Ein Fall von Hilfsbereitschaft soll sich im US-Bundesstaat Florida ins Gegenteil verkehrt haben: In einem Video auf Instagram mit mehreren Zehntausend Likes heißt es, dass ein Mann in der Stadt Orlando ein Baby aufgefangen habe, das aus dem vierten Stock eines Gebäudes gefallen sei. Demnach konnte er das Baby retten. Weil das Baby sich aber einen Arm gebrochen habe, habe die Mutter 300.000 Dollar Schadenersatz von dem Retter verlangt. Stimmt diese Geschichte?
Bewertung
Es finden sich keine Belege dafür, dass es diesen Vorfall wirklich gegeben hat. Das Video, das die Rettung zeigen soll, weist mehrere Unstimmigkeiten auf.
Fakten
Im Netz finden sich keinerlei Berichte über den Vorfall - und das, obwohl es im Video um eine offenbar öffentliche Gerichtsverhandlung geht und die vermeintlich Beteiligten auch im Wortlaut zitiert werden. Eine Bilderrückwärtssuche mit einem Screenshot des vermeintlichen Überwachungskameravideos zeigt nur Social-Media-Treffer, aber keine Berichte zum Beispiel von lokalen Medien aus Orlando. Diese müsste es nach einem solchen Ereignis und seinen angeblichen Folgen aber eigentlich geben.
Eine Online-Suche führt lediglich zu einem Vorfall aus dem Jahr 2011. Damals fing eine britische Touristin in Orlando ein ein Jahr altes Mädchen, das von einem Hotelbalkon gefallen war. Negative Konsequenzen hatte diese Rettungstat für die Frau nicht. Vielmehr wurde sie von den lokalen Behörden mit einem Orden ausgezeichnet.
Unstimmigkeiten im Video
Das vermeintliche Überwachungskameravideo, das die Rettung des Babys im Jahr 2025 zeigen soll, weist hingegen mehrere irritierende Details auf. Zum Beispiel finden sich zu den Autos am Straßenrand keine übereinstimmenden Modelle - ein Hinweis auf eine Erstellung mit Künstlicher Intelligenz.
In anderen Social-Media-Beiträgen zeigt das Video einen größeren Bildausschnitt. Der Baum im Hintergrund ist kahl. Sollte das Video aus Orlando stammen und in den vergangenen Tagen oder Wochen aufgenommen worden sein, würde die Vegetation nicht zum Ort und zur Jahreszeit passen. Auch die Stimme im Video scheint von einer KI zu stammen.
Die weiteren hintereinandergeschnittenen Videos sind teilweise völlig ohne Zusammenhang. Wenn es um die angebliche Mutter des Babys geht, sind unterschiedliche Frauen zu sehen. Ein Video zeigt einen Polizeieinsatz in Seattle - mehr als 4000 Kilometer von Orlando entfernt. Auf einem anderen der Videos sind Gebäude in Miami Beach zu sehen.
Aufsehenerregende, emotionale Geschichten sollen in den sozialen Netzwerken meist Zuschauerzahlen und Likes generieren. Doch nicht immer stimmen sie. Experten zufolge kann dahinter die Absicht stecken, Menschen zu verunsichern, aber auch der Versuch, mit reichweitenstarken Beiträgen Geld zu verdienen.
(Stand: 29.10.2025)
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- Suche mit Google (archiviert)
- NBC-Artikel über Vorfall in Orlando im Jahr 2011 (archiviert)
- Video mit größerem Bildausschnitt (archiviert; Video archiviert)
- Video aus Seattle (archiviert)
- Gebäude in Miami Beach auf Google Street View (archiviert)
- BR-„Faktenfuchs“ über Videos mit Fake-Meldungen (archiviert)
- Video auf Instagram (archiviert; Video archiviert)
- Facebook Content Monetization (archiviert)
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Das Projekt „Augsburg checkt‘s“ erfolgt in Zusammenarbeit der Stadt Augsburg, den Stadtwerken Augsburg, der Augsburger Allgemeinen, der Günter Holland Journalistenschule und der Deutschen Presseagentur. Stadt Augsburg und Stadtwerke Augsburg stellen Gebäude, Liegenschaften sowie Fahrzeuge für die Initiative zur Verfügung. Dort sind Plakate zu sehen, in den Trams und Bussen werden Inhalte von „Augsburg checkt‘s“ veröffentlicht. Auf Inhalte haben weder Stadt noch Stadtwerke Einfluss. Die Faktenchecks wurden von der Deutschen Presseagentur recherchiert und werden unter anderem über die Augsburger Allgemeine publiziert.
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