In der deutschen Wirtschaft wächst die Sorge vor einer Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und deren wichtigsten Handelspartnern. Rainer Kirchdörfer, der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen und Politik, warf dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump am Dienstag „Zoll-Terror“ vor. „Trump zwingt Europa zu einem gefährlichen Pokerspiel, das auf beiden Seiten des Atlantiks zu einer Rezession führen könnte“, warnte Kirchdörfer gegenüber unserer Redaktion. Sollte Trump die Zölle nicht zurücknehmen oder reduzieren, wären die Folgen auf beiden Seiten des Atlantiks dramatisch, betonte auch der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, Dirk Jandura. „Wir müssen mit gestörten Lieferketten und Warenknappheit rechnen.“
Trump selbst lehnt ein Aussetzen der Zölle bislang ab, während die EU noch auf eine Lösung auf dem Verhandlungswege hofft und dazu offenbar auf Strafzölle für amerikanischen Whiskey verzichten will. „Kaum ein Unternehmen konnte sich auf die erratische Festlegung von Zöllen einstellen“, kritisierte Stiftungschef Kirchdörfer. Viele Familienunternehmen sähen sich jetzt mit massiven Kostenbelastungen konfrontiert, da sie Lieferverträge mit ihren Kunden in den USA einhalten müssten und der Spielraum für nachträgliche Preiserhöhungen begrenzt sei. Damit bestünde die Gefahr, dass in unsicheren Zeiten Investitionen aufgeschoben würden, warnte Kirchdörfer an die Adresse der künftigen Bundesregierung. „Wenn wir Investitionen im Inland halten und Verlagerungen in die USA nicht noch zusätzlich befördern wollen, dann gilt es, schnell die richtigen Signale zu setzen. Und diese können nur lauten: Investieren in Deutschland und Europa ist mindestens so interessant wie in den USA. Ansonsten gewinnt Trump.“
China lässt Trumps Ultimatum verstreichen
Der Groß- und Außenhandel hofft noch auf eine rasche Verständigung mit der neuen US-Administration. „Bisher können wir die bestehenden Lieferketten größtenteils aufrechterhalten“, betonte Verbandschef Jandura gegenüber unserer Redaktion. „Dies liegt aber auch daran, dass viele Händler angesichts der drohenden Zölle ihre Lager noch zu alten Bedingungen gefüllt haben.“ Er setze auf die Kreativität der Branche, sagte Jandura. „Wir prüfen, welche Produkte sich substituieren lassen und wo wir neue Handelspartner finden können. Wir werden jedenfalls nicht untätig warten und zuschauen, wie der amerikanische Präsident uns am Nasenring durch die Manege führt!“
Die chinesische Führung hat das Ultimatum Trumps, die von Peking verkündeten Gegenzölle von 34 Prozent zurückzunehmen, am Dienstag zunächst verstreichen lassen. Zuvor hatte Trump gedroht, er werde China mit zusätzlichen Zöllen von noch einmal 50 Prozent belegen, sollte Peking nicht einlenken. Geplant sind nach den schon geltenden 10 Prozent Grundzöllen nochmals deutlich höhere Zölle für Länder, mit denen die USA aus Sicht der Regierung ein besonders großes Handelsdefizit aufweisen. Dazu gehört auch die EU. Für China würden die neuen Strafmaßnahmen von weiteren 50 Prozent dann schon Zusatzzölle in Höhe von mehr als 100 Prozent bedeuten, die seit dem Amtsantritt von Trump verhängt wurden.
Guttenberg: Trump bewegt sich auf dünnem Eis
Der frühere Wirtschaftsminister und USA-Kenner Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte im Gespräch mit unserer Redaktion, wenig Verständnis für Trumps Außenwirtschaftspolitik. Wie dieser die Zölle herleite, habe „mit Makroökonomie ungefähr so viel zu tun wie die christliche Schöpfungslehre mit Biologie“. Trump bewege sich auf „verdammt dünnem Eis“. Denn: „Die Menschen bewegt am Ende wirklich, wie es in der eigenen Hosentasche aussieht.“ Auch zu Guttenberg sieht die Gefahr einer globalen Rezession. „Das könnte also direkt bei den US-Bürgern landen. Die Frage ist, wann und ob er es schafft, den Hebel herumzureißen.“
An den Börsen beruhigte sich die Lage am Dienstag wieder etwas. Der deutsche Aktienindex Dax lag am späten Nachmittag mit drei Prozent im Plus. Auch die Wall Street in New York eröffnete mit leicht steigenden Kursen.
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