Am Tag danach lässt sich entspannt darüber reden. Über diesen Moment, der für die große Erleichterung gesorgt hatte. Für Gefühle, die aus Laura Gimmler und Coletta Rydzek plötzlich heraussprangen. Auf diesen Tag hatten sie lange gewartet, hatten Saison für Saison trainiert. Am Mittwoch war es so weit. Bronze im Teamsprint der Frauen.
Am Donnerstag saßen die beiden in der Pressekonferenz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), zuvor hatten sie ein Fernsehinterview für die ARD gegeben. Ungewohnte Aufmerksamkeit für Sportlerinnen, die meist im Schatten anderer Sportarten ihre Wettbewerbe bestreiten. Wer aber bei Olympia Medaillen holt, rückt in die öffentliche Aufmerksamkeit. Gimmler und Rydzek genossen diese Momente.
Sie saßen mit ihren Medaillen um den Hals bei den Gesprächen. In der Nacht hatten sie lange im Teamhotel in Tesero gefeiert. „So eine Medaille ist etwas Einmaliges, das wollten wir in vollen Zügen genießen“, sagte Gimmler. Mit ihren Familien und Freunden. Das ist der große Vorteil der Spiele in Norditalien, dass sie alle vor Ort dabei sind. Der Nachteil sind die weiten Wege. Bislang haben die Langläuferinnen ihren Wettkampfort Tesero nicht verlassen. In den nächsten Tagen wollen sie womöglich mal nach Cortina schauen, sicher aber ist das noch nicht.
Im Zielsprint ist Rydzek eine der Besten
Zurück zum entscheidenden Moment. Zum Zielsprint von Coletta Rydzek gegen die Norwegerin Julie Bjervig Drivenes. Rydzek war es gelungen, an der Norwegerin dranzubleiben. Auch beim letzten Anstieg. Damit war die Tür zur Medaille geöffnet. Denn die Oberstdorferin wusste, dass sie im Sprint schneller sein würde. „Ich hatte auf der Zielgeraden viel Selbstvertrauen. Ich weiß, dass da nicht viele schneller sind als ich“, sagte Rydzek. Und sie behielt Recht. Knapp setzte sie sich vor der Norwegerin durch. Der Jubel war riesig. Ihr Bruder Johannes stürmte sofort zu ihr. Der Nordische Kombinierer hatte Tränen in den Augen.
Die Langläuferinnen hatten lange auf diesen Moment warten müssen. Vor vier Jahren waren Gimmler und Rydzek in Peking noch nicht so weit, um vorn mitzulaufen. In Tesero aber waren sie bereit. „Wir haben uns stark weiterentwickelt“, sagte Rydzek. Und Gimmler meinte: „Das war ein Befreiungsschlag für alle.“
Das Langlaufteam hatte mit Rückschlägen zu kämpfen. Victoria Karl, die in Peking mit Katharina Hennig-Dotzler überraschend Gold im Teamsprint gewonnen hatte, ist wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt. Sie gratulierte am Mittwoch als eine der Ersten. Die ersten Wettkämpfe in Norditalien wollten auch nicht recht gelingen. Bis zum Mittwoch. Der Druck war groß gewesen. Weil sie ihn sich selbst gemacht hatten. „Wir wollten diese Medaille unbedingt“, sagte Gimmler. Vor dem Wettkampf hatten beide schlecht geschlafen. Aber darauf gehofft, dass das ihren Konkurrentinnen ähnlich ergangen war. Ohne Nervosität geht es bei Olympia nicht.
Beide Langläuferinnen sind mit Skirennfahrern liiert
Rydzek und Gimmler eint nicht nur der Erfolg, beide haben ihre derzeitigen Partner im alpinen Rennsport gefunden. Rydzeks Freund Simon Jocher startet im deutschen Abfahrts- und Super-G-Team. Seit 2016 sind die beiden ein Paar. An Langlauf hat er wenig Interesse, wie Rydzek am Donnerstag lachend erzählte. Zumindest was die eigene Erfahrung in der Loipe betrifft. Nur selten begleitet er sie da. Rydzek dagegen ist eine ordentliche Skifahrerin.
Das gilt auch für Gimmler, die mit Cyprien Sarrazin liiert ist. Der Franzose stürzte vor gut einem Jahr in Bormio schwer, er musste um sein Leben kämpfen. Er lag sechs Tage im Koma und hatte Hirnblutungen. Ob er jemals wieder Skirennen bestreiten wird, ist noch unklar. Zweimal hat der 31-Jährige schon die Abfahrt in Kitzbühel gewonnen, jetzt kämpft er um seine Rückkehr.
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