Wie bewerten Sie die Wahl von Thomas Bach zum neuen IOC-Präsidenten?
Hörmann: Zunächst einmal ist es für Thomas Bach natürlich ein toller Erfolg. Wenn man so wie er drei Jahrzehnte für das IOC tätig war, dann stellt dieser Tag für ihn sicher den persönlichen Höhepunkt seines Lebens dar. Man kann ihm nur wünschen, dass möglichst viele Hoffnungen und Träume, die er damit verbindet, in Erfüllung gehen. Gleiches gilt für die Erwartungen, die andere in seine Amtszeit setzen. Für den deutschen Sport ist es eine schöne Anerkennung, dass erstmals ein IOC-Präsident aus unseren Reihen kommt.
Allzu überraschend war das Ergebnis der Wahl aber nicht für Sie...
Hörmann: Nein. Wenn man sich die Profile aller Kandidaten angesehen hat, dann war erkennbar, dass Bach hervorragende Voraussetzungen hatte. Vom Papier her war er ganz klar der Beste. Dass er zudem in der Lage ist, gute Kontakte und Netzwerke aufzubauen, ist bekannt.
Letzteres wurde ihm durchaus auch negativ ausgelegt.
Hörmann: Netzwerkpflege ist aber nun einmal die ureigenste Aufgabe in solchen Positionen. Das hat er mustergültig gemacht und auch deshalb war er der Favorit. Die Tatsache, dass er schon im zweiten Wahlgang gewählt wurde, zeigt, wie unangefochten seine Position war.
Welche Auswirkungen auf den deutschen Sport wird die Wahl haben?
Hörmann: Das ist schwer zu bewerten. Im Moment wird es keine entscheidenden Auswirkungen haben. Denn das oberste Gebot für Thomas Bach wird sein, absolute Neutralität zu wahren. Er wird sicher nicht mit der deutschen Fahne durch die Welt laufen. Deshalb glaube ich nicht, dass es unmittelbar einen Vorteil hat.
Im Raum steht natürlich auch die Frage, was ein deutscher IOC-Präsident für die mögliche Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2022 bedeutet.
Hörmann: Meine persönliche Meinung ist, dass diese Konstellation sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Nachteile deshalb, weil es mit Sicherheit Verantwortungsträger im IOC geben wird, die sagen: Jetzt habt ihr einen deutschen Präsidenten, dann braucht ihr nicht auch noch Olympia in Deutschland. Andererseits wird es aber wahrscheinlich auch so sein, dass über die Wahrnehmung Thomas Bachs an der Spitze des IOC der ein oder andere sagt: Das ist doch der Idealzustand, wenn die Spiele in dem Land stattfinden, aus dem auch der Präsident kommt. Allerdings würde ich davor warnen, allzu viele Hoffnungen in dieses Szenario zu setzen. Unter dem Strich dürften sich die positiven und negativen Auswirkungen die Waage halten.
Als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB wird Bach zurücktreten. Sie gelten als einer der Nachfolgekandidaten. Würde Sie der Posten reizen?
Hörmann: (lacht) Es wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel spekuliert. Das ist ja auch ganz normal. Zuerst einmal ist immer eine schöne Bestätigung, wenn man zu diesem Thema genannt und angesprochen wird. Ich habe mich aber ganz bewusst jeglicher Diskussion enthalten und keine Kommentare abgegeben. Erst einmal musste klar sein, ob sich die Thematik überhaupt stellt.
Aber jetzt stellt sich die Thematik...
Hörmann: Mit der Wahl Bachs nehmen die Diskussionen natürlich Fahrt auf. Ich persönlich fühle mich im DSV rundum wohl. Ich führe den erfolgreichsten deutschen Fachverband, wenn man auf die Medaillen schaut. Das ist eine tolle und reizvolle Aufgabe. Insofern besteht für mich keinerlei Handlungsdruck, mich für ein solches Amt zu bewerben. Jetzt muss sich ohnehin erst einmal das Präsidium des DOSB zusammensetzen und Gedanken machen, wie es weitergehen soll.
Und was ist da vorstellbar?
Hörmann: Zum einen ist es möglich, dass eine Lösung aus den eigenen Reihen präferiert wird. Wenn nicht, dann müsste man wohl eine Findungskommission einsetzen. So war es schon beim letzten Mal, und ich vermute, dass das auch diesmal der Weg sein wird. Dazu muss definiert werden, welche Anforderungen an den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin gestellt werden und welche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen sind. Erst wenn diese Fragen geklärt sind, sollte nach meinem Verständnis mit den Personen geredet werden, die für das Amt infrage kommen. Aber um eines noch einmal klar zu betonen: Ich strebe nicht nach einer Positionsveränderung. Im DSV fühle ich mich pudelwohl und rundum akzeptiert.
Sie würden aber nicht Nein sagen, würden Sie gefragt?
Hörmann: Dann würde ich mich den Gesprächen stellen. Es geht ja auch um andere Positionen und Aufgaben, wie zum Beispiel das Projekt Olympia. Also: Wer übernimmt wo Verantwortung? Da sage ich pauschal: Wenn man an irgendeiner Stelle zu der Überzeugung kommt, meine Fähigkeiten können von Nutzen sein, dann stelle ich mich jeder Diskussion. Es nützt aber nichts, wenn jetzt einer nach dem anderen seinen Hut in den Ring wirft oder hinter den Kulissen die Strippen zieht.