Vor 50 Jahren wurden Waldberg und Kreuzanger ein Teil von Bobingen. Daran erinnerten Zeitzeugen bei einer Feierstunde. Bürgermeister Klaus Förster sagte im Schützenheim der Jungschützen in Kreuzanger zur damaligen Entscheidung: „Heute, 50 Jahre später, sehen wir: Diese Entscheidungen waren richtig.“ Der Schritt nach Bobingen sei vernünftig und weitblickend gewesen, er habe die Stadt reicher gemacht. Reicher an Gemeinschaft, an Identität und dem, was Kommunen stark macht: Zusammenhalt.
Waldberg und kreuzanger mussten ihre Selbstständigkeit aufgeben
Manchmal müsse man eben Umwege gehen, um näher zusammenzurücken, so Förster. Dass es nicht immer ganz ohne Probleme ablief und viele Gespräche nötig waren, um so eine Entscheidung zu treffen, davon berichteten drei Zeitzeugen: Reinhold Eckl aus Kreuzanger, Konrad Mögele aus Kreuzanger und Alfons Geirhos aus Waldberg. Sie erinnerten sich in einem Gespräch mit Kulturamtsleiterin Sandra Hartl zurück an die Diskussionen vor der Eingemeindung. Diese, so erklärt Artikel 11 der Gemeindeordnung für Bayern aus dem Jahr 1952, konnte nur vorgenommen werden, wenn die beteiligten Gemeinden auf freiwilliger Basis ihre Selbstständigkeit aufgeben. Der Verlust der Selbständigkeit war aber für viele ehemalige Bürgermeister ein schwerer Schritt.
Es habe bei vielen Bürgern auch etliche Diskussionen und Streit gegeben, so Reinhold Eckl. „Beim Stammtisch, beim Kirchenchor und beim Schützenverein wurde viel diskutiert.“ Dennoch sei in beiden Gemeinden der Trend nach Bobingen deutlich gewesen. Bobingen hatte zum einen mit Hoechst die „Fabrik“, die Arbeitgeber für eine Vielzahl der Einwohner war. „Auch die Grundschule war in Straßberg, ein weiterer Weg für uns nach Osten“, erinnerte sich Alfons Geirhos. Dazu sei die Busverbindung zu den Schichten nach Bobingen gefahren. Alles Gründe, die für einen Beitritt nach Bobingen sprachen. „Nach Fischach sind wir Waldberger eigentlich nur zum Einkaufen gefahren, da musste man ja durchs Holz“, so Geirhos.
Als Bobingen alles aus der „Portokasse“ zahlte
Konrad Mögele berichtete für Kreuzanger, dass dieses ohnehin schon zum Landkreis Schwabmünchen gehört habe. Schon deswegen habe man mehr Bezug in Richtung Bobingen gehabt. Auch dort wären wieder die beruflichen und schulischen Aspekte bei der Entscheidung im Vordergrund gestanden. Der ehemalige Landrat Dr. Frey habe den Kreuzangerern sogar geraten, nach Bobingen zu gehen, „denn die schwimmen im Geld und zahlen alles aus der Portokasse“, zitierte Kulturamtsleiterin Sandra Hartl ein geflügeltes Wort aus dieser Zeit. Ganz so, so erinnerte sich Konrad Mögele, sei es dann aber doch nicht gewesen. „Doch Bobingen bot uns mit der Fabrik, der Real- und Mittelschule einfach mehr Möglichkeiten.“
Eingemeindung fand still und leise statt
Die Eingemeindung selbst erfolgte dann sehr still. Keiner der drei Zeitzeugen erinnerte sich an ein großes Fest. Fast heimlich wurde in einer Stadtratssitzung die Eingemeindung verkündet, Bobingens Bürgermeister Hartmut Gärtner bedankte sich damals bei den ehemaligen Bürgermeistern von Waldberg und Kreuzanger und damit hatte Bobingen zwei Ortsteile mehr. Gefeiert wurde dafür 50 Jahre später: Die Bewohner beider Ortsteile waren eingeladen, im Schützenheim bei Musik aus Zeiten der Eingemeindung zu feiern und sich an die vergangenen Zeiten zu erinnern.
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