Sie reisen mit Ihrer Katze seit einigen Jahren um die Welt. Wo hat es Mogli am besten gefallen?
MARTIN KLAUKA: Ich glaube, ihr Favorit war das Häuschen, das wir im Himalaja hatten. Da hatten wir uns notgedrungen nach meinem Motorradsturz für ein paar Monate niedergelassen. Wir lebten in einem kleinen Steinhaus oben auf dem Bergkamm. Da hat es Mogli wirklich super gefallen. Überall gab es kleine Eidechsen zum Jagen. Mogli hat auch die Affen davon abgehalten, dass sie zu uns ins Zimmer kommen. Die hat sie durch den Vorhang angefaucht. Und sogar ein paar Hunde hat sie in die Flucht geschlagen. Das alles hat Mogli richtig gut gefallen.
Wie unterschiedlich reagieren die Menschen in den einzelnen Ländern auf eine Katze als Reisebegleiterin?
KLAUKA: Das ist wirklich von Land zu Land unterschiedlich. In der Reaktion der Kinder kann man da viel ablesen, erhält einen unverblümten Eindruck. Besonders willkommen war Mogli in der Türkei. Da hat sie mir alle Türen geöffnet, das war wirklich Wahnsinn. In den Balkanländern dagegen waren die Vorbehalte groß. Bis nach Griechenland hinunter standen die Leute nicht so auf Katzen, da wurden wir auch immer wieder aus Läden und Hotels hinausgeschmissen. Im Iran war es dann tatsächlich noch schwieriger gewesen, mit Mogli. Das lag aber dann nicht unbedingt daran, dass dort keine Katzen gemocht werden. Im Iran hat man kulturell kaum einen Bezug zu Haustieren. Eine Schmusekatze, die mit im Bett schläft, kennt man dort nicht. Ich habe natürlich aber auch dort Katzenliebhaber getroffen. Viele haben mich sogar eingeladen, weil sie unsere Reise auf Instagram verfolgt haben. In Indien war es dann zum Beispiel wieder einfach gewesen. Auch in Dubai war sie sehr willkommen. Es hängt wirklich viel von den unterschiedlichen Kulturen ab.
Mit Katzen im Schlepptau lernt man Länder ja von einer ganz ungewöhnlichen Seite kennen.
KLAUKA: Im Iran zum Beispiel konnte ich wegen Mogli nicht in Hotels wohnen und war gezwungen, bei Leuten zu übernachten, die uns einluden oder halt zu campen. Aber Mogli sei Dank bin ich auf diese Weise zu vielen schönen Begegnungen gekommen.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass einem viel Unverständnis entgegenschlägt, wenn man mit Katze unterwegs ist.
KLAUKA: Ja. Auf alle Fälle. Diese immense Gastfreundschaft im Iran kann man sich einfach nicht vorstellen, die lässt viele über den eigenen Schatten springen, selbst wenn sie keine Katzenfans sind. Aber ich habe natürlich überall versprochen, dass Mogli nirgendwo hinmacht und auch nichts zerkratzt.
Wie haben Sie Mogli eigentlich ans Reisen gewöhnt?
KLAUKA: Also ich wusste am Anfang nicht, ob das überhaupt klappt. Ich habe Mogli auf einer Motorradreise gefunden. Das heißt, das Allererste war mal, sie musste Motorrad fahren mögen, sonst wäre das alles gar nicht gegangen. Und dann bin ich das Schritt für Schritt angegangen. Ich habe sie mit zum Einkaufen genommen, zum Essen, dann habe ich sie am See frei laufen lassen, alles damit sie lernt, dass sie zu mir zurückkommen muss und nicht zu einem Haus.
Und dann sind Sie einfach losgefahren?
KLAUKA: Irgendwann habe ich mir gedacht, dann probieren wir es halt, dann fahren wir jetzt zusammen los. Und falls es wirklich gar nicht gehen sollte, dann finde ich ihr unterwegs ein schönes Zuhause bei lieben Leuten, wo sie bleiben kann. Aber dazu ist es dann Gott sei Dank nicht gekommen.
Mogli scheint ja so die richtige Abenteurerin zu sein. Jedenfalls erhält man diesen Eindruck, wenn man Ihr Buch liest. Was sind denn Ihre ärgsten Sorgen, wenn Sie mit ihr unterwegs sind?
KLAUKA: Am liebsten würde Mogli während der Fahrt vorne auf den Blinkern balancieren, das macht sie sehr gern. Da haben wir schon viele Diskussionen hinter uns. Denn wenn Mogli da einmal abrutscht, dann war es das halt. Deswegen geht das natürlich nicht.
Wie kann man sich denn so eine Diskussion mit Katze vorstellen?
KLAUKA: Na ja, sie geht vor und ich ziehe sie wieder zurück und sage ihr „Nein, das darfst du nicht“ und dann geht sie wieder vor. Katzen sind ja bekannt für ihre Sturköpfigkeit. Damit kann sie mich wirklich zur Weißglut treiben.
