Ungefähr zehn Kinder spielen auf dem Kunstrasenplatz der Fußballer des TSV Schwabmünchen, italienische Musik klingt aus einer mitgebrachten Box. Die Kinder, vielleicht im gehobenen Grundschulalter, vielleicht etwas älter, haben sichtlich Spaß, sie lachen und scherzen, als sie sich Pässe zuspielen, aufs Tor schießen oder einem Ball hinterherspringen. An diesem Mittwochnachmittag im Februar herrscht gute Laune auf dem Kunstrasen, der vielen im Verein Kopfzerbrechen bereitet und auf dem nicht immer lachende Kinder spielen, mehrfach mussten schon Verletzte mit dem Krankenwagen abgeholt werden.
„Es gab schon mehrere Kreuzbandrisse und gebrochene Arme, der Krankenwagen war schon häufig hier“, erzählt Schwabmünchens Abteilungsleiter Germar Thiele. Das Problem: Der Kunstrasen ist gerade im Winter zu rutschig und zu hart. 2018 hat sich der Verein wegen ökologischer Nachhaltigkeit gegen die herkömmliche Gummi-Granulat-Mischung entschieden, die ab 2031 laut einer EU-Richtlinie nicht mehr zugelassen ist. Stattdessen setzt man auf Kunststofffasern und bei der Füllung auf Olivenkerne. 2019 wird der Platz eingeweiht. „Schon im Winter haben wir gemerkt, dass das nicht gut ist“, sagt Thiele. Später saugt man die Olivenkerne ab und ersetzt sie durch Sand, doch der Platz wird nicht weniger rutschig, auch jetzt mit wasserabweisendem Sand ist es nicht wirklich besser. Neben dem TSV setzt deutschlandweit nur eine Schule in München auf diesen Kunstrasen, und auch dort ist man nicht glücklich.
Schwabmünchens Kunstrasen in den Schlagzeilen
Auf das Kunstrasen-Problem in Schwabmünchen wurde auch Deutschlands größtes Sportmagazin kicker im Zuge einer Recherche über ein Kunstrasen-Projekt in Frankreich aufmerksam. Über die Aufmerksamkeit hat sich Thiele gefreut, das Problem des Vereins löst sich so aber nicht. Insgesamt über eine Million Euro hat der Platz den TSV gekostet, der Belag ungefähr 120.000 Euro. Um den Belag auszutauschen, müsste Schwabmünchen mehr als 200.000 Euro investieren. Geld, das man nicht hat.
Sogar der mehr als 20 Jahre alte Kunstrasenplatz in Gersthofen sei besser, sagt Schwabmünchens Kapitän Tim Uhde. Der Platz zwinge vor allem Erwachsene dazu, anders zu laufen, größere Bögen zu machen und anders abzubremsen, sagt Thiele und Schwabmünchens Mittelfeldspieler Philipp Boyer bestätigt das: „Abends im Winter ist der Platz brutal rutschig, weil die Halme nicht aufgestellt sind und nur liegen. Dann hast du keinen Halt und rutschst nur noch.“ Boyer zieht auf dem Platz nur noch Schuhe mit kleinen Noppen an, weil bei längeren Stollen die Gefahr größer sei, hängenzubleiben und sich zu verletzen. „Bei diesem Rasen mit normalen Fußballschuhen zu spielen, ist viel zu gefährlich.“ Auch belaste der harte Platz die Gelenke.
Aktuell spielen und trainieren trotz der Probleme Jugendteams, die zweite Mannschaft und teilweise auch die Landesliga-Truppe auf dem Kunstrasenplatz. Im Sommer sei das kein Problem, im Winter aber schon. „Wir haben keine Alternative“, sagt Thiele. Insgesamt 19 Mannschaften gibt es in Schwabmünchen zurzeit, es wurde sogar ein Aufnahmestopp in der Fußballabteilung verhängt. Eine Lösung für die Platzprobleme ist die Kooperation mit dem ASV Hiltenfingen, weil man dadurch mehr Spielfelder zur Verfügung hat – aber nur im Sommer.
In Batzenhofen funktioniert der nachhaltige Kunstrasen
Zufriedener mit dem neuen Kunstrasenplatz ist man beim CSC Batzenhofen-Hirblingen. Im Juli 2025 hat der Verein die etwa 15 Jahre alte Gummi-Granulat-Mischung mit einem Rasenteppich ersetzt, der mit Sand und Kork gefüllt wird. Die Fasern sind aus biobasiertem Kunststoff, der aus Zuckerrohr hergestellt wurde. „Der Platz ist also CO₂-neutral“, sagt Abteilungsleiter Jürgen Kamissek. Somit entspricht der Platz den ab 2031 geforderten EU-Richtlinien. Der neue Platz sei zudem weicher als der alte: „Der wurde mit der Zeit immer härter.“ Der neue Platz hat den CSC insgesamt circa 350.000 Euro gekostet, die Hälfte davon wird durch die Stadt Gersthofen und den Landkreis Augsburg gefördert.
Auch in Neusäß und beim FC Königsbrunn gibt es noch alte Kunstrasenplätze. In Neusäß sei man damit noch zufrieden, sagt der sportliche Leiter Sven Cyganek. Die Planungen, der neuen Verordnung gerecht zu werden, laufen dennoch. „Wir wissen, dass wir etwas tun müssen“, sagt auch Gersthofen Abteilungsleiter Rico Kornisch, denn auch in Gersthofen bestehen beide Kunstrasenplätze noch aus der 2031 nicht mehr erlaubten Mischung. Dafür, dass die Plätze schon 2005 eröffnet wurden, seien sie aber in einem guten Zustand. Konkrete Pläne, auch was den Belag betrifft, gibt es noch nicht. Beim TSV Königsbrunn sind die Planungen auch noch im Gange, sagt Rico Jahnke, Abteilungsleiter vom TSV Königsbrunn. Der Kunstrasenplatz soll ab Sommer gebaut werden, zurzeit prüft der Verein mehrere mögliche Untergründe. Olivenkerne dürften keine Option sein.
Mit Olivenkernen muss sich der TSV Schwabmünchen auch nicht mehr rumplagen. Aber das Problem bleibt und so rutschte der Landesliga-Spitzenreiter auch im Pokal-Quali-Spiel gegen Stätzling über den eigenen unbeliebten Platz. Am Ende gab es einen souveränen 4:1-Erfolg. Dass man in der Liga auf den Rasenplatz zurückkehrt, begrüßen trotzdem alle Akteure.
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