So viel Aufmerksamkeit wie lange nicht mehr hatte die Verabschiedung des Landkreis-Haushalts 2026. Der Grund lag auf der Hand: Die Kreisumlage wird um eineinhalb Prozentpunkte angehoben, was die 46 Kommunen im Landkreis Augsburg zu spüren bekommen. Ihnen fehlen damit unter dem Strich rund sechs Millionen Euro. Hauptursache dafür ist die Anhebung der Bezirksumlage - Geld, das der Landkreis an den Bezirk überweisen muss. Landrat Martin Sailer bezeichnete die Beratungen als die schwierigsten überhaupt. Und er schickte hinterher: Die kommenden werden nicht einfacher.
Anhebung der offenbar Kreisumlage unausweichlich
Die finanzielle Situation des Bezirks - als dritte kommunale Ebene kümmert sich die Verwaltung um soziale, kulturelle und umweltbezogene Aufgaben, die über die Zuständigkeit der lokalen Ebene hinausgehen - wird wohl wegen der steigenden Sozialkosten nicht besser. „Eine Erhöhung ist absehbar“, sagte Kreiskämmerin Heike Seyberth. In den vergangenen beiden Jahren wurde die Bezirksumlage auf insgesamt 4,2 Prozent angehoben. Während der Landkreis im vergangenen Jahr die Steigerung noch abfangen konnte, musste nun an der Stellschraube Kreisumlage gedreht werden, um das eigene Finanzloch zu stopfen.
Beratungen starteten mit einem Rekorddefizit
Im ersten Entwurf für den neuen Gesamthaushalt war noch von einem Defizit von rund 28 Millionen Euro ausgegangen worden. Dann wurde jeder Cent in der Kreisverwaltung umgedreht. Mit pauschalen Deckelungen wurde ein Sparkurs eingeschlagen. Die veranschlagten Ausgaben der Jugendhilfe wurden ebenso wie die Personalkosten gesenkt, was im Landratsamt einen Einstellungstopp bedeutet. Landrat Sailer räumte ein: Es könne hier und dort zu Wartezeiten kommen.
Auch bei freiwilligen Leistungen wurde gekürzt. Geplante Bauprojekte wurden verschoben. Unter dem Strich will der Landkreis 2026 trotzdem knapp 29 Millionen Euro investieren. Zu den größten Projekten gehört die laufende Generalsanierung des Neusässer Gymnasiums, die Sanierung des Sporttrakts der Realschule Meitingen und des Kreisjugendheims Dinkelscherben. Für einen weiteren Klassenzug am Gymnasium Maria Stern in Augsburg für Schüler aus dem Landkreis ist ein Zuschuss von rund 1,3 Millionen Euro vorgesehen.
Die wichtigsten Zahlen des Haushalts 2026
- Umlagekraft: 400 Millionen Euro (Steigerung von 7,3 Prozent)
- Kreisumlage: Hebesatz von 50,5 (+ 1,5)
- Bezirksumlage: Hebesatz von 26,9 (+ 1,9)
- Investitionen: 28,7 Millionen Euro
- Rücklagenentnahmen: 4,5 Millionen Euro
- Neue Kredite: 1,7 Millionen Euro
- Freie Finanzspitze: 132.000 Euro
Finanzexpertin Heike Seyberth bezeichnete die Erhöhung der Kreisumlage als legitim. Die Beratungen hätten gezeigt, dass alles getan wurde, um die Erhöhung so niedrig wie möglich zu halten. Landrat Sailer sagte, dass beim „Kraftakt Haushalt“ miteinander eine Lösung gefunden und gleichzeitig Akzente gesetzt worden seien. Mit großer Mehrheit wurde der Haushalt verabschiedet. Einzig Biberbachs Bürgermeister Wolfgang Jarasch stimmte dagegen.
Die Aussprache im Kreistag
In der Aussprache der Kreisräte zitierte CSU-Fraktionschef Lorenz Müller zum Thema Einsparungen, das „harten Wind“ und manchmal auch Gegenwind verursacht hatte, ein chinesisches Sprichwort: „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Seine Fraktion habe sich für Letztere entschieden. Am Ende sei es gelungen, die Kreisumlage nur um 1,5 Prozent zu erhöhen. Müller sagte: „Wir jammern nicht im Kreistag, sondern arbeiten aktiv an guten Lösungen.“
Silvia Daßler (Grüne) stellte fest, dass bei der kritisierten Kostenrückerstattung durch Bund und Freistaat notfalls auch der Klageweg beschritten werden müsse.
„Die steigenden Sozialausgaben werden ohne passende Finanzierung nach unten durchgedrückt“, sagte Melanie Schappin (Freie Wähler). Das müsse gestoppt werden.
Auch Fabian Wamser (SPD) ging auf das Thema ein. „Wir haben im Landkreis unsere Hausaufgaben gemacht.“ Der Landkreis sei oft genug der Puffer für die Versäumnisse anderer. Die kommunale Familie trage den Freistaat. Das müsse dieser finanziell anerkennen.
Auch Gabriele Olbrich-Krakowitzer (ÖDP) kritisierte die Finanzierungspraxis, während Matthias Krause (FDP) um klare Entscheidungen in „stürmischen Zeiten“ bat.
Kreisrat Thomas Bauer (AfD) beschrieb die Erhöhung der Kreisumlage als maßvoll. Er kündigte an, einen Teil der Sitzungsgelder seiner Fraktion an den Landkreis zurückzuüberweisen.
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