Startseite
Icon Pfeil nach unten
Schwabmünchen
Icon Pfeil nach unten
Königsbrunn
Icon Pfeil nach unten

Bücherfrühling: Auf jeden Ton kommt es an

Bücherfrühling

Auf jeden Ton kommt es an

  • |
  • |
  • |
    Auch Fünftklässler hatten sich mit Reiner Kunze befasst und zu Gedichten von ihm Bilder gemalt.
    Auch Fünftklässler hatten sich mit Reiner Kunze befasst und zu Gedichten von ihm Bilder gemalt.

    Königsbrunn Es war keine übliche Lesung, das war zuvor schon klar. Und so lag unter den etwas mehr als hundert Zuhörern eine besondere Atmosphäre in der Luft. Gespannt warteten sie in einer Mischung aus Ehrfurcht und Respekt vor dem renommierten Schriftsteller, Lyriker und vor allem dem Menschen Reiner Kunze.

    Tiefe aufrichtige Freude, ihn tatsächlich persönlich zu erleben, wurde geäußert. Da waren viele, die Bücher von zu Hause mitbrachten, einige, die sich seit ihrer Jugend teilweise von Kunze begleitet fühlen, die sich vom Prosaband „Die wunderbaren Jahre“ hatten anhauchen lassen, von seiner Sicht auf das aufrechte Leben. Auch Rupert Schmid, selbst Deutschlehrer am Gymnasium, sitzt mit diesen Gedanken in den Reihen.

    Als er hörte, Reiner Kunze würde kommen, konnte er das kaum glauben. Als 16-Jähriger sei er auf ihn gestoßen und habe mit den Jahren wahre Zuneigung für ihn und seine Werke entwickelt. Er habe Achtung vor diesem Mann, der sich nie habe vereinnahmen lassen, immer die innere Freiheit bewahrt.

    Und dann tritt Reiner Kunze auf die Bühne im Gymnasium. Stellt sich vor das Mikrofon, begrüßt die Menschen und liest nicht nur, nein trägt 75 Minuten stehend als fast 79- Jähriger seine poetischen Gedanken, seine Lyrik den Zuhörer vor. In drei Blöcke aufgeteilt, hört man zunächst aus den Tagebucheintragungen „ Am Sonnenhang. Tagebuch eines Jahres“, danach Gedichte aus dem Zeitraum der letzten vierzig Jahre und am Schluss besondere Gedichte für Kinder, Eltern, Großeltern aus dem Band „Was macht die Biene auf dem Meer?“.

    Die Zuhörer erfahren unter anderem von Kunzes besonderer Beziehung zu seinem Großvater – „der Tiere mochte und ich bin sicher, die haben das gespürt“. Dessen Kopf auch der liebste Spielplatz für den kleinen Reiner war, auf dem er mit seinen Holzpferden im weißlich gelben Haar hin- und hergaloppierte und der ihn auch mit den ersten politischen Gesprächen aus der Kindheit ins Erwachsenwerden führte.

    Beim Vortragen der Gedichte schenkt Kunze den Zuhörern die Besonderheit des Nachklangs. Wer mag, darf sich ein bereits vorgetragenes Gedicht ein weiteres Mal wünschen. Dann blättert er zurück und liest es nochmals. Bei einigen Gedichten kommt dieser Wunsch aus dem Publikum – bei einem über seine Frau Elisabeth hat er selbst das Bedürfnis: „Das lese ich freiwillig nochmals.“ Ob Liebesgedicht oder Naturbetrachtung oder das Aufgreifen aus Enkels Kindermund: Es ist dieses Staunen, dieses sich Begeistern, das Festhalten großer Empfindung in meist sparsamen aber stets passenden Worten, das Kunzes Lyrik auszeichnet.

    Und immer ist auch Humor der Begleiter. Bemerkenswert die Leichtigkeit mit der er tiefe Wahrheiten formuliert. Lang anhaltender Applaus auch noch nach der Zugabe, dem „Märchen vom Dis“, das mit den Worten endet: „Auf jeden Ton kommt es an …und besonders in der Erinnerung eines Kindes.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden