Es ist dieser eine Moment, der den Erfolg abrundet. Vermutet zumindest Olaf Tabor, der Chef de Mission des deutschen Olympiateams. Holen Athleten Medaillen, tauchen sie normalerweise im Deutschen Haus auf. Es folgt ein festgelegtes Prozedere, der sogenannte Medal Walk. Der Lauf mit der gewonnenen Medaille also, an Fahnen schwenkenden Fans vorbei in das kleine Holzhaus am Rande eines Golfplatzes. „Das deutsche Haus ist ein Ziel“, sagte Tabor. Im Idealfall als Medaillengewinner. Aber auch, um einen entspannten Abend zu haben.
Das Deutsche Haus gehört zu Olympischen Spielen wie der Dom zu Mailand. Manchmal ist es etwas größer dimensioniert wie zuletzt vor zwei Jahren bei den Sommerspielen in Paris. Jetzt, bei den Winterspielen in Mailand und Cortina, muss ein schlichtes Holzhaus ausreichen. Es steht etwas außerhalb des Ortes Cortina d‘Ampezzo, eine schmale Straße führt dorthin. Weil allerdings der Andrang groß ist, stauen sich oft die Autos und Busse bei der Anreise.
Das Deutsche Haus bietet zwei Anlaufpunkte: die öffentliche Fanzone für alle Gäste und einen abgesperrten Bereich für geladene Gäste. Was für alle gleich ist: die strenge Einlasskontrolle. Die deutsche Bundespolizei kontrolliert jeden Besucher. Ähnlich wie am Flughafen stehen Scanner im Eingangsbereich. Flüssigkeiten müssen draußen bleiben.
Auch Markus Söder möchte ins Deutsche Haus kommen
In anderen Nationenhäusern rund um Cortina ist das Prozedere einfacher. Weder die Schweizer noch die Österreicher haben ähnlich strenge Einlasskontrollen. Selbst wenn Österreichs Bundeskanzler vor Ort ist. Auch im Deutschen Haus ist häufig hoher Besuch vor Ort. Vizekanzler Lars Klingbeil war schon da, am Montag fand der Empfang des deutschen Botschafters statt. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich angekündigt.
In der Fanzone können sich die Besucher an verschiedenen Sportarten ausprobieren. Eishockeyschläger stehen zur Verfügung, um einmal das Gefühl mit dem Puck zu erleben. Oder Curlingsteine, die über eine kurze Bahn geschoben werden. Wer eine Karte für den abgesperrten Bereich ergattert hat, muss sich zunächst registrieren. Über einen schmalen Weg geht es in Richtung Holzhaus. Zweistöckig ist das, der obere Bereich ist für die Sportler reserviert.
Unten gibt es mehrere Räume. In einem ist ab 18.30 Uhr ein Büfett aufgebaut. Auf der Außenterrasse mit Blick auf die Berge sorgen Heizstrahler für angenehme Temperaturen. Gefeiert wird bis spät in die Nacht, um drei Uhr schließen die Türen. Vor allem die Rodler um Tobias Wendl und Tobias Arlt haben es richtig krachen lassen.
Was im Deutschen Haus passiert, bleibt im Deutschen Haus
2018 hatten die deutschen Eishockey-Stars zum Abschluss nach ihrer Silbermedaille kräftig im Deutschen Haus gefeiert. Ein Spieler soll sich in Pyeongchang sogar an einen Kronleuchter gehängt haben. Wer das war, wird nicht verraten. Was im Deutschen Haus passiert, bleibt im deutschen Haus.
Finanziert wird das Haus über Wirtschaftspartner. Schwierig war diesmal die Entscheidung, den richtigen Ort zu finden. Olympia in Italien ist weit verstreut, mehrere Standorte schienen möglich. Es wurde Cortina d‘Ampezzo, weil hier die meisten deutschen Sportlerinnen und Sportler untergebracht sind. Im mondänen Ferienort finden die Wettkämpfe im Eiskanal, Curling und Ski alpin der Frauen statt. Auch brennt hier im Ortszentrum eines der beiden olympischen Feuer.
Es geht aber auch darum, ein Anziehungspunkt zu sein. Den Wettbewerb der Nationenhäuser zu gewinnen. „Jede Nation will mit ihrem Haus der Place to be sein“, sagte Claudia Wagner, Geschäftsführerin der Deutschen Sport Marketing, im Vorfeld. Großer Konkurrent im Winter ist oft Österreich. Bei den anstehenden Paralympics teilen sich beide Nationen den Treffpunkt. Er wird im Deutschen Haus sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren