Startseite
Icon Pfeil nach unten
Schwabmünchen
Icon Pfeil nach unten
Königsbrunn
Icon Pfeil nach unten

Martin-Luther–Haus: Jazz, Bono und das Kind in der Krippe

Martin-Luther–Haus

Jazz, Bono und das Kind in der Krippe

  • |
  • |
  • |
    Während Jörg Martl seiner Trompete meist ruhige Töne entlockte, setzte Jim Holzhauses am Schlagzeug rhythmische Akzente.
    Während Jörg Martl seiner Trompete meist ruhige Töne entlockte, setzte Jim Holzhauses am Schlagzeug rhythmische Akzente. Foto: Fotos: Hermann Schmid

    Königsbrunn Schlagzeug und Piano eröffnen den Gottesdienst, den das Plakat als „Jazzy Christmas Celebration“ ankündigt. Aus dem beschwingten Auftakt hört man nach wenigen Takten die vertraute Melodie von „Feliz Navidad – I want to wish you a Merry Christmas“ heraus, den Weihnachts-Ohrwurm von José Feliciano. Viele der 300 Besucher im Martin-Luther-Haus wippen im Rhythmus mit.

    Doch die folgende Stunde hält nicht, was das eingängige musikalische Intro erwarten lässt – sie bietet mehr. Der „X-Mas Jazz“ am zweiten Weihnachtsfeiertag, den nun schon zum dritten Mal Pfarrer Alan Büching und das Bastian Walcher Quartett gestalten, ist kein Gottesdienst zum Mitwippen und Mitsummen, sondern einer zum Mitsingen und Mitdenken.

    Musiker schlagen weiten Bogen

    Es ist ein Gottesdienst, in dem die vier Musiker einen weiten Bogen schlagen von „Feliz Navidad“ über „Take Five“ und Chick Coreas „Crystal Silence“ zu Kirchenchorälen und einer ungewöhnlichen Version von „Stille Nacht“. Und in dem Pfarrer Büching aus den Psalmen des Alten Testaments und aus den Erinnerungen des Rockmusikers Bono – dem Kopf der irischen Band U2 – zitiert, einen Werbeslogan der Gegenwart ebenso anführt wie einen Liedtext aus dem Barock.

    Büching unterläuft schon in der Begrüßung manch naheliegende Erwartung, indem er darauf hinweist, dass für die Wirkung von Musik ganz wesentlich die Pausen sind und zum stille werden einlädt. Auch das spätmittelalterliche Kirchenlied „Es kommt ein Schiff geladen“, das nun die Gottesdienstbesucher zur Klavierbegleitung singen, geht nicht Richtung „jazzy Christmas“ – das klingt erst in der folgenden Variation über „Take Five“ wieder an.

    Dieses Wechselspiel zieht sich durch den ganzen Gottesdienst. Bastian Walcher begleitet am Piano die Besucher bei „Joseph, lieber Joseph mein“ und „Oh, Tannenbaum“. Kräftig erklingen bei diesem „X-Mas Jazz“ die Kirchenlieder, wie eigentlich immer beim musikalischen Sonntagsgottesdienst im Martin-Luther-Haus. Im Anschluss bieten Walcher und seine Kollegen – Andi Bauer, Bass, Jim Holzhauser, Schlagzeug und Vibrafon, und Jörg Martl, Trompete – jazzige Arrangements dieser Volks- und Kirchenlieder.

    Da hat Pfarrer Büching schon die Symbolik des Weihnachtsbaums angesprochen und gezeigt, welche christlichen Motive in diesem Markenzeichen der Festtage zu finden sind: Etwa die immergrünen Nadeln als Zeichen des Weiterlebens, wenn die Natur im Winter abstirbt; oder die Kerzen am geschmückten Baum, die Jesu Ankunft als ersehntes Licht der Welt ausdrücken.

    Dass der geschmückte Baum, die Geschenke darunter und das Familientreffen um ihn herum für viele Menschen Weihnachten schon ausreichend ausfüllen, das wollte Büching nicht groß kritisieren. Er führt dazu aber die Empfindungen des evangelischen Theologen und Dichters Paul Gerhardt an, der 1653 in „Ich steh an deiner Krippe hier“ die verwandelnde Wirkung des Christuskindes ausgedrückt hatte.

    Weihnachtsgedanken in Dublin

    „Warum glauben Menschen an ein Kind?“ Eine Antwort auf diese Frage fand Büching auch bei Bono, dem Kopf der Rockband U2. Der beschreibt, wie ihm beim Weihnachtsgottesdienst in Dublin ein Gedanke zum Kind in der Krippe aufging: „Gott, die nicht zu begreifende Macht und Liebe, wählt die verwundbarste Gestalt von allen“. Bei Jim Holzhausers Vibrafon-Solo von „Christal Silence“ können die Besucher diesen Sätzen nachsinnen.

    Draußen strahlt die Mittagssonne – drinnen endet auch dieser Weihnachtsgottesdienst mit „Stille Nacht“. Die vier Musiker fügen an das gemeinsame Lied eine jazzige, pulsierende Version an, die Gottesdienstbesucher reagieren lächelnd und mit lang anhaltendem Applaus. Der gilt wohl auch ein bisschen Bono, Paul Gerhardt – und dem Kind in der Krippe.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden