Schwabmünchen Auf dieses „Glücksgefühl“, wie es die Frau nannte, will sie künftig verzichten, da sie nunmehr mit einer Therapie begonnen hat. Denn immer, wenn sie Stress im Alltag hatte, musste sie „einkaufen, einkaufen, einkaufen“ und dabei in Warenhäusern „lange Finger“ machen.
„Ich hatte zwar Angst, erwischt zu werden. Aber irgendwie war ich auch glücklich, wenn ich so beim Einkaufen war. Das ist doch nicht normal!?“ Das sah allerdings auch die Richterin während der Verhandlung vor dem Schwabmünchner Amtsgericht so. Einerseits bescheinigte Susanne Hillebrand der einschlägig Vorbestraften eine günstige Sozialprognose, da sie ihr gesundheitliches Problem, ihren krankhaften Trieb zu stehlen (Kleptomanie), erkannt hätte.
Andererseits machte sie der 53-Jährigen eindringlich zur Auflage, auf alle Fälle die bereits begonnene Therapie fortzusetzen. Wegen Diebstahls wurde die Frau zu einer Bewährungsstrafe von drei Monaten verurteilt, außerdem muss sie 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.
„Das alles ist mir voll peinlich“, jammerte die reumütig wirkende Angeklagte, die bereits zweimal wegen Diebstahls vor Gericht stand. Im Prinzip hatte sie an jenem Morgen im Dezember des vergangenen Jahres genügend Bargeld einstecken, um die Schachtel Nivea Creme sowie die USB-Speicherkarte im Gesamtwert von 15,48 Euro zu bezahlen. Denn ihren sonstigen Wocheneinkauf hatte sie auch an der Kasse beglichen.
Richterin schlägt vor, gezielt mit einem Zettel einzukaufen
Ja, und dann war da dieser aufmerksame Warenhausdetektiv, der die Kundin längst im Auge hatte. Doch da war auch noch dieses ominöse Glücksgefühl, als sie meinte, die Waren in einem unbeobachteten Augenblick einpacken zu können.
Seither geht die 53-Jährige, wie sie der Richterin versicherte, „nie mehr allein“ in einen Supermarkt. Worauf ihr Susanne Hillebrand riet: „Machen Sie sich doch einen Einkaufszettel und gehen gezielt danach vor. Nur das und nichts anderes legen Sie dann in Ihren Warenkorb.“ Vier Monate zur Bewährung und 90 Stunden Hilfsdienste hatte der Vertreter der Anklage beantragt.