Sie will sich den Fahrtwind um die Nase streichen lassen …
KLAUKA: Ich glaube, das ist eher Neugier. Vorne hat sie halt komplett alles im Blick.
Und Sie haben keine Sorge, dass Mogli einfach nicht mehr zurückkommt?
KLAUKA: Am Anfang schon. Aber es war relativ schnell klar, dass Mogli nicht fernbleibt, weil sie nicht wiederkommen will, sondern weil irgendwas anderes war. Weil sie ein besseres Versteck gefunden hatte, als unser Zelt zum Beispiel. Strände, offene Flächen sind ihr auch nicht oft sicher genug, dann verkriecht sie sich auch mal woanders. Ich habe auch immer Sorge, dass ein Hund oder vor allem im Himalaja ein Leopard Mogli erwischt. Es gibt aber auch ein paar Länder, wo man auch Angst haben muss, dass die Katze geklaut und einfach verkauft wird. Weil sie ist ja eine recht hübsche.
Mogli hält Sie ganz schön auf Trab oder?
KLAUKA: Ich habe zwar keine Kinder und manche Leute mögen diesen Vergleich nicht, aber ich stelle es mir teilweise ähnlich vor, wie mit einem Kind zu reisen. Man muss halt ständig hinterher sein und man muss etwas Geeignetes finden fürs Kind, beziehungsweise für die Katze. Aber fühlt die Katze sich wohl, geht es dem Mensch auch gut oder? Ist doch ja auch wie bei Kindern.
Was haben Sie denn alles dabei für Mogli?
KLAUKA: Gar nicht so viel. Einen Tankrucksack, in dem sie auf dem Motorrad mitfährt. Dann immer eine ordentliche Menge Futter, denn da ist sie wählerisch, einen eigenen Katzenrucksack, wenn wir an der Grenze sind oder mal zum Tierarzt müssten, dass sie sich da hineinsetzen kann. Ansonsten habe ich eine Sprayflasche mit Wasser, wenn es zu heiß ist. Katzen können ja nicht schwitzen. In Indien und in den Wüsten des Mittleren Ostens hatte sie ein Problem mit der Hitze. Ach ja, deshalb habe ich auch eine kleine Klimaanlage dabei. Aber das war‘s dann schon … Und ihre Leine natürlich. Und einen Tracker habe ich noch für sie. Alles in allem hält es sich wirklich in Grenzen.
Wie merken Sie denn, wenn Mogli irgendetwas gar nicht gefällt?
KLAUKA: Die kann gut jammern, wenn sie möchte. Ihre Stimme ist ganz schön laut, wenn sie da Lust drauf hat. Aber sie spürt auch, wenn ich angespannt bin. In einer Gefahrensituation zum Beispiel. Oder bei meinem Motorradsturz, da hält sie dann die Klappe.
Aber Sie sind auch mal früher weitergefahren, weil Mogli sich unbehaglich gefühlt hat?
KLAUKA: Ja, natürlich. Das hatten wir auch, dass wir irgendwo untergekommen sind, wo sie sich überhaupt nicht wohl gefühlt hat. Dann bin ich auch nach einem Tag wieder aufgebrochen, weil ich mich dann auch nicht wohlgefühlt habe. Wenn sie aber jeden Tag drei Mäuse bringt und total happy ist, dann geht es mir auch gut.
Aber auch mal zu Ihnen. Was war denn zuerst da, die Liebe zum Motorrad oder die Neugierde auf die Welt?
KLAUKA: Das ging eigentlich in der Kindheit schon los, wo ich mir gedacht habe, wie schaffen es die Erwachsenen, sich jeden Tag zu motivieren, dass die aus dem Bett kommen, wenn doch alle nur darüber schimpfen, wie ungern sie in die Arbeit gehen. Nach meiner Ausbildung zum Speditionskaufmann bin ich dann zwei Jahre nach Australien, das habe ich einfach mal ausprobiert. Aber danach ist dieser Drang die Welt zu erkunden, noch stärker geworden. In Asien habe ich dann festgestellt, das ist ja eine ganz andere Welt...
Und so wurden Sie Vielreisender?
KLAUKA: Ich wollte aus dem Hamsterrad ausbrechen und schauen, was das Leben für mich bereithält. In Vietnam habe ich dann spontan ein Motorrad gekauft. Das war dann das bisher Geilste, was ich gemacht habe. Einfach auch deshalb, weil man den Menschen auf Augenhöhe begegnet. Schließlich wollte ich mir meinen nächsten großen Traum erfüllen und mit dem Motorrad in den Himalaya fahren. Und als Mogli dazu kam, hat sich noch mal eine andere Tür geöffnet.
Zur Person: Der 39-jährige Martin Klauka kommt aus Brandenburg, mittlerweile lebt er in Rosenheim. Demnächst geht Klauka mit seiner Katze Mogli auf Lesereise, denn aus den Reiseabenteuern der beiden ist ein zweites Buch entstanden: Martin Klauka: Mit der Katze weiter um die Welt. Malik, 320 Seiten, 20 Euro.
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