In seinem neuesten Buch „Wir Sonntagskinder“ beschäftigt sich der Königsbrunner Armin Strohmeyr mit den beiden Künstlerpersönlichkeiten Thea Sternheim und Gottfried Benn. Das Sachbuch ist am 17. September bei Ebersbach und Simon erschienen. Mithilfe von Briefen, Tagebucheinträgen und autobiografischen Schriften rekonstruiert der Autor auf 134 Seiten eine außergewöhnliche Freundschaft. Die beiden grundverschiedenen Charaktere trafen während des Ersten Weltkriegs aufeinander und entwickelten eine jahrzehntelange Verbindung.
Eine respektvolle Verbindung trotz politischer Meinungsverschiedenheiten
Thea Sternheim war eine Autorin und Frau des Dichters Carl Sternheim, Gottfried Benn war Arzt und Dichter. Während des Ersten Weltkriegs lernten sie sich in Brüssel kennen. Trotz unterschiedlicher Ansichten zur herrschenden Politik blieben Respekt und Anerkennung für die jeweils andere Person bestehen, sie hielten Kontakt. Über die Jahre erblühte eine tiefe Verbindung. „Die Freundschaft, die sie in jenen Jahren der Weimarer Republik knüpfen, bleibt spannungsgeladen, mit Höhen und Tiefen“, schreibt Strohmeyr.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zerfiel allerdings die Freundschaft. Benn unterstützte, zumindest anfänglich, die Vorstellung von einem totalitären Staat und dem Konzept einer fortschrittlichen „weißen Rasse“. Sternheim dagegen zog nach Paris ins Exil und verfolgte die Entwicklungen in ihrem Heimatland mit Schrecken. Über Aussagen Benns in veröffentlichten Texten zeigte sich die Autorin schockiert. Etwa 17 Jahre blieb der Kontakt zwischen Sternheim und Benn aus. Erst Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs näherten sich die beiden wieder an.
Wir Sonntagskinder: Strohmeyrs Buch enthält eine starke Botschaft
Strohmeyr malt ein detailliertes Bild der Freundschaft, die trotz gegensätzlicher Einstellungen Jahrzehnte überdauert. Mit Auszügen der literarischen Belege und inneren Gedanken der Personen verstärkt er die Geschehnisse. Gerade die Passagen aus Sternheims Tagebuch werten die Erzählungen auf. Dabei springt Strohmeyr in den Zeiten vor und zurück und nimmt spätere Wendungen vorweg. Er verschachtelt den Aufbau so sehr, dass der Leser stellenweise Schwierigkeiten hat, dem zeitlichen Ablauf zu folgen.
Trotzdem hinterlässt die Lektüre eine starke Botschaft: Eine respektvolle und sogar freundschaftliche Verbindung ist möglich, auch wenn die gesellschaftlichen Vorstellungen und Meinungen gegensätzlich sind. Eine Erkenntnis, die in der heutigen Zeit nicht zu kurz kommen kann.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren