Der FC Bayern hat gestern Abend einen deutlichen Schritt in Richtung Halbfinale der Champions League getan. Die Münchner bezwangen im Viertelfinal-Hinspiel Juventus Turin verdient mit 2:0 (1:0). Die Gastgeber hatten das Duell der beiden nationalen Liga-Regenten und Rekordmeister klar bestimmt und hätten aufgrund ihrer zahlreichen Chancen vor der Pause auch höher gewinnen können.
Die Partie begann mit einem Kracher: Die 68 000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz-Arena hatten noch nicht alle ihre Positionen eingenommen, als der Ball zum ersten Mal im Gehäuse der Italiener einschlug. David Alaba hatte sich aus 30 Metern versucht – eigentlich eine Beleidigung für Juves Torhüter-Heros Buffon. Weil sich der 35-Jährige aber voreilig in die falsche Ecke orientierte und der Ball leicht abgefälscht wurde, war es danach für eine Korrektur zu spät.
Damit war die erwartete Dramaturgie der Partie nach 27 Sekunden über den Haufen geworfen. Statt einer gemächlichen Ouvertüre, wie sie Duellen zweier Schwergewichte eigen ist, folgte ein offener Schlagabtausch, zunächst geprägt vom Bemühen der Italiener, den frühen Rückstand auszugleichen. Aber auch die Münchner waren zur Freude des Publikums sichtbar an einem weiteren Treffer interessiert. Zweimal Robben, der früh den verletzten Kroos ersetzen musste, der nach einem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich mehrere Wochen ausfallen wird, und Ribéry waren dem zweiten Bayern-Tor am nächsten, scheiterten aber an Buffon oder ihren Nerven.
Italiener verlieren die Orientierung
Der italienische Rekordmeister und überlegene Tabellenführer der Serie A verlor im Bayern-Wirbel allmählich die Orientierung. Die hochgelobte Dreierkette mit den Nationalspielern Barzagli, Bonucci und Chiellini, die beste in Italien, wusste oft nicht mehr, welche Lücke sie zuerst schließen sollte. Die zurückrotierte Bayern-Elf dagegen wirkte gut sortiert.
Jupp Heynckes hatte seine Startformation gegenüber dem furiosen 9:2-Sieg gegen den Hamburger SV auf fünf Positionen geändert. Für Boateng, Shaqiri, Pizarro, Robben und den in der Champions League gesperrten Martínez spielten van Buyten, Ribéry, Mandzukic, Müller und Alaba.
Mit Ribéry vor allem kamen die Bianconeri, wie die Turiner wegen ihrer weiß-schwarzen Trikots genannt werden, überhaupt nicht zurecht. Deutlich unauffälliger agierte Turins deutscher Fußballschrecken Andrea Pirlo. Ähnlich erging es dem Ex-Leverkusener Vidal, der zudem im Rückspiel gelb-gesperrt fehlen wird. Als sich die Gäste gerade ein wenig auf das Münchner Angriffsspiel eingestellt hatten, griff Buffon wieder ein. Der Torhüter klatschte einen nur mittelmäßig gefährlichen Schuss vor die Füße von Mandzukic, dessen Querpass Thomas Müller zum 2:0 vollendete. Juve, das seine letzten fünf Spiele in der Königsklasse ohne Gegentor gewonnen hatte, war bedient.
Die Optimisten unter den Bayern-Anhängern stimmten gestern bereits ein leises Arrivederci Juve an. Gesungen wird erst am nächsten Mittwoch – von wem auch immer.