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Drei Positiv-Tests

03.05.2020

Fall Köln sorgt für neue Zweifel am Geisterspiele-Szenario

Fürchtet weitere Corona-Fälle beim 1. FC Köln: Birger Verstraete.
Bild: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Geisterspiele als Grundlage für eine umfassende Studie zur Corona-Pandemie? Sportmediziner Fritz Sörgel hat diesen Vorschlag in die Debatte um Partien ohne Zuschauer in der Bundesliga eingebracht.

Nach dem Fall 1. FC Köln mit drei positiv auf das Coronavirus getesteten Personen sind neue Zweifel am Geisterspiele-Plan der Bundesliga aufgekommen.

Debatten gibt es vor allem über die Quarantäne-Regel für Fußballprofis. Zudem hat mit Kölns Mittelfeldspieler Birger Verstraete erstmals ein Spieler öffentlich Bedenken und Ängste geäußert. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison hält der 26 Jahre alte Belgier für "naiv".

Tim Meyer, Leiter der Task Force der Deutschen Fußball Liga, räumte am Wochenende eine Rest-Anfälligkeit des Hygiene-Konzepts der DFL ein. "Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage", sagte der Nationalmannschaftsarzt bei Sport1. Deswegen sei "extreme Disziplin" aller Beteiligten auch abseits des Spielfeldes wichtig.

Da fast 2000 Personen in der Bundesliga getestet worden seien, habe man "einige positive Fälle erwartet", sagte Meyer: "Ich möchte nicht ausschließen, dass es weitere gibt." Es sei natürlich auch möglich, dass zunächst negativ getestete Spieler "nachträglich positiv werden. Das ist auch einer der Gründe, warum wir wiederholt testen." Beim geplanten Einstieg ins Mannschaftstraining dürfen nur zweimal negativ getestete Spieler teilnehmen. Es gebe, so Meyer, "kein einhundertprozentiges System, das war auch kein realistisches Ziel".

Beim 1. FC Köln waren zwei Spieler und ein Betreuer positiv getestet worden. Das Trio war in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Der Rest des Teams setzt das Training wie bisher in Kleingruppen fort. Dies ist auch im medizinischen Konzept der DFL für den Neustart der Bundesliga so vorgesehen. "Die sogenannte häusliche Absonderung ist nur für Personen der Kategorie 1 vorgesehen. Nicht wir, sondern das Gesundheitsamt bewertet, auf wen dies zutrifft", sagte Kölns Mannschaftsarzt Paul Klein.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung planen die Kölner im Fall der Fortsetzung der Saison ein Quarantäne-Trainingslager in der Sportschule Hennef. Neben diversen Hotels hätten die Rheinländer auch die Räumlichkeiten der Sportschule Hennef südöstlich von Siegburg geblockt, um sich dort vor dem ersten Spiel für acht Tage "wegschließen zu können", wie die Zeitung schrieb.

Die Bundesligisten hatten in der Hoffnung, an diesem Mittwoch nach der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten die Genehmigung für den Liga-Start noch im Mai zu bekommen, am Donnerstag mit Corona-Tests aller Spieler und Betreuer begonnen. "Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert", betonte Meyer.

"Ich fand es, ehrlich gesagt, ein bisschen bizarr", sagte der belgische Mittelfeldspieler Verstraete dem TV-Sender VTM auf die Frage, warum er nicht in Quarantäne sei. "Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet", sagte Verstraete in dem Interview, über das "Het Laatste Nieuws" berichtete.

Es sei daher "nicht ganz richtig", dass kein anderer aus dem Team der Kölner mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Verstraetes Freundin zählt wegen einer Herz-Vorerkrankung zur Risikogruppe. "Ich will, dass erst jeder wieder gesund ist und dann erst wieder Fußball spielen", betonte er. Am Sonntag verschickte der FC eine ausführliche Pressemitteilung mit Erläuterungen zu dem Vorgang. "Nachdem die drei positiven Fälle in unserem Kreis bekannt wurden, habe ich einem Interview über meine persönlichen Sorgen vor einer Ansteckung meiner Freundin berichtet. Dabei habe ich mich an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leid tut", wurde Verstraete zitiert.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigt sich offen für einen Wiederbeginn des Profifußballs im Mai, forderte aber zugleich strenge Auflagen. "Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai", sagte Seehofer, der zugleich Sportminister ist, der "Bild am Sonntag": "Für mich ist aber auch klar, dass es keine Privilegien für die Fußball-Bundesliga geben kann."

Grundbedingung seien unter anderem strikte Auflagen im Falle eines Positiv-Tests: "Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Club und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne." Das Interview wurde nach Auskunft der Zeitung vor dem Bekanntwerden der Fälle in Köln geführt. Seehofers Einschätzung habe sich auch nach deren Bekanntwerden nicht geändert, erklärte ein Ministeriumssprecher am Sonntag auf Nachfrage.

