Seitdem ihn eine Kugel im Wahlkampf am Ohrläppchen streifte, hält sich Trump für von Gott auserwählt, Amerika zu retten. Seine Beraterin für Religionsfragen, Paula White, verglich seine politische Wiederauferstehung mit der Passionsgeschichte. Jetzt postet der Präsident der Supermacht USA persönlich ein KI-generiertes Bild, das ihn als Heiland darstellt.
Die Montage zeigt Trump in einem weiß-roten Gewand, wie es in Jesus-Darstellungen üblich ist. Göttliches Licht strahlt aus seiner Hand, während er die Stirn eines kranken Mannes berührt. Eine Frau beobachtet die Szene mit zum Gebet gefalteten Händen. Dahinter Soldaten und Dämonen, ein Sternenbanner, Adler und die Freiheitsstatue.
Auch die Evangelikalen kritisieren Trump
Jesus Trump – das ging selbst einigen seiner Unterstützer auf der christlichen Rechten zu weit. Zumal er die Montage eine Stunde nach seinem Frontalangriff auf Leo XIV. kommentarlos auf Truth Social gepostet hatte. Die Kritik reichte von der evangelikalen TV-Größe David Brody bis hin zum Sprachrohr der katholischen Traditionalisten George Weigel.
Wobei Blasphemie noch der harmlosere Vorwurf ist. Andere, wie Peter Baker, Chefkorrespondent der New York Times im Weißen Haus, stellen in einem ausführlichen Stück für das Leitmedium offen die Frage nach der mentalen Gesundheit des Präsidenten.
Abgeordnete schreiben an den Arzt des Weißen Hauses
Für den Führer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, steht die Antwort fest. Er nannte den 79-jährigen Präsidenten nach dessen Drohung, im Iran „eine ganze Zivilisation zu zerstören“, eine „extrem kranke Person“. Sein Kollege im Repräsentantenhaus Hakeem Jeffries gebraucht die Worte „verwirrt“und „außer Kontrolle“. Der Abgeordnete Jamie Raskin aus Maryland ging noch weiter. Er schrieb an den Arzt des Weißen Hauses und forderte eine Untersuchung von Trumps mentalem Zustand.
Während der Präsident auf Fox seine Genozid-Drohung gegen Iran rechtfertigte, ließ er den „Jesus-Trump“-Post auf seiner PR-Plattform verschwinden. Von Reportern danach gefragt, lieferte er eine bizarre Erklärung seiner Absicht. Es sei keine Darstellung von Jesus gewesen, sondern von ihm selbst. „Es sollte mich als Arzt zeigen.“ Nur Fake News könnten darin etwas anderes sehen. „Ich mache Menschen gesund.“
Trump veröffentlichte offen rassistische Post
Im Februar löschte Trump schon einmal einen offen rassistischen Post, der den früheren Präsidenten Barack Obama und First Lady Michelle als Affen darstellte. Mehrere Republikaner hatten das als geschmacklos kritisiert. Damals redete sich der Präsident mit Unwissen heraus. Er habe nur den Anfang des Affen-Videos gesehen.
Im Kontext der immer häufigeren Entgrenzungen reicht das selbst ehemaligen Wegbegleitern als Erklärung nicht aus. Zum Beispiel Ty Cobb, der als Rechtsbeistand im Weißen Haus tätig war. Für Cobb steht fest, dass Trump „eindeutig verrückt ist“. Die frühere Sprecherin im Weißen Haus, Stephanie Grisham, meint über ihren früheren Chef, „ihm geht es offensichtlich nicht gut“.
Vernichtende Kritik des ehemaligen Stabschefs von Trump
Vernichtend ist auch das Urteil des ehemaligen Stabschefs im Weißen Haus, John Kelly. Nach der Lektüre eines Buches von 27 Psychiatern mit dem Titel „The Dangerous Case of Donald Trump“kam er laut New York Times zu dem Schluss, dass der mächtigste Mann der Welt mental krank ist.
Trump selbst rühmt sich damit, einen hohen IQ zu haben, alle Tests seines Doktors mit Bravour zu bestehen und hervorragende Gene zu haben. Er sei ein „sehr stabiles Genie“, sagte er einmal über sich selbst. Seine Anhänger kolportieren diese Version bis heute.
Folgt Trump nur dem Vorbild Nixons?
„Trump weiß genau, was er tut“, schreibt Liz Peek in ihrer Kolumne für The Hill. Zum Beispiel im Iran, wo er „mit maximalen und manchmal empörendem militärischem und diplomatischem Druck“ daran arbeite, eine fast 50-jährige „Terrorkampagne“ im Nahen Osten zu beenden. Andere Bewunderer vergleichen Trump mit Ex-Präsident Richard Nixon, der seinen Sicherheitsberater Henry Kissinger anwies, Nordvietnam glauben zu lassen, er sei unberechenbar.
Spätestens seit der Genozid-Drohung und dem Post von Trump als Jesus bestehen ernsthafte Zweifel, ob dies bloß eine „Madman“-Taktik ist. Was Rufe nach Anwendung des 25. Verfassungszusatzes laut werden ließ. Dieser erlaubt die Absetzung des Präsidenten wegen Amtsuntüchtigkeit durch sein Kabinett.
Auch in der Bevölkerung wachsen Zweifel an Trumps mentaler Fitness
Die Sorge um den Geisteszustand Trumps beschränkt sich nicht auf Parteigänger der Demokraten, Late-Night-Komödianten oder Psychiater. Sie ist auch unter pensionierten Generälen, Diplomaten und ausländischen Amtsträgern zu hören. Sogar aus der politischen Rechten werden Forderungen nach Anwendung des 25. Verfassungszusatzes laut. So fordert die frühere Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, die kürzlich mit Trump brach, seine Absetzung. Der Mann sei „wahnsinnig“.
Auch in der Bevölkerung wächst der Zweifel an seiner mentalen Fitness. Eine Umfrage von Reuters im Februar ergab, dass 61 Prozent der Amerikaner glauben, Trump sei unberechenbarer geworden. Nur noch 45 Prozent sagen, er sei „geistig scharf und in der Lage, Herausforderungen zu meistern“.
Für eine Amtsenthebung nach dem 25. Verfassungszusatz müssten das Kabinett und allen voran Vizepräsident JD Vance mitspielen. Doch der schaut genauso weg wie der andere mögliche Kronprinz Marco Rubio.
Selbst die „Trump-Flüsterin“ Meloni geht auf Distanz
Ganz im Gegensatz zu Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni. Die hatte sich lange als Brückenbauerin zwischen Europa und den USA präsentiert. „Trump-Flüsterin“ wurde sie von einigen sogar genannt. Doch nun hat das eigentlich gute Verhältnis – wie schon bei Friedrich Merz – zwischen den beiden deutliche Risse bekommen.
Denn Meloni hat Trump ziemlich deutlich etwas zu seinen Papst-Attacken geflüstert: Diese nannte sie „inakzeptabel“. Trump erwiderte: „Ich bin schockiert über sie. Ich dachte, sie hätte Mut. Ich habe mich geirrt“, sagte er dem Corriere della Sera. Meloni sei „nicht mehr dieselbe Person“. Außerdem sei sie es, die „inakzeptabel ist, weil es ihr egal ist, ob der Iran eine Atomwaffe hat und Italien in zwei Minuten in die Luft sprengen würde, wenn er (der Iran) die Möglichkeit dazu hätte“.
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