Noch knapp zwei Monate sind es bis Heiligabend. Obwohl in vielen großen Städten die Weihnachtsmärkte langsam aufgebaut werden, geistert durch die sozialen Netzwerke die Frage: Geht es Glühwein und Bratwurst dieses Jahr an den Kragen? Auf Facebook etwa wird behauptet: Die „überwiegende Mehrheit der Weihnachtsmärkte“ in Deutschland sei „aufgrund der übermäßig hohen Sicherheitskosten abgesagt“ worden.
Bewertung
Falsch. Die Sicherheitskosten sind zwar gestiegen, aber die große Mehrheit der Märkte findet wie gewohnt statt. Nur in einer verschwindend geringen Zahl von Einzelfällen kam es zu Absagen - aus anderen Gründen.
Fakten
In Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Schaustellerbundes jährlich mehr als 3.000 Weihnachtsmärkte.
Es stimmt, dass sich die Sicherheitsanforderungen für deutsche Märkte seit dem islamistischen Terroranschlag mit 13 Toten auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz 2016 und nochmals nach der Attacke auf den Markt in Magdeburg 2024 mit sechs Toten erhöht haben. Zu flächendeckenden Absagen hat das allerdings nicht geführt.
Die Stadt Magdeburg hält 2025 an der Durchführung eines Weihnachtsmarkts in der Altstadt fest, auch wenn fast eine Verdopplung der Kosten für die Sicherheit auf bis zu 150.000 Euro erwartet wird, wie etwa der MDR berichtet.
Genauso haben viele weitere Städte für das laufende Jahr bereits bekannt gegeben, dass ihre Weihnachtsmärkte wie gewohnt besucht werden können - darunter Metropolen wie Berlin, Köln, Hamburg, München, Leipzig und Frankfurt, aber auch weniger große Städte wie Pirna in Sachsen oder kleine Gemeinden wie Seiffen im Erzgebirge oder Weiskirchen im Schwarzwälder Hochwald. Die Saison ist mit dem Winterdorf in Bayreuth sogar schon eröffnet.
Vereinzelte Absagen kleinerer Märkte
In wenigen Einzelfällen sind Absagen kleinerer Märkte bekannt geworden, ohne dass konkret ein Zusammenhang zu Sicherheitskosten hergestellt wurde:
Rostock: Einen historischen Weihnachtsmarkt wird es wie im vergangenen Jahr auch 2025 nicht geben, wie die Ostsee-Zeitung berichtet. Im vergangenen Jahr scheiterten demnach die Pläne an der Kalkulation, dieses Jahr will sich die Stadt stattdessen auf ein Mittelalter-Spektakel im Mai 2026 konzentrieren. Dennoch muss in Rostock auf Glühwein nicht verzichtet werden.
Hamburg: Im Stadtteil Rahlstedt stehen die sogenannten Winterterrassen nach nur zwei Jahren vor dem endgültigen Aus. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblattes fanden sich wegen zu geringer Verdienstmöglichkeiten keine Schausteller und Gastronomen. Schon 2024 habe sich der Markt trotz einem 26.000-Euro-Zuschuss vom Bezirk finanziell nicht getragen. Interessierte können aber auf die vielen anderen Hamburger Märkte ausweichen.
Dortmund: Der Weihnachtsmarkt am Schloss Bodelschwingh ist für dieses und nächstes Jahr bereits abgesagt. Der Grund: Renovierungsarbeiten am Schloss.
Absagen von Volksfesten wegen Sicherheitskosten
Im laufenden Jahr hat es durchaus Absagen von Volksfesten wegen gestiegener Kosten für Sicherheitsauflagen gegeben. So wurden zum Beispiel in Hessen der Radlersonntag im Kinzigtal, das Kirschblütenfest in Marburg oder eine Oldtimer-Show in Rüsselsheim abgeblasen.
Sicherheitskonzepte werden meist von den Veranstaltern erstellt und von den örtlichen Behörden geprüft. Kommunen wie Heilbronn (Medienbericht dazu, Bezahlschranke) oder Landesregierungen wie die in Thüringen greifen bei den Sicherheitskosten unter die Arme.
Ob weitere einzelne Weihnachtsmärkte in diesem Jahr geschlossen bleiben, bleibt abzuwarten. Davon, dass eine „überwiegende Mehrheit“ angeblich abgesagt wurde, kann jedoch keine Rede sein.
(Stand: 30.10.2025)
Recherche vertiefen? Hier geht‘s zu den Links
- Deutscher Schaustellerbund über Weihnachtsmärkte (archiviert)
- Stadt Berlin über Terroranschlag von 2016 (archiviert)
- MDR-Chronologie zum Anschlag auf Magdeburger Weihnachtsmarkt (archiviert)
- Weihnachtsmarkt Magdeburg 2025 (archiviert)
- MDR-Bericht über Kosten für Magdeburger Weihnachtsmarkt (archiviert)
- Weihnachtsmärkte Berlin 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmärkte Köln 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmärkte Hamburg 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmärkte München 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmärkte Leipzig 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmarkt Frankfurt 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmarkt Pirna 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmarkt Seiffen 2025 (archiviert)
- Weihnachtsmarkt Weiskirchen 2025 (archiviert)
- dpa-Meldung über Winterdorf Bayreuth via „Tagesspiegel“ (archiviert)
- „Ostsee-Zeitung“ über Rostocker Weihnachtsmarkt-Absage, Bezahlschranke (archiviert)
- Rostock Weihnachtsmarkt 2025 (archiviert)
- „Hamburger Abendblatt“ über Winterterrassen in Rahlstedt, Bezahlschranke (archiviert)
- Absage Weihnachtsmarkt Schloss Bodelschwingh (archiviert)
- Absage Radlersonntag 2025 (archiviert)
- Absage Kirschblütenfest 2025 (archiviert)
- Absage Odltimer-Show 2025 (archiviert)
- Stadt Heilbronn über Beteiligung an Sicherheitskosten (archiviert)
- „Heilbronner Stimme“-Bericht über Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen, Bezahlschranke (archiviert)
- Landesregierung Thüringen über finanzielle Unterstützung für Volksfeste (archiviert)
- Facebook-Post mit Falschbehauptung (archiviert)
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