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Rotation ins Glück: Davon zu sprechen, dass Hertha BSC ein neues Traum-Duo hat, wäre wohl zu weit gegriffen. Immerhin kommen Pierre-Michel Lasogga und der Ex-Hamburger Änis Ben-Hatira bislang zusammen auf gerade einmal fünf Startelf-Einsätze. Und so war das samstägliche Offensiv-Spektakel eigentlich auch nur der Babbelschen Not-Rotation nach den Sperren von Christian Lell und Adrian Ramos geschuldet. Trotzdem: Was der 19-jährige Lasogga und der Ex-Hamburger Ben-Hatira gegen Köln in der Offensive ablieferten, war großer Sport. Der eine als agiler Vorbereiter, der andere als eiskalter Vollstrecker. Immer aktiv, immer kreativ, immer gefährlich. Nicht nur die Hertha-Fans werden sich da einig sein: Das will man öfter sehen.
Vom Saulus zum Paulus: Was war der arme Robert Lewandowski spätestens nach der Champions-League-Pleite in Marseille nicht alles geheißen worden: Chancentot war noch der harmloseste der Beinamen, die im zuletzt nachgerufen wurden - und die er sich zu einem Stück weit auch redlich verdient hatte. Dann aber das: Drei Tore gegen Augsburg, Matchwinner, Sprechchöre des Publikums, Held der Medien und vom Trainer die Aussage, dass es auch nach der endgültigen Rückkehr von Nummer-Eins-Stürmer Lucas Barrios für den Polen noch einen Platz im BVB-Team geben könnte.
Meister der Rekorde: Christian Nerlinger gleicht sich nicht nur optisch immer mehr an den jungen Uli Hoeneß an, wie der Ober-Boss verzieht es dem Bayern-Manager auch gelegentlich das Urteilsvermögen, wenn es um seine Schützlinge geht. Anders war der Gefühlserguss ob der - zugegeben starken - Parade von Manuel Neuer nach dem Kopfball von Marvin Compper nicht zu erklären. "Sensationell, Weltklasse-Manier", jubelte Nerlinger. Gut, bei den Bayern hat man eben außerhalb des Trainings schon lange keinen Torhüter mehr seine Hände gebrauchen sehen. Weltklasse hin oder her - stellvertretend für das ganze Spiel bewies die Aktion vor allem eines: Auch nach Wochen der Unterbeschäftigung ist Manuel Neuer auf den Punkt da, wenn er gefordert ist. Als Belohnung gab es dann auch noch einen neuen Bayern-Rekord: Seit 1018 Pflichtspielminuten ist der Nationaltorwart jetzt schon ohne Gegentor. Oliver Kahn hatte seinerzeit "nur" 1011 Minuten geschafft.
Alles wird gut: Er ist wieder der Capitano, er ist wieder wichtig für das Spiel und der Zuschauer ist endlich vom Gefühl befreit, in Echtzeit dem Niedergang einer großen Sportlerkarriere beizuwohnen. Nach seinem Tor in der Champions League gegen Genk stand Michael Ballack auch gegen Wolfsburg in der Startelf und zeigte seine wohl beste Leistung im Bayer-Trikot in der jüngeren Vergangenheit. Der Ex-Nationalspieler dirigierte seine Mitspieler, brillierte mit klugen Pässen und suchte erfrischend oft den Abschluss. Nur das Aluminium und VfL-Torwart Benaglio verhinderten, dass Ballack seine starke Leistung mit einem Tor veredelte.
Man of the Match: 16 Ballkontakte, drei Tore, drei Punkte. Was will man da mehr sagen? Mohammed Abdellaoue erledigte Werder Bremen quasi im Alleingang. Der Norweger ist Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel von Hannover 96. Note eins mit Stern.
