Am 31. Dezember 2027 wird das Osram-Werk in Schwabmünchen geschlossen. Diese Nachricht erhielten die 270 Mitarbeitenden am Mittwochmittag auf einer Betriebsversammlung. Die Neuigkeit sorgte in der Stadt für große Betroffenheit. Jeder kennt jemanden, der bei Osram arbeitet oder gearbeitet hat. Die Solidarität auf der Demonstration nach der Betriebsversammlung vor dem Werksgelände war groß. Bürgermeister, Stadträte und sogar Vertreter anderer Schwabmünchner Firmen wurden vor Ort gesehen.
Osram in Schwabmünchen: 1961 startete der Bau des Chemiewerks
In gut zwei Jahren endet eine Schwabmünchner Ära der Industriegeschichte. Osram war die erste große Industrieansiedlung der Stadt. Im Jahr 1961 ist mit dem Bau des Chemiewerks begonnen worden, 1962 startete die Produktion. Zwei Jahre später begann der Bau des Drahtwerks. Nach den Kriegszeiten bedeutete Osram für die Stadt neben der dauerhaften Wirtschaftskraft gesicherte Arbeitsplätze und Einkommen für mehrere hundert Familien und eine Aufwertung der Stadt als Standort für neue Betriebe. Zu Hochzeiten in den 1990er-Jahren arbeiteten dort 550 Beschäftigte. Danach folgten Verlagerungen einiger Bereiche ins Ausland. Besonders kritisch wurde die wirtschaftliche Lage, als LED-Technik die Glüh- und Energiesparlampen ablöste.
Zuletzt hat man am Standort sehr viel getan, um in der Produktion auf der Höhe der Zeit zu sein. Osram hat in seinem Werk in Schwabmünchen als einer der ersten Orte in Deutschland den 5G-Mobilfunkstandard eingeführt, die Produktion bei Osram greift auf Künstliche Intelligenz zurück. Die Beschäftigten nutzen 3D-Brillen. Mitarbeiter verzichteten auf Geld, leisteten Mehrarbeit, um den Standort zu sichern. Trotzdem war das Geschäft an dem Traditionsstandort nach Unternehmensangaben rückläufig.
Osram schließt Werk in Schwabmünchen: Bürgermeister erfuhr es erst am Mittwoch
2020 ist Osram vom österreichischen Licht- und Sensorspezialisten AMS übernommen worden. In eine Abteilung, die Keramikplättchen für LED-Chips im Reinraum herstellte, wurde damals große Hoffnung gesteckt. Aber es kam nicht, wie erhofft. Dann sollte Osram Schwabmünchen an einen ernsthaft interessierten Investor verkauft werden. Zunächst sah es gut aus, doch der Verkauf scheiterte letztlich. Nun steht das Werk vor dem Aus. „Das ist ein harter Schlag. Seit Jahrzehnten prägt Osram Schwabmünchen“, sagte Bürgermeister Lorenz Müller. Er sei „tief enttäuscht“ gewesen, dass die Stadt nicht eher in die Entscheidung des Unternehmens einbezogen wurde. Müller erfuhr ebenfalls erst am Mittwochmittag davon.
270 Arbeitsplätze gehen in Schwabmünchen verloren und vermutlich noch einige mehr. Denn auch externe Handwerksbetriebe kümmern sich um das Werk im Norden der Stadt, darunter Elektriker, Glaser, Maler, Sanitär- und Heizungsfachleute. Arbeitsbereiche, die an andere Firmen vergeben wurden, wie die Pforte oder die Belieferung der Kantine, fallen ebenfalls weg. Das Angebot des Geschäftsführers der Osram GmbH, Rainer Barthel, die etwa 60 Osram-Mitarbeiter aus der LED-Sparte, im Werk in Regensburg weiterzubeschäftigen, nehmen wohl nur wenige an. Arbeiten doch viele seit Jahrzehnten in Schwabmünchen, haben hier Immobilie, Familie und Lebensmittelpunkt.
Osram will Werk in Schwabmünchen schließen – gibt es noch Hoffnung?
So einfach wollen die Beschäftigten ihr Werk aber nicht aufgeben, gab der Betriebsratsvorsitzende Armin Hafner seinen Kollegen auf der Demonstration zu verstehen: „Wir haben Topmitarbeiter und wir haben einen Topwerksleiter. Wir brauchen kein Management. Wir wollen das Beste aus unserem Standort rausholen und das darf keine Schließung sein.“ Bürgermeister Müller sicherte zu: „Wenn wir oder der Landkreis irgendetwas zum Erhalt beitragen können, tun wir es. Egal, ob es um Genehmigungen oder Grundstücke geht. Die Stadt stand schon immer zum Standort.“ Ein letzter Funke Hoffnung glimmt noch.
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