Newsticker
Corona-Gipfel: Kostenlose Schnelltests sollen ab nächster Woche möglich sein
  1. Startseite
  2. Lokales (Schwabmünchen)
  3. So helfen Königsbrunner, dass der Behördenfunk nicht einfriert

Königsbrunn

18.01.2019

So helfen Königsbrunner, dass der Behördenfunk nicht einfriert

Arbeit unter Extrembedingungen: Die Techniker mussten, wie hier auf dem Wendelstein, Stufe für Stufe der Leiter freiklopfen, bevor sie überhaupt die Antennen erreichen konnten.
Bild: Autorisierte Stelle Bayern

Damit die Retter an den Alpen ihre Einsätze per Funk koordinieren können, wird in Königsbrunn gearbeitet. Die Techniker kämpfen sich sogar auf Berggipfel.

Der starke Schneefall der vergangenen Tage hat nicht nur den vielen Einsatzkräften im Alpenraum alles abverlangt. Auch im schneetechnisch kaum betroffenen Königsbrunn waren Menschen im Dauereinsatz. Denn Schnee und Eis stellen für das System eine extreme Belastung dar, die sogar für den Ausfall von Stationen sorgen kann. Vom Gelände der Bereitschaftspolizei aus sorgten Beamte der Autorisierten Stelle Bayern dafür, dass Polizei, Rettungskräfte und Feuerwehr nicht plötzlich ohne funktionierende Funkgeräte da standen.

Am Donnerstagmorgen ist auf der Videowand in der Leitstelle in Königsbrunn wieder alles im grünen Bereich: Alle Basisstationen melden Normalbetrieb, nur manchmal wechselt eines der Symbole auf orange. Das sind aber keine Störungen, sagt Leitstellen-Chef Thomas Ortner: „Es wird auch angezeigt, wenn viel gefunkt wird und viel Kapazität benötigt wird.“ In den drei Landkreisen, in denen der Katastrophenfall noch gilt, sind weiter viele Helfer im Einsatz. Vor allem früh, mittags und abends, wenn sich die Kolonnen der Fahrzeuge in Bewegung setzen, wird viel gefunkt. Insgesamt herrscht aber wieder Normalbetrieb in Königsbrunn.

Gerissene Stromleitungen erfordern schnelle Reaktion

Das sah deutlich anders aus, als am 3. Januar die heftigen Schneefälle einsetzten. Zunächst bedrohten umfallende Bäume den Funkverkehr. Denn wenn durch gerissene Leitungen die Stromversorgung einer Station gekappt wird, beginnt für die Techniker ein Wettlauf gegen die Zeit. Auf der großen Videowand leuchtet eine rote Störungsmeldung auf mit dem Kürzel USV. Das steht für „Unterbrechungsfreie Stromversorgung“ und bedeutet: Die Technik wird über die in der Station installierte Batterie versorgt.

Doch auch wenn in den Bergen deutlich mehr Batteriekapazitäten zur Verfügung stehen als im leicht erreichbaren Flachland: Die Lebensdauer ist endlich. Zwar überlappen sich die Bereiche der Funkantennen, sodass der Funk nicht im gesamten Sendebereich der betroffenen Station komplett ausfällt. Doch gerade in den Bergtälern entstehen bei einem Ausfall weiße Flecken, wo Retter im Einsatz nicht mehr per Funk erreichbar sind. Eile ist also geboten. Manchmal schaffe es der Energieversorger, den Strom wieder ans Laufen zu bringen, sagt Thomas Ortner. Falls nicht, muss irgendwie ein Notstromaggregat zur Station geschafft werden: „Auf den Bergen im Berchtesgadener Land standen wir teilweise kurz vor der Unterspannung.“ Doch glücklicherweise hätten es Techniker mit Unterstützung der Bergwacht immer rechtzeitig geschafft – teils mit dem Aggregat auf dem Rücken.

Ortskenntnis der Bergwacht ist unersetzlich

Überhaupt sind die Funkspezialisten in Königsbrunn voll des Lobes für die Arbeit der Bergwacht. Die „Autorisierte Stelle Bayern“, so der offizielle Titel der für ganz Bayern zuständigen Einheit in Königsbrunn, hat ihre eigenen Bergspezialisten, um im Notfall keine Helfer aus Rettungseinsätzen abziehen zu müssen. Vor allem die Ortskenntnis sei unersetzlich, sagt Betriebsleiter Patrick Holzberger: „Wenn eigentlich schon alles dicht ist, kennen die doch noch einen Weg. Oder sie sagen, es geht wirklich nicht.“ Das komme aber fast nie vor. Entweder zu Fuß, mit eigens eingeschalteten Bergbahnen, auf Schneemobilen oder per Helikopter wurden die Techniker an die Standorte gebracht. „Nur wenn Lebensgefahr besteht, muss man sich der Natur beugen“, sagt Ortner.

Doch nicht nur Stromausfälle, sondern auch der Schnee selbst kann die Kommunikation empfindlich stören: Schon heftiger Niederschlag kann die Funk-Qualität beeinträchtigen. Vereisen die Antennen-Abstrahler, kann das bis zum Ausfall einer Antenne führen. Deshalb müssen die klettergeprüften Techniker bei jedem Wetter auf den Berg, sich die schneebedeckte Leiter Stufe für Stufe freiräumen und oben die Technik von Schnee und Eis befreien. Die Richtfunkspiegel seien zwar beheizbar, doch auch diese Technik komme bei heftigem Wetter an ihre Grenzen, sagt Johann Skwara, Chef der Autorisierten Stelle: „Der beheizte Bereich ist zwar frei, aber drumherum bildet sich ein Eispanzer.“ Die Techniker müssen diesen beseitigen, aber so vorsichtig, dass die genau eingestellte Technik nicht verstellt wird.

75 Einsätze an Basisstationen hat die Königsbrunner Zentrale seit 3. Januar koordiniert, sagt Skwara: „Nicht bei allen waren es Ausfälle, es gab auch prophylaktische Einsätze.“ Die Zentrale kann für jeden Standort die technischen Daten abrufen und eingreifen, bevor ein akutes Problem entsteht. Die Funkspezialisten stimmten sich zudem frühzeitig mit den Behörden vor Ort über die Planungen ab, als sich das schwere Wetter abzeichnete. Während des Dauerschneefalls fuhren die Beamten, die zum Landeskriminalamt gehören, Sonderschichten. Das hat sich gelohnt, sagt Johann Skwara: „Wir haben es geschafft, dass mehr als 99 Prozent der Funksprüche ankamen.“

Jetzt wartet man ab, wie sich das Tauwetter auswirkt. Denn auch bei Überflutungen müssen die Funkgeräte der Retter verlässlich arbeiten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren