ganze Zivilisation heute Nacht untergehen und nie wiederkehren wird“, falls das Regime in Teheran seine Öltanker-Blockade in der Meerenge der „Straße von Hormus“ nicht bis zum Einbruch der Dunkelheit aufgebe. Nur wenige Augenblicke nach Trumps Kurswechsel später stürzte der Ölpreis in fast senkrechter Linie nach unten auf den tiefsten Stand seit vier Wochen.

    Die „New York Times“ bescheinigt Trump einen taktischen Sieg

    Hatte Trump geblufft mit seiner Drohung, Irans Kraftwerke, Brücken und Industrie in Schutt und Asche zu legen? Die dem amerikanischen Präsidenten nicht besonders zugeneigte New York Times bescheinigte ihm noch am Abend einen „zweifellos taktischen Sieg“. Die Zeitung stellte nüchtern fest: „Trumps Taktik, seine Rhetorik ins Unermessliche zu steigern, half ihm zweifellos, den Ausweg zu finden, nach dem er wochenlang gesucht hatte. Allein dieser Erfolg mag seine Überzeugung bestärken, dass die Taktiken, die er in der New Yorker Immobilienwelt erlernt hat – gewohnte Gepflogenheiten ignorieren, maximalistische Forderungen stellen – auch in der Weltpolitik funktionieren.“

    Abseits der vielen Toten, abseits der gewaltigen wirtschaftlichen Schäden, der Zerstörungen im Iran, den Golfstaaten und in Israel scheint es zwar noch zu früh für eine politische Bilanz. Aber eines zeichnet sich jetzt schon ab: Donald Trump ist zu Beginn der Verhandlungen über das iranische Nuklearpotenzial kaum einen Schritt weiter als im Jahr 2018, als er das von seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelte Atomabkommen in seiner ersten Amtszeit aufkündigte.

    Der Iran-Krieg begann mit einem Besuch aus Israel im Weißen Haus

    Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass der Präsident, der lange jedes militärische Eingreifen Amerikas und die Weltpolizistenrolle verabscheute, sich in einen solch riskanten Krieg stürzte, aus dem er nun pokernd den Ausweg suchte?

    Zwei Autoren der New York Times, die seit langem im Umfeld Trumps für eine neue Biografie des immer selbstherrlicher regierenden Politikers recherchieren, zeichneten nun ein minutiöses Bild der wichtigsten Momente im Inneren der Macht nach. Demnach begann der entscheidende Tag nur zweieinhalb Wochen vor dem tödlichen Schlag gegen die iranische Regimespitze an einem Mittwochvormittag im Weißen Haus.

    Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu traf zu einem kurzfristig anberaumten Besuch in Washington ein. Offiziell ging es um Israels Haltung in den damals noch laufenden Verhandlungen mit dem Iran. Doch den Recherchen der Zeitung zufolge traf sich Netanjahu in Begleitung des Mossad-Geheimdienstchefs David Barnea mit Trump und dessen wichtigsten Getreuen im hochgeschützten Lagezentrum, dem „Situation Room“ des Weißen Hauses, zu einer streng geheimen, einstündigen Präsentation: Netanjahus Plan.

    Der Israeli warb, Irans Raketenprogramm könne innerhalb weniger Wochen zerstört werden. Das Regime würde durch militärische Angriffe so geschwächt, dass es die „Straße von Hormus“ nicht mehr blockieren könne und die Gefahr von Angriffen auf Nachbarländer minimal sei. Intensive Bombardierungen sollten die Voraussetzungen für einen Sturz des Regimes durch die Opposition schaffen. Ein Video der Präsentation zeigte eine Reihe von Kandidaten, die das Land übernehmen könnten, darunter der im amerikanischen Exil lebende Sohn des letzten Schahs Reza Pahlavi.

    Trump nach Netanjahus Angriffsplan-Präsentation: „Das klingt gut“

    Trump war den Schilderungen zufolge sichtlich beeindruckt und soll geantwortet haben: „Das klingt gut.“ Über Nacht analysierte die CIA die israelischen Vorschläge und teilte sie in vier Stufen ein: Erstens: Tötung des Ayatollahs Ali Khamenei als obersten Führer. Zweitens: Schwächung der Möglichkeiten des Iran, seine Nachbarn zu bedrohen. Drittens: ein Volksaufstand. Viertens: ein Regimewechsel durch einen weltlichen Führer.

    In einer neuen Geheimsitzung im Lagezentrum – ohne die Israelis – stellte CIA-Chef John Ratcliffe die Ergebnisse Trump und dessen Ministern am nächsten Tag vor. Die ersten zwei Punkte soll er „machbar“ genannt haben, die anderen beiden „farcenhaft“. US-Außenminister Marco Rubio soll für Trump übersetzt haben: „Mit anderen Worten, das ist Schwachsinn.“ Der oberste US-General Dan Caine soll zudem auf ein großes Risiko einer iranischen Blockade der „Straße von Hormus“ und ein drastisches Schmelzen der US-Waffenbestände bei einem Großangriff hingewiesen haben.

    Zwei Tage vor dem Angriff, bei einer letzten Sitzung im Lagezentrum, fällte Donald Trump dennoch seine Entscheidung: „Ich denke, wir müssen das tun.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren