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Turbine erzeugt Strom aus Singold und versorgt 60 Haushalte in Großaitingen

Großaitingen

Neue Turbine in Großaitingen erzeugt Strom aus der Singold

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    So sieht die neue Turbine aus.
    So sieht die neue Turbine aus. Foto: Hieronymus Schneider

    Die älteren Großaitinger erinnern sich noch gut an den Turm der Meitinger-Mühle an der Singold am südlichen Ortseingang. Vor etwa hundert Jahren wurde dort mit der Stromerzeugung aus Wasserkraft begonnen und eine Getreidemühle und ein Sägewerk angetrieben. Beides wurde in den 1970er-Jahren zusammen mit einem verbundenen Baugeschäft aufgegeben und inzwischen steht eine Wohnanlage an deren Stelle im Mühlenweg. Die alten Turbinen liefen aber noch viele Jahre weiter und die wasserrechtliche Erlaubnis zur Stromerzeugung blieb bei der Familie Meitinger. Nun hat sich der Erbe Thomas Meitinger dazu entschlossen, eine nagelneue Turbine mit Betoneinfassung des Wasserfalls von zwei Metern und einem Turbinenhaus zu bauen. „In der Mühlenumbauphase stand die Turbine etwa vier Jahre lang still und ist in dieser Zeit stark verschlammt und verkalkt. Danach habe ich sie nie mehr richtig zum Laufen bekommen“, sagte Thomas Meitinger bei seinem Turbinenfest mit Einweihung der neuen Turbine durch Pfarrer Hubert Ratzinger.

    Zwei Menschen kamen in der Turbine ums Leben

    Wie sehr ihm der Segen Gottes dafür wichtig ist, erklärte er so: „Es gab zwei Todesfälle, mein Opa hat 1988 einen Herzinfarkt erlitten, als er im Winter in die Turbine ging und viele Jahre zuvor ist ein Müllermeister mit dem Mantel in den Antriebsriemen gekommen und wurde regelrecht in Stücke gerissen“. Daran erinnert sich auch seine Tante Brigitte Reiß, die Tochter des 1988 verstorbenen Siegfried Meitinger noch sehr gut: „Mein Großvater war schon seit mindestens 1900 der Betreiber der Getreidemühle mit Sägewerk, Schreinerei und Baufirma. 1976 hat mein Vater die Mühle aufgegeben und das Futtermittelwerk am Bahnhof aufgebaut“, erinnert sie sich.

    Thomas Meitinger (links) mit einem seiner Söhneund Pfarrer Hubert Ratzinger vor dem Turbinenhaus.
    Thomas Meitinger (links) mit einem seiner Söhneund Pfarrer Hubert Ratzinger vor dem Turbinenhaus. Foto: Hieronymus Schneider

    Die neue Turbine wurde nach einer intensiven Bauzeit seit Mai nun in Betrieb genommen. Besonders schwierig waren die Betonarbeiten zur Einfassung des Wehrs, bei denen die Singold vorbei geleitet und die Baustelle trockengelegt wurde. „Die logistischen Meisterleistungen der Baufirma Riedelsheimer haben sich gelohnt und wir konnten das Herzstück, eine Kaplan-Turbine der Firma EFG und einen Asynchrongenerator mit einer Leistung von 30 Kilowatt und 1.000 Umdrehungen pro Minute im Turbinenhaus einbauen“, sagte Meitinger stolz. Bei einer Fallhöhe von zwei Metern erwartet er eine Jahresleistung von etwa 150.000 Kilowattstunden. Am Tag der Einweihung hatte die Singold einen Pegelstand von 60 Zentimetern an der Messstelle in Langerringen und bewegte 1.270 Liter pro Sekunde. Die Turbine mit der Bezeichnung R800-4L wurde von der Firma Burger aus Engetried im Unterallgäu eingebaut.

    60 Haushalte können ein Jahr lang mit Strom versorgt werden

    Mit dem erzeugten Strom können rund 60 Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden oder ein E-Auto 25-mal die Erde umrunden. Thomas Meitinger, der den Bio-Futtermittelbetrieb Meika beim Großaitinger Bahnhof leitet, ist auch der Beitrag für die Umwelt wichtig: „Wir sparen hier jährlich rund 60 Tonnen CO₂ ein, um diese Menge durch die Natur zu binden, müsste man jedes Jahr 4.800 Buchen pflanzen“. Zum Turbinenfest hatte Meitinger auch die Nachbarn eingeladen, um sich für den Lärm und Staub beim Bau zu revanchieren und um bei der nächsten Eigentümerversammlung das Konzept „Energy sharing“ zu besprechen. Mit diesem Konzept könnte die Wohnanlage autark und ausfallsicher mit Strom versorgt werden. „Wir haben einen hohen sechsstelligen Betrag investiert, um nachhaltig aus kostbarem Wasser Energie zu gewinnen“, sagte Thomas Meitinger zu den Gästen, die mit Gitarrenmusik und Gesang von der Nachbarin Sabine Moder, sowie Getränken und Speisen aus dem Foodtruck verwöhnt wurden.

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