Westerringen Grelles Gelb und tiefes Schwarz, das sind die Lieblingsfarben von Alfons Schmid aus Westerringen. Um sie live zu sehen, fährt er tausende Kilometer pro Jahr und gibt viel Geld dafür aus. „Ich habe einfach so viel Spaß daran, dass es mir das wert ist“, erzählt der Zimmerermeister danach gefragt, warum er ein eingefleischter Fan von Borussia Dortmund ist, dem Deutschen Fußballmeister und Pokalsieger 2012.
In der Mannschaft Fußball gespielt hat Schmid selbst nie. Und trotzdem schenkt er dieser Sportart einen großen Teil seiner Freizeit. Angefangen hat alles mit dem Gewinn in einem Preisausschreiben 1974: Karten für die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. „Ich hatte sogar einen Ball, handsigniert von unserer Nationalmannschaft. Mit dem haben wir aber so lange auf dem Hof gekickt, bis er kaputt war.“ 1990 reiste Schmid dann mit dem Bus zur WM nach Italien und vier Jahre später sogar nach Amerika.
Mit einer Bundesligamannschaft identifizierte er sich aber damals noch nicht. Warum er dann 1995 plötzlich BVB-Fan wurde, weiß er selbst nicht so genau: „Vielleicht ist es, weil mir das Trikot und das Stadion so gut gefielen oder weil ich eine Tante im Ruhrgebiet hatte.“ Warum er nicht FC-Bayern-Fan ist, das weiß er dafür umso genauer: „Die sind mir zu hochnäsig.“
Nachdem Schmid zum ersten Mal ein Spiel seines Teams live gesehen hatte, wurde die Borussia so richtig zur Droge. „25000 jubelnde Gelb-Schwarze auf der Südtribüne zu sehen, das ist Gänsehaut-Atmosphäre.“ Inzwischen muss er alle wichtigen Spiele seiner Mannschaft gesehen haben, ob im Signal-Iduna-Park oder auswärts. Ein absolutes Highlight war für ihn der 3:1-Sieg der Borussia im Champions-League-Finale gegen Juventus Turin, ein weiteres der 5:2-DFB-Pokal-Sieg gegen Bayern.
Nie lange überlegen müssen seine Freunde, was sie dem BVB-Vereinsmitglied und Aktienbesitzer zum Geburtstag schenken: Irgendetwas vom BVB, das löst immer Begeisterung aus. Und was er nicht kaufen kann, das besorgt er sich dann selbst: Trikots oder Jacken mit Unterschriften von Spielern oder Offiziellen, dafür investiert er oft viel Zeit. „Ich habe mal so lange vor der Toilette gewartet, bis Roman Weidenfeller wieder rauskam. Dann ließ ich ihn auf meiner BVB-Jacke unterschreiben. Die darf meine Frau jetzt nicht mehr waschen.“ Sogar Rasen aus dem Stadion hat er schon nach Hause gebracht. Seine Sammlung zeigt er dann bei großen Feiern im Betrieb.
Seinen 50. Geburtstag gestaltete Schmid, BVB-Vereinsmitglied und Aktienbesitzer, ganz in gelb-schwarz. Alle mussten in seinen Lieblingsfarben erscheinen. Und was schenkt er seinen Enkeln zu Ostern? Natürlich BVB-Hasen. Die Familie erträgt seine „Spinnerei“, wie er selbst sagt, ganz geduldig.
Als er aber sein Hausdach in den BVB-Farben decken wollte, da streikte dann doch seine Frau. Dafür baute er am 1. Mai eine riesige Gerüstwand im Garten auf (10x6 Meter) und behängte sie mit BVB-Utensilien. Und natürlich ziert auch ein gelbschwarzer Fahnenmast das Grundstück. „Wenn Lieferanten fragen, wo unsere Firma ist, sagen wir nur: Da wo die BVB-Sachen sind. Dann findet uns jeder“, erzählt Schmid mit leuchtenden Augen und meint: Nach dem Pokalsieg habe ich die Wand sogar noch erweitert: Es war ein Hochgenuss.