Das Grauen hat einen Namen – Hamas. Mit jeder Geisel, die die Terroristen an Israel übergeben, toten wie lebenden, öffnet sich der Vorhang des Entsetzens ein Stück weiter. Kleine Kinder, mit bloßen Händen getötet, junge Frauen, erniedrigt, gefoltert und vergewaltigt, entkräftete Alte, in dunklen Tunneln weggesperrt, unterernährt und seelisch gebrochen: Formell hat die Hamas mit der Übergabe von 33 Geiseln ihren Teil der Vereinbarung bisher erfüllt. Tatsächlich hat sie sich endgültig außerhalb jeder Norm gestellt.
Vier Leichen im Austausch gegen 600 palästinensische Häftlinge, unter ihnen mehrfache Mörder und gefährliche Attentäter: Der Abschluss der ersten Phase des umstrittenen Geisel-Deals hat noch einmal gezeigt, welch hohen Preis Israel zahlt, um die Entführten nach Hause zu holen. Zu glauben, dadurch entspanne sich die Situation nun, wäre jedoch naiv. Wie tief der Hass auf Israel und alles Jüdische in den Palästinensergebieten sitzt, zeigen nicht zuletzt die menschenverachtenden Propagandashows, die bisher fast jede Übergabe begleitet haben: Verstörte, ausgemergelte Gefangene, die sich bei ihren Folterern am Ende auch noch bedanken müssen, verhöhnt von einer jubelnden Menge, hinter sich ein Foto von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, das diesen als blutsaugenden Vampir zeigt.
Die Hamas rüstet schon wieder auf
Dass Israel im Moment nicht willens ist, seine Armee komplett aus dem Gazastreifen abzuziehen, ist vor diesem Hintergrund kein Wunder. Natürlich nutzen die Islamisten die gegenwärtige Feuerpause, um wieder aufzurüsten und neue Kämpfer zu rekrutieren. Viele der freigelassenen Häftlinge werden sich der Hamas anschließen oder haben es schon getan. Auch weite Teile der Zivilbevölkerung in Gaza und der Westbank sind mit dem Gift des Hasses infiziert, wenn in Umfragen zwei von drei Palästinensern die Massaker des 7. Oktober verteidigen. Ein Nachbar aber, der keine Skrupel hat, im Namen eines vermeintlich heiligen Krieges Säuglinge zu töten, ist kein Nachbar, mit dem man verhandeln kann.
Die internationale Gemeinschaft, allen voran Deutschland, nimmt das mit erschreckender Gleichgültigkeit zur Kenntnis. Shiri Bibas und ihre Söhne Kfir und Ariel waren auch deutsche Staatsbürger – mehr als das übliche reflexhafte Bedauern aber war aus der noch amtierenden Bundesregierung nach der Übergabe ihrer Leichen nicht zu vernehmen. Ein ungleich stärkeres Signal wäre das Einfrieren der deutschen Gelder für das Palästinenserhilfswerk UNRWA gewesen, das von der Hamas regelrecht unterwandert wurde und in dessen Einrichtungen offenbar auch Geiseln festgehalten wurden.
59 Israelis werden noch vermisst
59 Israelis befinden sich noch immer in der Gewalt der Hamas, von denen aber vermutlich nur noch 27 am Leben sind. Sie zu befreien, hat für Israel weiterhin Priorität. Danach aber werden sich andere Fragen stellen: Muss Israel, dieses gebrochene Land, den Krieg gegen die Hamas fortsetzen? Soll eine internationale Schutztruppe die Hamas entwaffnen und über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte eine Waffenruhe in Gaza absichern? Und wenn ein Krieg stets in den Köpfen beginnt: Können die Fanatiker in der palästinensischen Autonomie ähnlich de-radikalisiert werden wie Deutschland nach dem Krieg entnazifiziert wurde?
Frieden ist ein großes Wort, zumal im Nahen Osten. Realistischer ist, wenn überhaupt, ein halbwegs konfliktfreies Nebeneinander von Israelis und Palästinensern. Doch auch dazu muss erst einmal die Hamas von der Bildfläche verschwinden. Sonst nimmt das Grauen nie ein Ende.
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