Ein Satz in sozialen Netzwerken, zugespitzt und provokant, wird tausendfach geteilt. Angeblich soll nach vermeintlich eigener Aussage für den früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Franz Josef Strauß (1915-1988) ein Land nur dann funktionieren, „wenn sein eigenes Volk nicht Nebensache ist“. Doch die Spurensuche nach dem Satz führt ins Leere.
Bewertung
Verbreiter des Zitats bleiben eine Quelle für die angebliche Aussage schuldig. Im umfangreichen Strauß-Archiv jedenfalls ist der Satz nicht belegt.
Fakten
In Social-Media-Posts taucht das angebliche Strauß-Zitat immer wieder auf, aber diese nennen keine Primärquelle, keinen genauen Kontext, keine Jahresangabe und keine seriöse Publikation, um die Aussage tatsächlich zu belegen. Solche Einträge sind daher unzuverlässig.
Das Faktencheck-Team der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat sich auf die Suche nach seriösen Quellen begeben:
In der Zitatsammlung auf der offiziellen Strauß-Webseite „fjs.de“ sind viele seiner Aussprüche dokumentiert. Der gesuchte Satz erscheint dort nicht. Auf der gesamten Website ist das Wort „Nebensache“ nicht zu finden. In journalistischen Zusammenstellungen der bekanntesten Strauß-Zitate etwa im Handelsblatt oder in der Abendzeitung München taucht der fragliche Satz nicht auf.
Selbst in Online-Zitatsammlungen zu Strauß, die ihrerseits teilweise nicht durchgängig und vollständig auf entsprechende Belegstellen verweisen, findet sich der Satz nicht (hier oder hier).
Strauß-Kenner bestätigen Echtheit nicht
dpa hat daher bei der Hanns-Seidel-Stiftung angefragt, ob sie einen Nachweis für die angebliche Aussage habe. Die Stiftung ist CSU-nah und besitzt in seinem Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP) nach eigenen Angaben den „mit mehr als 300 laufenden Metern außerordentlich umfangreichen Nachlass von Franz Josef Strauß“.
Im ACSP wurde nun geprüft und festgestellt, dass sich die Aussage „quellenmäßig nicht belegen lässt“, so ein Sprecher der Stiftung am 13. Februar 2026. Er ergänzt: „Dies bedeutet aber nicht, dass es in der lange zurückliegenden Zeit nicht einmal so gesagt oder in einem Presseartikel oder ähnlichem zugeschrieben wurde.“
Auch bei der Tochter von Franz Josef Strauß, der CSU-Europaabgeordneten Monika Hohlmeier, hat das dpa-Faktencheck-Team nachgefragt. „Wir haben das Zitat geprüft und können den Ursprung nicht bestätigen“, heißt es am 13. Februar aus ihrem Büro.
Angebliches Zitat bleibt ohne Beleg
Kurzum: Es gibt keinen dokumentierten Original-Redetext, kein zeitgenössisches Interview und kein Archiv-Nachweis, der den Satz oder eine sehr ähnliche Formulierung tatsächlich belegt.
Übrigens wird der „Nebensache“-Satz an anderer Stelle AfD-Chefin Alice Weidel zugeschrieben, ohne das zu belegen. Es ist nicht selten, dass User Namen und Gesicht berühmter Personen nutzen, um eigenen und erfundenen Aussagen mehr Gewicht zu verleihen.
(Stand: 13.2.2026)
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Transparenzhinweis
Das Projekt „Augsburg checkt‘s“ erfolgt in gemeinsamer Zusammenarbeit der Stadt Augsburg, den Stadtwerken Augsburg, der Augsburger Allgemeinen und der Deutschen Presseagentur. Stadt und Stadtwerke stellen Gebäude, Liegenschaften sowie Fahrzeuge für die Initiative zur Verfügung. Auf Inhalte haben sie keinen Einfluss. Die Faktenchecks wurden von der Deutschen Presseagentur recherchiert und werden über die Augsburger Allgemeine publiziert.
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