Großaitingen/Schwabmünchen In Zell am Chiemsee protestieren Bürger dagegen, dass unter ihnen Erdgas aus dem Boden geholt werden soll (wir berichteten gestern). Am Lechfeld zapfen seit 1979 immer wieder neue Bohrtürme unterirdische Lagerstätten an. Doch das stört inzwischen selten jemanden.
Allerdings würde es für das Förderunternehmen Wintershall heute wesentlich teurer als einst, sich hier niederzulassen, meint Großaitingens Bürgermeister Franz Stellinger. Auch hier habe es damals Widerstand gegeben – jedoch nicht aus Sorge um Landschaftsbild und Umweltschutz, wie am Chiemsee. Vielmehr hätten Bauern für relativ wenig Geld Grundstücke hergeben müssen für Anlagen und Pipelines. In zumindest einem Fall habe es im Grunde eine Enteignung gegeben, wenngleich sich das amtliche Verfahren anders nennt. Inzwischen seien die Böden wesentlich mehr wert. Der Gemeinde bringt die Förderung kaum etwas. Gewerbesteuer fällt durch das kleine Ölwerk an der Bahnlinie kaum an.
Dafür fließt laut Stellinger viel Geld an den Freistaat. Dessen Bergamt Oberbayern entscheide alleine, wer aus bayerischer Erde Rohstoffe gewinnen darf – und wo. „Grundstückseigentümer und Gemeinde haben hier nichts mitzureden“, bedauert der Bürgermeister. Die seismischen Bodenuntersuchungen mit schweren Rüttelplatten haben einst zudem das Dorf wahrlich „durchgeschüttelt“.
Heute lebt die Gemeinde mit der Erdölförderung in friedlicher Eintracht. Würde das Rad der Zeit um 30 Jahre zurückgedreht, würde Großaitingen Wintershall wieder ins Land ziehen lassen, sagt Stellinger. Denn Umweltprobleme wurden nie bekannt. Vorsichtsmaßnahmen haben überzeugt. Es entstanden einige Arbeitsplätze und das Verhalten des Unternehmens bei einzelnen Diskussionen schuf Vertrauen und Respekt.
Mit dem Erdöl strömt am Feld „Aitingen“ Erdgas nach oben – direkt ins Netz des heimischen Versorgers. 175 000 Kubikmeter pro Monat waren es 2011. Gerade genug für eine kleine Wohnsiedlung. Es ist ja auch nur sogenanntes Begleitgas – ohne Zutun kommt es mit nach oben.
Das ist anders als hierzulande bei reinen Erdgasförderungen – weiß Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller. Da würden dem Gas im Boden Kammern gesprengt oder es würden Chemikalien eingesetzt. Das sei am sogenannten Aitinger Ölfeld keineswegs der Fall, bekam der Stadtrat vom Bergamt versichert, bevor er die beiden neuen Förderstellen bei Schwabmünchen zur Kenntnis nehmen durfte. Lorenz Müller: „Wir bekommen keinen einzigen Euro dafür, aber es birgt offenbar keine Gefahr und stört kaum. Nur Jäger haben beklagt, die Bohrtürme würden das Wild irritieren.“ "Kommentar