Königsbrunner Listengemeinschaft geht neue Wege
Wie sinnvoll ist Plakatwerbung überhaupt noch?
Das sagen SPD, Junge Union und die Linke aus dem Augsburger Land
Ausgewählte Standorte als Lösung?
Zwischen Laternenmasten und Ortsschildern erinnert derzeit kaum etwas so zuverlässig an die bevorstehende Kommunalwahl im Landkreis Augsburg wie die vielen Wahlplakate. Diese läuten nicht nur den Beginn des politischen Wettbewerbs ein. Vielmehr rückt auch der Umgang mit öffentlichen Flächen, Ressourcen und Umweltfragen stärker in den Fokus. Wie nachhaltig ist der klassische Straßenwahlkampf in der Region – und gibt es Alternativen?
In Königsbrunn fehlt eine Gruppierung: die neue Wählervereinigung Herzenssache Königsbrunn, die gemeinsam mit der FDP zur Wahl antritt. Als einzige der zur Wahl stehende Parteien in Königsbrunn verzichtet die neue Listengemeinschaft damit auf eine flächendeckende Plakatierung im Stadtgebiet.
„Mit dieser Forderung liefen die Mitglieder der Herzenssache Königsbrunn bei mir offene Türen ein“, sagt Bürgermeisterkandidat Christian Toth. Er habe grundsätzlich Verständnis für Wahlwerbung. Aber die Art und Weise müsse hinterfragt werden: „Wer heute über Umweltschutz redet und zugleich 300 Wahlplakate zum Teil aus Plastik drucken lässt, diese an Bäumen und Masten mit Kabelbindern befestigt und nach sechs bis acht Wochen in den Müll entsorgt, kommt in Erklärungsnöte und sollte bereit sein, neue Wege zu gehen.“
Für eine praktische Umsetzung der Idee hat die Gemeinschaft sieben „Wesselmänner“ an den Ein- und Ausfahrtstraßen von Königsbrunn bestellt. Dabei handelt es sich um mobile Großplakate. Ebenso sind einige Bus- und Straßenbahnhaltestellen mit dem Team der Herzenssache Königsbrunn plakatiert.
Wahlplakate gehören trotz zunehmender Digitalisierung zur Grundausstattung des Wahlkampfs. In der Regel bestehen sie aus Hohlkammerplatten aus Kunststoff, seltener wird auf nachhaltigere Materialien wie beschichteten Karton zurückgegriffen. Die gängigen Formate DIN A1 oder DIN A0, meist mit Kabelbindern angebracht, sind ökologisch also nicht unbedenklich. Für Juliane Vinzelberg, Kreisvorsitzende der Grünen, ist das Plakatieren nach wie vor ein zentrales Wahlkampfmittel: „Wir versuchen so ressourcenschonend wie nötig zu arbeiten. Aber es ist wichtig, auf der Straße für die Menschen sichtbar zu sein.“
Der SPD-Landratskandidat Fabian Wamser sieht das ähnlich: „Es fällt auf, wenn man nicht dabei ist. Die Leute sprechen einen darauf an.“ Auch Lisa Wolf von der Jungen Union glaubt an die Bedeutung des Plakatierens, um auf sich aufmerksam zu machen. Strategisch setze die Junge Union, aber zunehmend auf einen Online-Wahlkampf. Kritischer ist man bei der Linken: „Aus unserer Sicht ist es eine starke Umweltbelastung, dass Parteien große Mengen an Plakaten drucken, die nur für wenige Wochen genutzt werden“, sagt Johanna Schulz vom Kreisverband Augsburg. Zudem hätten größere Parteien Vorteile: „Sie drucken mehr und größere Plakate, lassen Großflächen aufstellen und Mitarbeitende von Agenturen plakatieren“, sagt Schulz.
In Bobingen hängen Wahlplakate nur an ausgewählten Standorten. Darauf hat sich der Stadtrat einstimmig verständigt. Dafür wurden Plakatflächen für Großplakate an Bauzaunfeldern freigegeben. In Thierhaupten funktioniert dieses Vorhaben schon seit Jahren. Dort stehen im Ortskern drei zentrale Plakatwände. Diese Art der Organisation bietet nicht nur Vorteile hinsichtlich eines ordentlichen Straßenbilds, sondern auch weniger Ablenkung für Verkehrsteilnehmende. Hinzu kommt ein verbesserter Schutz vor Wind, Wetter und Vandalismus. Für eine solche Lösung spricht sich auch Johanna Schulz aus: „Plakattafeln räumen Parteien faire Chancen ein: Begrenzte Flächen für alle, damit alle ähnliche Repräsentanz im öffentlichen Raum erhalten und weniger Müll produziert wird.“
Andere Gemeinden wie Meitingen oder Schwabmünchen scheuen diese Lösung und argumentieren mit einem höheren Aufwand und Kosten für die Kommunen. „Die Beweggründe für den Einsatz von Kleinplakaten liegen in der Verantwortung der jeweiligen Parteien“, sagt Felix Kraus von der Stadt Schwabmünchen. Eine Beschränkung der Plakatierung auf zentrale Plakatflächen sei im Stadtrat diskutiert, jedoch nicht beschlossen worden. „Das Hauptargument war, dass Wahlen generell, insbesondere aber die Kommunalwahlen, eine so große Bedeutung haben, dass hierfür eine Einzelplakatierung weiterhin möglich sein soll. Lediglich die Innenstadt soll von Wahlplakaten freigehalten werden“, sagt Kraus.
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