Flop
Feier-Fohlen: Was freute man sich in Gladbach wie Schnitzel über die eigene Coolness und den ganz unverbissenen Umgang mit dem aktuellen Höhenflug. Der gefühlt beste Saisonstart, seitdem sich Günther Netzer noch selbst zu Freistößen einwechselte, fünf Siege in acht Spielen und die Ehre, das einzige Team zu sein, das bislang die übermächtigen Bayern schlagen konnte. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, dachte sich da wohl auch Lucien Favre und entließen seine Fohlen am vergangenen Wochenende zu einer munteren Kneipentour in die Düsseldorfer Innenstadt. Der müde Auftritt in Freiburg passte dazu wie die Faust aufs Auge. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Folgen der Partynacht noch eine Woche nachwirkten. Wenn es dann aber gegen harmlose Freiburger die zweite Saisonniederlage gibt, kommt die ganze Geschichte doch irgendwie ziemlich blöd.
Zwei Verlierer, ein Gewinner und jede Menge Frust: Fußball-Intellektuelle waren am Samstag schwer gefordert: Hatte nun Nürnberg gegen Mainz den Sieg verschenkt, oder Mainz gegen Nürnberg? Ist eine verdaddelte 2:0-Führung gegen einen eigentlich nicht stattfindenden Gegner generell negativer zu bewerten als eine verschenktes 3:2 kurz vor Ende? Fragen über Fragen. Sicher ist nur: Nach Schlusspfiff fühlten sich beide Seiten irgendwie als Verlierer und haderten mit ihrem Schicksal. Immerhin: Die Zuschauer sahen 90 unterhaltsame Minuten - damit hatte das Spiel wenigstens einen Gewinner.
Schicksals-Schlag: Und wo wir gerade bei Gewinner und Verlierer sind: Marko Arnautovic steckt das Schicksal bekanntlich in schöner Regelmäßigkeit eher in letztere Rubrik - nicht selten auch mit reichlich eigenem Zutun. So auch am Sonntag. Zugegeben: Das Foul gegen Hannovers Pinto sah nicht unbedingt nach absichtlicher Brutalität aus. Dumm war es aber allemal und die Rote Karte vielleicht hart, aber vertretbar. Entsprechend beredet war dann auch das Szenario nach dem Platzverweis: Auf der einen Seite Marko Arnautovic, der schaute wie Gregor Gysi bei der Abstimmung über einen neuen Bankenrettungsschirm. Auf der anderen Seite Werder-Trainer Thomas Schaaf, bei dessen Anblick selbst der unbeteiligten Zuschauer vier Meter vor dem heimischen Empfangsgerät Gänsehaut bekam. Bleibt nur zu sagen: Eine angenehme Trainingswoche!
Aus dem Leben eines Torjägers: Nein, es ist nicht immer leicht, ein Stürmer zu sein. Im besten Fall sieht man ihn ein ganzes Spiel nicht, aus zwei Ballkontakten macht er zwei Tore und anschließend darf er im Angesicht ergötzter Reporter in unzählige Mikrofone erzählen, woher er, der Prototyp eines Vollstreckers, diese Kaltschnäutzigkeit nimmt. Im schlechtesten Fall sieht man ihn ein ganzes Spiel nicht, er hat zwei Ballkontakte - und das war's. Die Reporter drehen ihm den Rücken zu, halten die Mikrofone ins Gesicht eines anderen und in den Sport-Gazetten des Folgetages wird die Bandbreite der Bewertungen zwischen Note fünf und Note sechs ziemlich schmal. Sie meinen, das ist übertrieben? Dann fragt Sie heute mal bei Mario Gomez nach.
Herausragend: Tor verschuldet, Elfer verballert, mit der ganzen Mannschaft sang und klanglos untergegangen: Gibril Sankoh wünschte sich mit Sicherheit, am Samstag lieber im Bett geblieben zu sein. Stattdessen wurde der Verteidiger zum Unglücksraben in einem ohnehin schon schwachen Augsburger Kollektiv.