Einige Bundesligisten meldeten am Wochenende negative Testergebnisse. Als erster Club kündigte der Tabellendritte RB Leipzig für Dienstag die Rückkehr ins Mannschaftstraining an, sofern zwei vorherige Corona-Tests bei allen Spielern negativ ausfallen und die Gesundheitsbehörde zustimmt. Der VfL Wolfsburg hat dafür längst das Okay der Stadt und des Gesundheitsamts, aus Solidaritätsgründen haben die Niedersachsen aber bisher auf Teamtraining verzichtet.

Der Sportmediziner Fritz Sörgel sprach sich aus wissenschaftlichen Gründen für eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison aus. Der Pharmakologe sieht die Chance, eine bislang so nicht mögliche Studie über das Coronavirus anfertigen zu können. "Macht man sich frei davon, dass da ein sportlicher Wettkampf stattfindet, erfüllen diese Geisterspiele im Ansatz die Kriterien für eine wissenschaftliche Studie", schrieb Sörgel in einem Beitrag für den "Tagesspiegel".

Nach dem Plan der DFL würden etwa 1500 relativ junge Menschen in einem räumlich festgelegten Umfeld regelmäßig aufeinandertreffen. "Die Frage wäre nun, ob es an diesem Arbeitsplatz zu Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus kommt", schrieb der 69-Jährige. Daraus könnten Rückschlüsse auf andere Arbeitsumfelder gezogen werden. (dpa)

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03.05.2020

"Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigt sich offen für einen Wiederbeginn des Profifußballs im Mai, forderte aber zugleich strenge Auflagen. "Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai", sagte Seehofer, der zugleich Sportminister ist, der "Bild am Sonntag": "Für mich ist aber auch klar, dass es keine Privilegien für die Fußball-Bundesliga geben kann."

Grundbedingung seien unter anderem strikte Auflagen im Falle eines Positiv-Tests: "Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Club und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne." Das Interview wurde nach Auskunft der Zeitung vor dem Bekanntwerden der Fälle in Köln geführt. Seehofers Einschätzung habe sich auch nach deren Bekanntwerden nicht geändert, erklärte ein Ministeriumssprecher am Sonntag auf Nachfrage."

Diese Aussage hat er heute auch beim BR3-Stammtisch bekräftigt.

Das bedeutet, dass in allen Fußballmannschaften, ALLE am Spielbetrieb Beteiligten, also auch Physios, Masseure, Zeugwarte etc. strengstens darauf achten müssen, sich nicht zu infizieren. Das bedeutet in Konsequenz, dass sie, wenn sich die Beschränkungen für Kinder wieder lockern werden, auf den Kontakt zu den ihrigen bis zum Saisonende werden verzichten müssen. Oder die Kinder von Bundeligaprofis und Angestellten bleiben noch zuhause bis dahin.

Ein positiver getesteter Spieler nach einem Spiel und die ganze Mühe war umsonst, weil die Saison dann ohnehin wegen Wettbewerbsverzerrung abgebrochen werden muss.

Herr Seehofer hat sehr klar zum Ausdruck gebracht, dass es für den Profifußball keine Ausnahmen geben darf zum Procedere wie im sonstigen Arbeitsleben.

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03.05.2020

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Das der Artikel "Kölner Corona-Fälle als Lackmus-Test - Kritik aus Politik"
offenbar untergegangen ist, nochmals:

Das Konzept funktioniert, funktioniert, funktioniert .........

Und wenn es noch so oft wiederholt wird, ich glaube nicht daran.

Der Bevölkerung werden Kontaktverbote auferlegt -. und da wird gefordert,
auf dem Fußballplatz für 22 Spieler 90 Minuten engste Körperkontakte
(Atemausstoß) unter stärkster körperlicher Anstrengung zuzulassen.

Heißt es nicht, dass man schon infiziert sein kann, ohne dass sich gleich Symptome zeigen?
Was ist, wenn eine Infektion unbemerkt zwischen dem letzten Test und dem Zusammen-
treffen auf dem Spielfeld stattfindet? Dann stellen alle 22 Spieler und das gesamte dazu-
gehörige Umfeld ein nicht zu vertretendes Gefährdungspotential dar. Das Ergebnis des
dann nächsten Tests läßt ja auf sich warten.

Wenn`´s schief geht, wird es heißen, wir waren "überzeugt, dass wir den Spielern mit
unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz
ermöglichen können". Mehr sei halt nicht möglich gewesen - und schließlich hätten
die verantwortlichen Behörden diese Berufsausübung auch erlaubt.

(Und jetzt bringt man noch ins Spiel, die Geisterspiele aus "wissenschaft-
lichen Gründen" durchzuführen!)

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