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Abschied: Netzer/Delling: Schlusspfiff für das Kultduo

Abschied

Netzer/Delling: Schlusspfiff für das Kultduo

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    Netzers Abschied: «Ich habe genug geredet»
    Netzers Abschied: «Ich habe genug geredet» Foto: DPA

    Mit der WM in Südafrika endet auch Günter Netzers Zeit als Kommentator. Doch bei ihrem persönlichen Finale piesackte sich das Duo Delling und Netzer noch einmal kräftig.

    Es war am Samstagabend wie immer, wenn Gerhard Delling und Günter Netzer, die beiden Kult-Kommentatoren der ARD, sich über Fußball unterhielten. Fachlich kompetent, locker, aber auch mit einigen persönlichen Spitzen garniert analysierten sie das Spiel um Platz drei zwischen der deutschen Nationalmannschaft und dem Team aus Uruguay bei der Weltmeisterschaft in Südafrika. Sie ließen es sich nicht anmerken, dass dies ihr letzter gemeinsamer Auftritt vor der Kamera war.

    Auch bei ihrem persönlichen Finale piesackten sie sich kräftig: "Ich kenne keine junge Kombination. Aber das macht nichts, ich habe Sie jetzt 13 Jahre nicht verstanden", stichelte Netzer in gewohnter Manier nach einer entsprechenden Aussage von Gerhard Delling. Ihren verbalen Schlagabtausch hielten sie bis zum Ende durch.

    Als der Vorhang am Samstagabend kurz nach 23.30 Uhr fiel, da wurde es doch noch sentimental. Netzer bedankte sich bei seinem Partner ("Sie haben sich 13 Jahre als echter Freund erwiesen") und dem Personal der Sendung, das sich mit Rosen, Geschenken und einem kleinen Liedchen ("Es gibt nur ein' Günter Netzer") revanchierte. Delling schenkte Netzer drei DVD's, darunter eine mit dem Titel "Best of Beschimpfungen".

    Freilich, das von vielen erwartete Duz-Angebot des 65-jährigen Günter Netzer an seinen 14 Jahre jüngeren Kollegen gab es nicht. Sie siezten sich wie immer. Doch diese Distanz war offenbar nur gespielt. Dies stellte sich im Laufe der Jahre heraus. Wenn die Kameras aus waren, entpuppten sich Delling und Netzer als echte Freunde. Netzer war bei Dellings Hochzeit sogar Trauzeuge.

    13 Jahre moderierten der ehemalige Fußballstar und der Fernnsehmann aus Norddeutschland die Fußball-Länderspiele im ersten Programm. Für ihre Art der Moderation erhielt das Team Delling/Netzer im Jahr 2000 einen Adolf-Grimme-Preis und 2008 den Medienpreis für Sprachkultur.

    Für Leute, die sich für Fußball nur interessieren, wenn große Turniere anstehen, redete das Duo Klartext statt lange zu fachsimpeln. Netzers Pointen kamen genauso präzise wie einst seine Pässe bei Borussia Mönchengladbach, Real Madrid oder der deutschen Nationalmannschaft.

    Als Fußballer war Netzer Weltklasse, aber kein einfacher Typ. In der Gladbacher Fohlenelf agierte der geniale Spielmacher über viele Jahre als der verlängerte Arm seines Trainers Hennes Weisweiler. Doch als Netzer im Jahre 1973 seinen Wechsel zu den "Königlichen" nach Spanien bekannt gab, war Weisweiler beleidigt.

    In seinem letzten Spiel für das Team vom Niederrhein, dem Pokalfinale gegen den 1. FC Köln, verbannte der Coach seinen einstigen Lieblingsspieler auf die harte Ersatzbank. Als es beim Stande von 1:1 in die Verlängerung ging, wechselte Netzer sich selbst ein, schoss nur wenige Minuten später mit einem herrlichen Distanzschuss das 2:1-Siegtor. Volltreffer landete er auch vor der Kamera. Zusammen mit Gerhard Delling. Von Herbert Schmoll

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