Mehr als 2000 Schüsse sollen gefallen sein, als am Morgen des 1. November 2025 eine Fehde zwischen zwei verfeindeten Familien auf Kreta eskalierte. Gut eine Autostunde südwestlich der kretischen Hauptstadt Heraklion, im Bergdorf Vorizia, hätten sich „bürgerkriegsartige Szenen“ abgespielt, berichteten Zeugen. Eine Frau und ein Mann starben, mehrere unbeteiligte Personen wurden verletzt. Nun zieht die griechische Regierung Konsequenzen.
Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hat der griechische Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, am 7. November verschärfte Kontrollen und Strafen für den Besitz und Einsatz illegaler Waffen angekündigt. „Lokale Mafia-Strukturen und gewalttätige Raufbolde dürfen nicht mehr das Sagen haben“, sagte er im Rundfunk. Eine Sondereinheit der Polizei soll dauerhaft auf der Insel zum Einsatz kommen, begleitet von Gesetzesänderungen.
Mehr Polizei auf Kreta: „Griechisches FBI“ soll weitere Eskalationen verhindern
Insbesondere wiederholt straffällig gewordene Menschen sollen härter bestraft werden: Personen, die bereits wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt wurden und erneut gegen das Gesetz verstoßen, müssen künftig mit einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren rechnen – ohne Aussicht auf Bewährung. Zudem will der Bürgerschutzminister alle Genehmigungen für Jagdwaffen erneut überprüfen lassen und das traditionelle Schießen auf Festen untersagen. Wer seine Waffen freiwillig abgibt, könne von Strafmilderungen profitieren, heißt es im dpa-Bericht.
Weiterhin kündigte Bürgerschutzminister Chrysochoidis an, die Polizeistrukturen auf Kreta verstärken zu wollen. Zuständig ist in diesem Fall die Direktion zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität. Diese soll laut dem griechischen Bürgerschutzministerium schwere Straftaten, die die öffentliche und staatliche Sicherheit betreffen, verhindern und bekämpfen – insbesondere solche, die Merkmale der organisierten Kriminalität aufweisen.
Das „griechische FBI“, wie Minister Chrysochoidis die Abteilung der Zeitung Kathimerini zufolge bezeichnete, solle personell aufgestockt werden und dauerhaft auf Kreta verbleiben. Das Fass sei „übergelaufen“, warnte der Minister abschließend.
Mehr als eine Million Schusswaffen auf Kreta – Regierung verschärft Kontrollen
Bei der Auseinandersetzung in Vorizia soll es sich um einen langjährigen Konflikt zwischen zwei Großfamilien im Dorf handeln, berichtete ein Reporter des Nachrichtensenders ERTnews. Zunächst war an der Baustelle eines Neubaus der einen Familie in der Nacht zum 1. November 2025 eine Bombe explodiert. Die betroffenen Familienmitglieder zogen den Berichten zufolge am darauffolgenden Morgen in Richtung der Häuser der rivalisierenden Familie und eröffneten das Feuer.
Wie die dpa berichtet, wird die Zahl der Schusswaffen auf der beliebten Urlaubsinsel auf mehr als eine Million geschätzt – bei einer Einwohnerzahl von etwa 625.000. Der Waffenbesitz gelte für viele Männer auf Kreta bis heute als Zeichen der Männlichkeit. Das Motiv der Blutrache oder „Vendetta“, das auch im Kontext der jüngsten Schießerei genannt wird, flammt auf Kreta gelegentlich in abgelegenen Regionen auf, wo alte Familienrivalitäten bis heute nachwirken.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren