Schwabmünchen Eine richtig gute Pizza frisch aus dem Holzofen, die gibt es in unserer Gegend kaum noch. Eine Pizzeria, in der nur Pizzen, und zwar insgesamt 51 unterschiedliche, sowie Salat angeboten werden, die gibt es in ganz Bayern nur einmal, und zwar in Schwabmünchen. Die Pizzeria Fortugno. Und genau die schließt nach rund 25 Jahren, aber nur, um sofort wieder aufzumachen: Ein Pächterwechsel steht zum ersten Mal in seiner Geschichte an.
Schrauben und Schilder der Firma Artmaier gab es vorher in dem Haus in der Fuggerstraße. Dann baute Annunziato Fortugno um und eröffnete am 17. Oktober 1987 eine ganz spezielle Pizzeria: Fast täglich steht er seitdem an seinem rot-weißen Ofen, knetet Teig, belegt ihn variantenreich und schiebt in zum Fichtenholz, das links hinten knistert. „Wir hatten fast nur Stammgäste, zu denen wir einen sehr persönlichen Kontakt pflegten. Sie schätzten das besondere Aroma meiner Pizze“, so der Wirt. Anfangs betrieb Fortugno nebenbei noch einen Weinhandel, doch den gab er bald auf.
Groß Reklame für sein Lokal brauchte der Italiener nie machen. Das Geschäft lief. Die 45 Plätze waren zwar selten alle besetzt, nur bei größeren Festen, aber über Arbeitsmangel brauchte sich der jetzt 65-Jährige kaum zu beklagen. Drei Generationen von vor allem Schwabmünchner Familien ließen sich schon seine Pizzavariationen schmecken und erzählten aus ihrem Leben. „Unglaublich, was ich da alles erfahren habe. Aber ein Wirt ist wie ein Arzt oder ein Pfarrer. Da gilt die Schweigepflicht“, betont der Kalabrese. Eines plauderte er aber doch aus: „Bei mir haben sich massenhaft Pärchen kennengelernt, die dann geheiratet haben. Manche sind auch wieder geschieden.“
Eine treue Unterstützung während all der Jahre war ihm seine Frau, mit der er 43 Jahre verheiratet ist. Ihre vier Kinder wollten nie etwas vom Lokal wissen. So musste ein fremder Nachfolger her. Den fand Fortugno in Peer Ziegenrücker. Der Kauferinger Italien-Fan leitete bisher große gastronomische Betriebe in Österreich und Rumänien. Doch er träumte immer schon von einer kleinen eigenen Pizzeria. Und dann las er die Annonce...
Das Lokal und die Art der Führung gefallen ihm so gut, dass er nichts am Konzept ändern will, auch nicht die Speisekarte und die Rezepte. Und in die arbeitet Fortugno den eingefleischten Single jetzt ganz genau ein, damit am ersten Mai alles nahtlos weitergehen kann.
Und was machen Fortugno und seine Frau danach? „Die Freiheit genießen, in Untermeitingen, in unserem schönen Haus in Kalabrien und auf Reisen gehen.“