Landratsamt hat Bebauungsplan-Änderung für Bobingen noch nicht genehmigt
FBU kritisiert zu geringe Gewerbesteuereinnahmen in Bobingen
Der Haushaltsplan für das Jahr 2022 ist verabschiedet. Die Neuverschuldung wächst, die Einnahmen der Stadt leider nicht, wie bei den Haushaltsberatungen immer wieder bemängelt wurde. Die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben wäre dringend nötig. Doch das scheint in Bobingen schwierig zu sein. Es stehen sogar Immobilien leer.
Da ist einmal der ehemalige Netto-Markt im Bobinger Osten. Im vergangenen Sommer ist Netto dort ausgezogen. Seitdem steht das Gebäude, bis auf eine zwischenzeitliche Nutzung als Corona-Testzentrum, leer. Und das in der besten Einkaufslage der Stadt. Die Immobilie soll mittlerweile verkauft worden sein. Doch wie es dort weitergehen wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Zwischenzeitlich hatte sich auch die Stadt Bobingen um den Kauf des ehemaligen Einkaufszentrums bemüht, kam aber nicht zum Zug.
Gleich gegenüber steht eine weitere Immobilie leer. Der ehemalige Thomas-Philipps-Markt. Auf dem Gelände wird schon seit längerer Zeit eine neue Nutzung geplant. Das dürfte auch der Grund für die Kündigung des alten Pächters, Thomas Philipps, gewesen sein. Vorgesehen ist, das Gebäude abzureißen und an gleicher Stelle eine moderne Lidl-Filiale zu errichten. Daneben soll die bestehende Drogeriemarktfiliale erweitert werden, und der freie Platz am kleinen Kreisverkehr in der Königsbrunner Straße soll, laut Planung, einmal eine Burger-King-Filiale beherbergen.
Um das alles möglich zu machen, musste erst einmal der Bebauungsplan geändert werden. Da dieser immer noch nicht vom Landratsamt genehmigt wurde, kann nicht gebaut werden. Bei der Stadt Bobingen hofft man, dass die endgültige Genehmigung noch vor der Sommerpause kommt. Dann läge es nur noch am Investor, wann der Baustart erfolgen wird. Allerdings würde mit dem Umzug der Lidl-Filiale eine weitere Verkaufsfläche, nämlich der bisherige Lidl-Standort, leer stehen.
Auf Nachfrage erklärte Bobingens Bürgermeister Klaus Förster, dass Bobingen tatsächlich Probleme mit der Ansiedlung neuer Unternehmen habe. Allerdings liege das nicht an der mangelnden Attraktivität Bobingens, sondern schlichtweg an der Tatsache, dass der Stadt keine passenden Flächen zur Verfügung stehen würden. "Die meisten Grundstücke, die infrage kommen könnten, sind in Privatbesitz", sagt Förster. Wenn die Besitzer die Flächen nicht selbst entwickeln wollten, bliebe nur ein Kauf durch die Stadt.
Doch müsse der Preis dabei im Rahmen bleiben. In der Regel seien aber die geforderten Summen nicht realistisch. So blieben der Stadt die Hände gebunden. Auch beim Erwerb landwirtschaftlicher Flächen hätte die Stadt schlechte Karten. Für einen Landwirt seien die Grundstücke Teil seines Broterwerbs. Daher wären diese oft nicht an einem Verkauf interessiert, sondern würden sich eher auf ein Tauschgeschäft einlassen. Abermals stehe die Stadt dabei mit leeren Händen da, erklärt der Bobinger Stadtchef. Denn auch Tauschflächen könne Bobingen nicht anbieten.
Franz Handschuh, Fraktionschef der FBU im Stadtrat, will diese Argumente so nicht gelten lassen. "Es ist seit Jahren nichts passiert", sagt Handschuh. Bobingen habe im Wesentlichen kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmeproblem. Im Vergleich mit anderen Kommunen seien die Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Bobingen schon lange viel zu niedrig. Man habe einfach zu wenig unternommen, um an passende Flächen zu kommen.
Auch wolle er die Begründung, dass die Grundstücke zu teuer seien, nicht gelten lassen. Schließlich sei der Grundstücksmarkt dynamisch, und der Preis erhöhe sich weiter, auch wenn die Stadt dann Grundstückseigentümer sei. Die strategischen Voraussetzungen Bobingens seien nicht schlechter als die der umliegenden Gemeinden, erklärt Franz Handschuh. "Wir liegen im Speckgürtel von Augsburg, haben eine gute Infrastruktur und eine hervorragende Verkehrsanbindung. Doch anders als andere Gemeinden, profitiert Bobingen von diesen Vorteilen nicht", bedauert der FBU-Chef. Hier müssten deutlich größere Anstrengungen unternommen werden. Alleine, dass erst jetzt, Anfang Mai, eine hauptamtliche Wirtschaftsförderin in Bobingen eingesetzt würde, zeige, dass der Stellenwert von neuen Gewerbeansiedlungen in Bobingen zu spät erkannt worden sei.
Lukas Geirhos von den Bobinger Grünen wünscht sich mehr Einfallsreichtum, um neue Betriebe anzulocken: "Grundsätzlich ist Bobingen ein lebenswerter Ort", sagt er. Doch es wären neue kreative Ansätze nötig. Übergangsnutzungen bei Leerstand, wie Pop-up-Stores, Co-Working-Spaces, Ateliers bis hin zur flächenschonenden Weiterentwicklung von bisherigen Standorten und teilweise seit Jahren brachliegenden Flächen seien unabdingbar. Und man müsse auch stärker auf die Eigentümer der brachliegenden Flächen, speziell in den Gewerbegebieten zugehen. "Eigentum verpflichtet", mahnt der Stadtrat der Grünen.