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Bobinger Freie Wähler feiern 75. Geburtstag

Bobingen

75 Jahre Freie Wähler in Bobingen

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    Der bayerische Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) besuchte die Jubiläumsfeier in der Bobinger Singoldhalle.
    Der bayerische Digitalminister Fabian Mehring (Freie Wähler) besuchte die Jubiläumsfeier in der Bobinger Singoldhalle. Foto: Freie Wähler Bobingen

    Beim Begriff „Freie Wähler“ denkt man sofort an die bayernweit aktive Partei, mit Landesministern und Landtagsabgeordneten. Doch das war nicht immer so. Und auch eine Partei sind die Freien Wähler nicht. Sie sind eine Wählervereinigung mit Vereinsstatus. In Bobingen gründete sich die Wählervereinigung 1951. Die Gründungsmitglieder waren damals Alois Häring, Werner Lenz, Karl Weber, Albert Amann, Josef Hafner, Otto Schneider und Ludwig Weigand.

    Hintergrund zur Gründung von Wählervereinigungen - nicht nur in Bobingen, sondern quer durch Bayern - war, dass die Deutschen nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus der Politik insgesamt misstrauisch gegenüberstanden. Speziell politische Parteien taten sich schwer, Mitglieder zu finden. Trotzdem wollten viele Menschen im kommunalen Bereich Verantwortung übernehmen.

    Wählervereinigung als Gegenentwurf zu politischen Parteien

    So kam es zur Gründung der Wählervereinigungen, die im Wahlrecht ausdrücklich zugelassen waren. In Bobingen ergab es sich, dass gerade die Mitglieder der Wählervereinigung kommunalpolitisch sehr aktiv waren. So gab es zunächst eine Wahlliste gemeinsam mit der CSU, später eine eigene Liste. 1956 dann ein großer Erfolg. Bobingen war inzwischen das Marktrecht verliehen worden und bei der ersten Marktratswahl wird Alois Häring von der Wählervereinigung erster Bürgermeister. Im Jahr 1960 wurde Häring als Bobinger Bürgermeister bestätigt. 1966 schaffte die Wählervereinigung ihr bestes Ergebnis und wurde stärkste Kraft im Marktrat. Alois Häring trat seine dritte Amtszeit als Bürgermeister an. In die Amtszeit von Alois Häring fiel auch die Stadterhebung Bobingens im Jahr 1969.

    Im selben Jahr wurden das neue Krankenhaus - die heutige Wertachklinik Bobingen - und das mittlerweile geschlossene Hallenbad eingeweiht. 1972 kam es zum Umbruch. Bürgermeister Alois Häring trat nicht mehr zur Wahl an und einige bekannte Größen der Wählervereinigung zogen sich aus der Kommunalpolitik zurück. Trotzdem schafften es immerhin noch fünf Mitglieder der Wählervereinigung in den jetzt auf 24 Räte angewachsenen Stadtrat. Bei der zweiten Stadtratswahl 1978 verlor die Wählervereinigung gegen die aufstrebenden Parteien CSU und SPD und schaffte nur noch drei Mandate. Erstmals und etwas überraschend im Stadtrat: Waltraud Wellenhofer. In den folgenden Jahren schwand die Wählergunst.

    Bekanntestes Mitglied der FW in Bobingen: Waltraut Wellenhofer. Im Jahr 2020 trat sie nach 42 Jahren im Stadtrat zurück.
    Bekanntestes Mitglied der FW in Bobingen: Waltraut Wellenhofer. Im Jahr 2020 trat sie nach 42 Jahren im Stadtrat zurück. Foto: Elmar Knöchel

    Im Jahr 1987 schließlich wurde aus der Wählervereinigung Bobingen ein Mitglied der „Freien Wähler im Landesverband Bayern“. Später erfolgte dann noch eine Namensänderung in „FW Freie Wähler Wählervereinigung Bobingen“. Die Geschichte der Freien Wähler kennt Höhen und Tiefen. Bei zwei Stadtratswahlen scheiterten sie gar an der Fünf-Prozent-Hürde. Zum 60-jährigen Bestehen im Jahr 2012 beschrieb der damalige Bürgermeister Bobingens, Bernd Müller, die Rolle der Freien Wähler so: „Wenn auch nicht die große treibende Kraft, so sind sie, in der Kommunalpolitik doch oft das Zünglein an der Waage.“

    Im Jubiläumsjahr steht wieder einmal eine Kommunalwahl an

    Vor wenigen Tagen feierten die Freien Wähler in der Bobinger Singoldhalle ihr 75-jähriges Bestehen. Als „Zünglein an der Waage“ haben sie Bobingen durch eine bewegte Zeit begleitet. Als die WV 1951 gegründet wurde, hatte Bobingen gerade einmal 6000 Einwohner. Es folgten die Verleihung des Marktrechts und die Stadterhebung. Neubauten wie das Krankenhaus, das Hallenbad, die Kläranlage und der Hochbehälter fielen in diese Zeit. Auch der Bau der Krumbacher Straße, inklusive dritter Wertachbrücke, und der Bau der Süd-Ost-Umgehung.

    Die Gründungsmitglieder der Freien Wähler Bobingen.
    Die Gründungsmitglieder der Freien Wähler Bobingen. Foto: Repro Knöchel

    Bei allen wichtigen Entscheidungen, die in der mittlerweile 18.000 Einwohner zählenden Stadt getroffen worden sind, haben die Freien Wähler ihre Ansichten eingebracht. Ein besonderer Tag war dann kurz nach der Stadtratswahl im Jahr 2020, als die Ikone der Bobinger Freien Wähler, Waltraut Wellenhofer, nach 42 Jahren im Bobinger Stadtrat aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Ihren Platz übernahm damals Nachrücker Martin Gschwilm. Das Jahr des 75. Geburtstages der Freien Wähler ist wieder einmal ein Wahljahr. Die amtierenden Stadträte Rainer Naumann, Gaby Böhm und Martin Gschwilm wollen ihre Mandate verteidigen. Einen Bürgermeisterkandidaten stellen die Freien Wähler nicht.

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