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Schwabmünchen: Liedertafel: Die älteste Boyband der Stadt wird 175 Jahre alt

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Liedertafel: Die älteste Boyband der Stadt wird 175 Jahre alt

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    Die Schwabmünchner Liedertafel feiert den 175. Geburtstag am Samstag mit einer Serenade im Luitpoldpark.
    Die Schwabmünchner Liedertafel feiert den 175. Geburtstag am Samstag mit einer Serenade im Luitpoldpark. Foto: Johannes Böhm

    Mit der Gründung am 11. Oktober 1848 ist die Liedertafel der älteste existierende Verein Schwabmünchens. Zum 175-jährigen Vereinsjubiläum soll auch die traditionelle Serenade unter den lauschigen Bäumen im Luitpoldpark ganz besonders gefeiert werden. Die Serenade findet am Samstag, 5. August, ab 19 Uhr statt. Bei ungünstigem Wetter wird sie um einen Tag auf den Sonntag verschoben. Neben dem Männerchor der Liedertafel wird eine Blaskapellen-Combo der Stadtmusikkapelle Schwabmünchen und der gemischte Chor des Großaitinger Liederkranzes für die musikalische Unterhaltung der Besucher sorgen. 

    Die Schwabmünchner Liedertafel feiert den 175. Geburtstag am Samstag mit einer Serenade im Luitpoldpark.
    Die Schwabmünchner Liedertafel feiert den 175. Geburtstag am Samstag mit einer Serenade im Luitpoldpark. Foto: Hieronymus Schneider, Archiv

    "Wir werden unsere Gäste mit ausgesuchten, aber preiswerten Weinen, sowie antialkoholischen Getränken und den von unseren Frauen selbst belegten Broten versorgen“, verspricht der Liedertafel-Vorsitzende Reinhard Liepert, der die Serenade als einen Eckpfeiler im 175. Jubiläumsjahr sieht. Nach den beiden Coronajahren und einer witterungsbedingten Absage im vergangenen Jahr freut er sich besonders darauf, dass sie heuer wieder stattfindet und hofft auf einen lauen Sommerabend bei Wein und Gesang. Der Eintritt ist frei.

    Festkonzert im Oktober in der Stadthalle

    Der eigentliche Geburtstag wird am 15. Oktober um 19 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche gefeiert und dann kommt es zum Höhepunkt und Abschluss des Jubeljahres mit dem Festkonzert mit mehreren Chören in der Stadthalle am 21. Oktober, ebenfalls ab 19 Uhr. Die Schirmherrschaft über alle Veranstaltungen hat Schwabmünchens Bürgermeister Lorenz Müller übernommen. 

    Die Liedertafel ist als reiner Männerchor gegründet worden und ist es bis heute geblieben. Die derzeit 30 aktiven Sänger hören aber auf die Takte ihrer Chorleiterin Ingrid Jürges. Sie setzt als Tochter von Elmar Pfandzelter die jahrzehntelange Familientradition fort. Der Verein will die Freude am Singen fördern und pflegen, sowie musikalische Veranstaltungen und öffentliche Auftritte zu unterschiedlichen Anlässen gestalten. 

    In früherer Zeit waren alle Honoratioren der Stadt in der Liedertafel vertreten, denn es tauchen viele Namen von Bürgermeistern, Lehrern, Unternehmern, Geschäftsleuten und Bankiers in den Listen auf. Das war bei der Gründung im Jahr 1848 wohl noch ganz anders. Denn in diesem Jahr der März-Revolution gab es auch in Schwabmünchen eine deutliche Unzufriedenheit mit der Monarchie unter König Ludwig I., die zur Gründung eines März-Vereins führte. Als der König gegen diese Vereine vorgehen ließ, entledigte man sich der Rädelsführer und verwandelte sich in einen unverdächtigen Gesangsverein, der sich unbehelligt versammeln durfte. 

    Der Verein wurde im Alten Rathaus gegründet

    So wurde die Liedertafel am Nachmittag des 11. Oktober 1848 im Gasthaus Post, dem heutigen alten Rathaus, vom königlichen Rentbeamten Stengel als erstem Vorsitzenden gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern waren nun auch bekannte Honoratioren der Stadt vertreten. Die ersten Chorproben fanden bei Kerzenschein statt, denn damals gab es noch keine Stromversorgung und Musik war nur live zu erleben. 

    Strafe wegen der "Übertretung der Polizeistunde"

    Einige Anekdoten aus der bewegten Geschichte der Liedertafel: Im Jahr 1854 mussten 17 Mitglieder der Liedertafel 30 Kreuzer Strafe wegen "Übertretung der Polizeistunde" zahlen. Die Strafe wurde vom Bürgermeister Eder verhängt, der selbst Mitglied der Liedertafel war. Zum zehnjährigen Jubiläum wurde 1858 die Vereinsfahne angefertigt, die heute noch erhalten ist und bei festlichen Anlässen zum Einsatz kommt. Der Chor der Liedertafel trat bei allen wichtigen Ereignissen der Stadt in Erscheinung. Überliefert sind Auftritte zugunsten Brandgeschädigter, bei der Einweihung der Lechbrücke Schwabstadl 1861 oder Geburtstagsfeiern von Reichskanzler Bismarck und vielen Vereinsfesten. Auch Ausflüge bis nach Hamburg und Wien sind in der Chronik vermerkt. Im Jahre 1908 kam es auf Initiative des Turnvereins zur Gründung eines Konkurrenzvereins „Liederkranz“. Erst nach 18 Jahren wurde dieser Verein mit der Liedertafel vereinigt. Hauptlehrer Pfandzelter rief ab 1937 ein Liedertafel-Orchester ins Leben. Als schmerzlichste Aufgabe der Liedertafel wird die Gestaltung der Trauerfeier für die 58 Opfer des Luftangriffes auf Schwabmünchen am 4. März 1945 in der Chronik beschrieben. Nach der Auflösung aller Vereine in der Besatzungszeit wurde die Liedertafel im Juni 1947 wieder gegründet. 

    Schwarz-Weiß-Ball gehört zur Identität der Liedertafel

    Der heutige Ehrenvorsitzende Elmar Pfandzelter führte 1963 den Schwarz-Weiß-Ball ein, der seitdem zur Identität der Liedertafel gehört und als einziger gepflegter Tanzabend in der Faschingszeit erhalten blieb. Heute pflegen 30 Sänger und rund 120 fördernde Mitglieder neben dem traditionellen deutschen Liedgut und modernen bis rockigen Stücken nach wie vor die Geselligkeit. Jährliche Veranstaltungen wie die Dreikönigswanderung, ein Kappenabend, ein Vereinsausflug oder ein Schafkopfturnier gehören dazu. Aber auch nach den Chorproben an jedem Donnerstag um 19.30 Uhr im Vereinsgasthaus „Einkehr zum Hasen“ in der Giromagnystraße gibt es ein geselliges Beisammensein. Hierzu sind alle Männer, die gerne singen oder einfach mal reinschnuppern wollen, willkommen.

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