Ulm Als Tabellenzweiter der Hauptrunde waren die Ulmer Basketballer bis zum vergangenen Dienstag die Überraschungsmannschaft der Bundesligasaison. Nun macht ihnen Würzburg diesen inoffiziellen Titel streitig. Der Aufsteiger hat im Viertelfinale der Play-offs den achtfachen deutschen Meister Alba Berlin mit 3:1 Siegen in den Sommerurlaub geschickt. „Dann gibt es eben zwei Überraschungsmannschaften“, sagt der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath: „So etwas schreibt man sowieso in keine Imagebroschüre.“ In der ersten von maximal fünf Halbfinalpartien treffen Ulm und Würzburg am Sonntag (16 Uhr) in der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Ratiopharm-Arena aufeinander.
Leibenath widerspricht allen Superoptimisten, nach denen durch das Aus von Alba die Tür zum Finale nun weit offen steht. „Wer vor Berlin Angst hatte, der muss eigentlich vor dem Berlin-Bezwinger erst recht Angst haben“, argumentiert der Ulmer Trainer. Fakt ist jedenfalls, dass eine Mannschaft in die Endspielserie einziehen wird, die kein Experte vor Saisonbeginn auf der Rechnung hatte. Bemerkenswert auch: Ulm und Würzburg haben sich aller Voraussicht nach mit dem Halbfinaleinzug für das internationale Geschäft qualifiziert.
Die Bayern nur wirtschaftlich auf Augenhöhe mit den Großen
Der haushohe Favorit und Titelverteidiger Brose Bamberg hat sich zwar mit einiger Mühe im Viertelfinale gegen Bonn mit 3:1 durchgesetzt. Neben Alba Berlin aber blieb auch Bayern München gegen den Quakenbrücker Dorfverein Artland Dragons auf der Strecke. Nach dem 73:79 im fünften Spiel ist die Saison für die Basketballfiliale des deutschen Fußball-Rekordmeisters viel früher als erwartet zu Ende. Mit den Größen der Branche waren die Bayern nur wirtschaftlich auf Augenhöhe, sportlich fordert Quakenbrück statt München im Halbfinale die Bamberger.
Das unter dem Patronat von Vereinspräsident Uli Hoeneß gestartete Projekt kam in der ersten Bundesligasaison nicht wirklich in die Gänge. Bei den Heimspielen der Bayern zeigte sich zwar gern die Münchener Prominenz von Schweinsteiger bis Stoiber im Audi-Dome. Sportliche Glanzleistungen wie das 107:103 gegen Bamberg im April nach zweimaliger Verlängerung aber wechselten sich ab mit indiskutablen Leistungen und bitteren Enttäuschungen. Da war das 66:92 im Europapokal gegen Treviso, das 75:76 in Ulm Anfang Januar durch einen Dreier von Keaton Nankivil fast mit der Schlusssirene und nun eben das Aus im Viertelfinale.
Ein bisschen ist dadurch auch der Lack beim früheren Bundestrainer ab. Dirk Bauermann hat mit Leverkusen sieben und mit Bamberg zwei Meisterschaften gewonnen, beim FC Bayern München mit seinem Sieben-Millionen-Etat hätte es zumindest ein Platz unter den Top Vier der Bundesliga werden sollen. Aber Bauermann hat es in dieser Saison nie geschafft, Konstanz in die Leistungen seiner Mannschaft zu bringen, junge deutsche Nationalspieler der Bayern wie der kaum noch eingesetzte Philipp Schwethelm oder der von Ulm nach München gewechselte Robin Benzing haben sich im Verlauf dieser Spielzeit eher verschlechtert. (mit dpa)