In einem alten Schloss mit einem Rapstar – für Fabian Bösler war das ein besonderes Arbeitsumfeld. Der Physiotherapeut aus Schwabmünchen mit Praxis in Untermeitingen behandelte beim Raiffeisen-Kultursommer im Schloss Tüßling im oberbayerischen Landkreis Altötting Rapper Sido und sein Team. „Jeden Gangster habe ich eingerenkt“, sagt er im Scherz und lacht. Das war das erste Mal, dass er so ein Treffen auf einem Bild festgehalten hat, doch Backstage-Behandlungen für Promis hat er schon öfter übernommen.
„Die Tickets und Termine bekomme ich, und da muss ich ihm mal wirklich danken, von meinem Freund Marcel Wegmann.“ Wegmann, auch Schwabmünchner, ist Eventmanager. Die beiden haben einen freundschaftlichen Deal. Bösler behandelt Wegmann in seiner Praxis in Untermeitingen und Wegmann besorgt dafür gelegentlich Backstage-Karten für Events. „Und wenn es jemand dort braucht, dann fragt er mich, ob ich zum Behandeln komme.“
Insgesamt hatte der Schwabmünchner Physiotherapeut fünf Promi-Einsätze
Insgesamt waren es bereits fünf Promi-Einsätze: Wanda, Josh, Dream Theater, Sido und DJ Desue. „Manchmal sind die Behandlungen schon im Voraus geplant“, sagt Bösler. Für das Sido-Konzert hatte er zwar Karten. Doch erst am Morgen erfuhr er, dass er dort arbeiten soll. Bei „Dream Theater“ hatte er es gerade mal zehn Minuten vor der Behandlung erfahren. Seine Ausrüstung hat er immer dabei. Das sind: Liege, kleine Tücher, Handtücher, Laken, Kinesio-Tapes, Schere, Desinfektionsmittel und Öle.
Wie Fabian Bösler Stars wie Sido genau behandelt, verrät er nicht. „Einerseits habe ich Schweigepflicht, andererseits wäre das auch nicht cool“, sagt er. Mit cool meint er, dass es auch ohne Schweigepflicht, nicht angemessen ist, persönliche Informationen weiterzugeben.
Einen kleinen allgemeinen Einblick in seine Arbeit kann er aber geben. „Ich schaue immer, dass ich eine Kombination mache.“ Das heißt: Zuerst beurteilt er die Statik, also die Haltung und das Gleichgewicht des Körpers, dann nutzt er Elemente aus der Osteopathie, etwa die Behandlung bestimmter Organe, um anschließend den Bewegungsapparat gezielter korrigieren zu können. Bei akuten Beschwerden wird getaped. „Meistens manipuliere ich auch.“ Damit ist das Einrenken gemeint. „Das mögen eigentlich alle gern, wenn es laut kracht.“
Bei dem Leben auf Tour ist es verständlich, dass die Stars mal eine Behandlung brauchen
Behandelt werden nicht nur die Stars, sondern auch Begleiter, Leibwächter, Mitarbeiter vom Sicherheitsdienst, Lichttechniker und weitere. „Das war ehrlich brutal. Ich bin keine fünf Meter gelaufen, ohne dass der Nächste kam und irgendwas wollte“, erinnert sich Bösler an das Sido-Konzert. Die meisten Künstler samt Entourage benötigen häufig eine Behandlung, wegen des harten Lebensstils auf Tour: wenig Schlaf, lange Nächte, selten Zeit für ausgewogene Ernährung, Bewegung oder eine Behandlung.
Interessant sei, dass man sich während der Behandlungen gut unterhalten könne, meist über das Tourleben, Urlaub oder Musik. Details nennt er keine, erwähnt aber einen kleinen Fast-Fauxpas: „Sido hat mich gefragt, was ich für Musik höre und ich höre so was wie seine Musik halt gar nicht“, sagt er. Sein Geständnis kam aber gut an: „Man will ja auch nicht von einem Groupie behandelt werden.“ Auch für das restliche Team von Sido hat Bösler nur lobende Worte: „Alle, wirklich alle, waren überaus freundlich und dankbar. Ich bin jetzt von jedem der ,Bruder‘. Immer hieß es ‚Danke, Bruder‘“, sagt er und lacht.
Eine ganze Tour will der Osteopath nicht begleiten
„Das ist eine schöne Abwechslung vom Alltag.“ Mit auf Tour, wie es ihm bereits bei einem Termin angeboten wurde, will er aber nicht. „Meine Frau würde mir den Kopf abreißen“, sagt er im Scherz. Weitere Einsätze kann sich der Physiotherapeut aber gut vorstellen – gerne auch außerhalb Süddeutschlands. Wer weiß: Vielleicht, wenn er weiterhin gute Arbeit leistet, könnte er sogar seine Lieblingsband behandeln – Metallica.
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