Frau Jaschek, was hat Sie dazu inspiriert, über Städtetrips mit Kindern zu schreiben – war es eine persönliche Erfahrung oder eher die Beobachtung anderer Familien?
CHRISTINE JASCHEK: Die Idee war, Familien zu ermutigen, Städtetrips zu machen, weil viele davor Angst oder großen Respekt haben, so etwas mit Kindern zu organisieren. Mir ging es auch darum, Familien generell zu motivieren, wegzufahren – egal ob in die Nähe oder in die Ferne. Ich bin der Meinung: Reisen bildet. Sowohl Kinder als auch Erwachsene, und gerade als Erwachsener nimmt man unglaublich viel mit. Mich hat es wahnsinnig genervt, wenn ich vor dem Verreisen unzählige Blogs nach Tipps und Empfehlungen durchsucht habe und am Ende das Gefühl hatte, genauso schlau zu sein wie vorher. Ich wusste wieder nicht, was ich konkret tun sollte. Daraus entstand die Idee, all diese Informationen kompakt in einem Buch zu bündeln. Ich fand es einfach unglaublich anstrengend, mir alles mühsam von so vielen Seiten zusammensuchen zu müssen.
Sie schreiben im Vorwort: „Auf Städtereisen lernen Kinder, dass Bildung nicht allein in Büchern steckt, sondern in den realen Begegnungen, in den Geschichten der Städte und den Spuren der Vergangenheit.“ Was meinen Sie damit?
JASCHEK: Gerade bei Fernreisen fällt auf, wie sehr Begegnungen mit anderen Kulturen, Sprachen und Menschen Kinder bilden. Das ermöglicht nicht nur Kindern, sondern auch uns Erwachsenen, eine wichtige interkulturelle Kompetenz zu entwickeln - zum Beispiel ein Gefühl für die Sprachmelodien oder andere Lebensweisen. Aber auch innerhalb Deutschlands sind kulturelle Unterschiede deutlich spürbar. Im Norden ist es ganz anders als im Süden. All das bildet – und zwar die ganze Familie gemeinsam.
Was sind die größten Herausforderungen, wenn man Städte mit Kindern erkundet, und wie meistern Sie diese selbst?
JASCHEK: Die größte Herausforderung ist oft die Entscheidung: Was möchte ich eigentlich sehen? Denn alles geht nicht. Man muss jeden Tag neu überlegen, was realistisch ist. Wie sind die Kinder drauf? Wie geht es mir selbst? Eine weitere Herausforderung ist es, Pausen richtig zu gestalten – geeignete Plätze für ein Picknick zu finden und genügend Essen dabeizuhaben. Über den Tag hinweg sollte man immer wieder auf die Bedürfnisse der Kinder achten, damit alles möglichst harmonisch abläuft. Denn wenn sie müde sind, ist es schwierig, wenn sie mit schlechter Laune hinter einem herlaufen müssen.
Gibt es Altersgruppen, für die Städtereisen leichter oder schwieriger sind? Wie passt man die Reise an?
JASCHEK: Wir haben Städtereisen immer gemacht und dabei eigentlich nie Rücksicht auf das Alter genommen. Denn jedes Alter bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. Wenn Kinder gerade laufen gelernt haben, können keine langen Strecken geplant werden. Sitzen sie im Kinderwagen, kann der Weg wiederum länger sein. Wenn sie älter werden, ist häufig die Stimmung die größte Herausforderung, weil sie schneller die Lust verlieren oder sich für manches einfach nicht interessieren.
Welche Tipps würden Sie Eltern geben, die zum ersten Mal mit Kindern eine Stadt besuchen, ohne dass es stressig wird? Mit welchen Städten fängt man an?
JASCHEK: Ich würde mit Städten im näheren Umkreis starten, bei denen die Anfahrt kurz ist und die überschaubar sind. Man sollte sich als Ziel setzen, einfach einen schönen Tag in der Stadt zu verbringen. Mein persönlicher Tipp: immer genug Essen und Trinken dabeihaben - und je nach Alter auch Wechselkleidung. Das Wichtigste ist, entspannt an die Sache heranzugehen.
Nutzen Sie spezielle Apps, Reiseführer oder Tricks, um Städtereisen kinderfreundlich zu gestalten?
JASCHEK: Ich benutze keine Apps. Im Voraus beschäftigen wir uns gemeinsam mit der Stadt und sprechen mit den Kindern (9 und 11 Jahre alt) darüber, was sie gerne machen möchten und was sie interessiert.
Welche Städte gehören zu ihren Top 3?
JASCHEK: Berlin, Hamburg und natürlich Augsburg, da ich hier zu Hause bin. Sankt Peter-Ording ist eine meiner Lieblingskleinstädte, weil sie unglaublich viel zu bieten hat und ich die Atmosphäre der Nordsee über alles liebe.
Haben Sie bei Ihren Reisen verschiedene Verkehrsmittel ausprobiert?
JASCHEK: Innerhalb der Stadt bewegen wir uns in der Regel zu Fuß und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Straßenbahn. Hin und wieder reisen wir auch gerne mit dem Zug an. Mit dem Fahrrad lässt sich die Nordseeküste gut erkunden, aber in Städten war es für uns oft zu umständlich, Kinderfahrräder zu organisieren. Das entscheidet jedoch jede Familie für sich.
Wie haben Sie die Städte für ihr Buch ausgewählt?
JASCHEK: Ich habe Städte ausgewählt, bei denen ich das Gefühl hatte, dass man sie besonders gut – vor allem mit Kindern - bereisen kann. Bonn, Erfurt und Weimar sind beispielsweise reich an Geschichte, und Kinder können dort unglaublich viel lernen, wenn man ihnen Persönlichkeiten wie Goethe oder Bach näherbringt. Wenn ein Bezug zur Örtlichkeit hergestellt wird, wirkt sich das sehr positiv auf das Allgemeinwissen aus. In Bonn kann man etwa über Demokratie und Konrad Adenauer sprechen - für kleinere Kinder noch nicht, aber durchaus für Zehnjährige.
Zur Person:
Christine Jaschek, 44, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit ihrer Familie wohnt sie im Landkreis Günzburg. Als diplomierte Kauffrau war sie in verschiedenen Leitungspositionen im Personalwesen tätig und ist inzwischen Lehrerin an einer Realschule in Augsburg. Das Reisen begleitet sie privat wie beruflich seit vielen Jahren. Über ihre Reisen als Familie berichtet sie auf Facebook und Instagram unter dem Namen wir4aufreisen. Ihr erster Reiseführer „Städtetrips mit Kids Deutschland“ ist im Bruckmann Verlag erschienen.
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