„Es ist die bestbesuchte Bürgerversammlung aller Zeiten“, sagte noch-Bürgermeiser Manfred Nerlinger, der es sich nicht nehmen ließ, in vollem Ordinariat durch die Versammlung zu führen. Und wirklich hatten rund 180 Wehringerinnen und Wehringer den Weg in den Bürgersaal gefunden. Belohnt wurden sie mit Blasmusik und freien Getränken.
Zunächst informierte Nerlinger über das abgelaufene Jahr 2025. So habe Wehringen derzeit 3244 Einwohner, was seit dem Jahr 2008 einen Zuwachs von 373 Menschen bedeute. Insgesamt 897 Arbeitsplätze habe Wehringen derzeit zu bieten. Das werde sich aber durch den Ausbau des Gewerbegebietes Hochfeld und durch das neue Gewerbegebiet Hoechst ändern. „Es werden hoffentlich bald 1000 Arbeitsplätze sein“, prophezeite Nerlinger.
Finanziell wird es für Wehringen schwierig
Wirtschaftlich habe die Gemeinde schwere Zeiten hinter sich. War die Gemeinde 2020 noch schuldenfrei, habe sich das mit Ablauf des Wirtschaftsjahres 2025 endgültig geändert. So betrage der Schuldenstand derzeit rund 6,2 Millionen Euro. Verursacht worden sei das vor allem durch Baumaßnahmen, von denen einige überraschend gewesen seien. So hätte die Gemeinde rund 1,2 Millionen für die durch die Deutsche Bahn durchgeführte Sanierung der Bahnunterführung zahlen müssen. Eine Havarie in der Kläranlage habe noch einmal eine Million verschlungen. Für die Sanierung und Neubau der Kindertagesstätte, die durch Corona länger gedauert habe und durch den Ukrainekrieg teurer geworden sei, habe Wehringen weitere vier Millionen Euro aufwenden müssen. Zusätzlich sei eine hohe Kreisumlage zu zahlen gewesen. Gleichzeitig habe Wehringen 2025 keine Schlüsselzuweisungen erhalten.
Dass letztlich doch ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt werden konnte, sei den diversen Grundstücksverkäufen, vor allem im neuen Gewerbegebiet Hoechst, zu verdanken. „Leider kann man ein Grundstück nur einmal verkaufen“, sagte der Bürgermeister. Damit machte er deutlich, dass man nicht in jedem Jahr mit solchen Einnahmen rechnen könne. Trotzdem könne Wehringen finanziell beruhigt in die Zukunft schauen.
„Batteriespeicher wird Großteil der Kosten für neue Grundschule einbringen“
Zwar würde in den nächsten Jahren der geplante Neubau der Grundschule den Haushalt belasten, aber demgegenüber erwarte die Gemeinde bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer ein sattes Plus. Sowohl aus dem neuen Gewerbegebiet als auch einen weit größeren Betrag aus dem Batteriespeicher, der am Umspannwerk nahe Oberottmarshausen entstehen soll. „Nach derzeitigen Schätzungen wird allein der Batteriespeicher einen Großteil der Kosten für die neue Grundschule einbringen“, so Nerlinger.
Ein Vertreter der Betreibergesellschaft stellte das Projekt „Batteriespeicher“ kurz vor. Nerlinger nutzte die Gelegenheit, der Berichterstattung zu widersprechen. So seien die geplanten Anlagen zur Speicherung keinesfalls höher als der Oberottmarshauser Kirchturm, wie in dem Bericht behauptet worden sei. Und auch Oberottmarshausens Bürgermeister Andreas Reiter hätte ihm versichert, dass diese Aussage so nicht gefallen sei. Lediglich ein Übergabeportal und einige Blitzableiter würden zwar etwas höher, aber nicht in der genannten Dimension. Zudem werde der Speicher rundherum begrünt, sodass eine Beeinträchtigung der Ortsansicht durch das Bauwerk ausgeschlossen werden könne. Auch wegen der tatsächlichen Entfernung des Batteriespeichers vom Ortskern.
Eine positive Nachricht hatte Nerlinger noch im Gepäck. Mittlerweile sei es sicher, dass am nördlichen Ortsausgang von Wehringen in den nächsten Jahren ein Supermarkt entstehen werde. Deshalb habe man auch den geplanten Umbau der Hauptstraße in diesem Bereich verschoben. Anschließend gab es aus der Bürgerschaft auffallend wenige Nachfragen. Einige Fragen gab es zu Einzelheiten des geplanten Batteriespeichers und zur halbseitigen Sperrung der Singoldbrücke nahe dem Pfarrgarten. Hierzu sagte Nerlinger: „Die Brücke gehört dem Kreis. Ein Neubau ist für das kommende Jahr geplant.“
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