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Formel 1: Ex-Teamchef Colin Kolles: Zwei silberne Autos und sonst nichts

Formel 1

Ex-Teamchef Colin Kolles: Zwei silberne Autos und sonst nichts

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    Colin Kolles war als Teamchef für verschiedene Rennställe tätig.
    Colin Kolles war als Teamchef für verschiedene Rennställe tätig. Foto: Imago Sportfotodienst

    Vor dem Saisonstart am Sonntag in Melbourne verblüffte Bernie Ecclestone mit seiner harschen Kritik an der Formel 1: Sie sei so schlecht wie noch nie. Hat er recht?

    Colin Kolles: Er hat absolut recht. Teams und Hersteller, vor allem die an der Spitze, verfolgen ihre Interessen, aber das ist nicht unbedingt das Beste für den Sport. Die Formel 1 ist das Kind von Bernie Ecclestone, und er macht einen sensationellen Job. Kritiker stellen ihn als denjenigen dar, der nur die Millionen kassiert. Aber man muss es vom anderen Ende her sehen. Er ist es, der eine Milliarde US-Dollar zuerst einnimmt und dann an die Teams verteilt.

    Was ist an der Formel 1 so „schlecht“?

    Kolles: Das gesamte Regelwerk ist krank und muss verändert werden. Es liegt an den Teams, das System und die Regeln zu verändern. Manche Teams blockieren das und deshalb steckt man in dieser verfahrenen Situation.

    Was sollte sportlich passieren, damit es für den Zuschauer attraktiver wird?

    Kolles: Die wenigsten Zuschauer verstehen, was sich hinter diesem Motor verbirgt, wie kompliziert er ist. Es ist teilweise für Motoren-Ingenieure schwer, das alles im Griff zu haben. Das ist viel zu kompliziert, zu aufwendig und zu teuer, und der Zuschauer hat gar nichts davon, sondern nur derjenige, der vorne fährt und einen Vorsprung hat. Deswegen versucht das führende Team Neuerungen zu blockieren.

    Wer sind die Blockierer?

    Kolles: Ganz klar Mercedes. Sie geben sehr viel Geld aus. Aber für mich ist das nicht die Formel 1: Viel Geld auszugeben, um Ergebnisse einzufahren. Für mich zählen Effizienz und Cleverness. Ecclestone hätte kein Problem, die Einnahmen gleichmäßig unter allen elf Team aufzuteilen, aber die großen Teams sind zu gierig und versuchen, die Kleinen unterzubuttern, damit sie einen Wettbewerbsvorteil haben. Die TV-Gelder müssten gerecht verteilt werden.

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    Welche Lösungen sehen Sie für das Problem der Mercedes-Dominanz?

    Kolles: Ein Weg wäre, die Einnahmen von einer Milliarde US-Dollar gleichmäßig unter den elf Formel-1-Teams aufzuteilen. Dann besitzt jeder die gleiche Basis. Und es sollte eine gesunde Obergrenze geben. Aber Mercedes gibt ja weit mehr als 300 Millionen Dollar aus und macht dabei noch einen Riesenverlust.

    Hockenheim und der Nürburgring melden seit Jahren rückläufige Zuschauerzahlen. Warum verkauft sich die Formel 1 im Schumacher-Land immer schwerer?

    Kolles: Weil sich das Freizeitverhalten und weil sich der Sport verändert haben. Ein Renn-Wochenende, genauso wie die TV-Übertragungen, müssen attraktiver werden. Daran wird meines Wissens gearbeitet, und es kann sein, dass da etwas passieren wird. Es kann nicht sein, dass der Besucher 400 Euro ausgibt, um dann eine schlechte Show zu sehen, in der zwei silberne Autos gegeneinander fahren und sonst nicht mehr viel passiert.

    Zwischen 2000 und 2004 hat Michael Schumacher mit Ferrari die Formel 1 mit fünf WM-Titeln in Folge dominiert. Was war da anders?

    Kolles: Damals gab es viele Überholmanöver oder auch überraschende Ausfälle. Mittlerweile ist die Technik so ausgereift, dass Ausfälle kaum noch vorkommen. Jetzt gibt es Rennen, in denen alle Fahrer ins Ziel kommen und alle Autos wie an einer Perlenschnur aufgereiht fahren. Im Fußball entstehen Emotionen, weil die Zuschauer über Tore, über Schiedsrichterentscheidungen oder Elfmeter diskutieren. Bei einem Formel-1-Rennen fehlen die Emotionen. Das hat mit der Schumacher-Ära geendet. Inzwischen fahren immer die Gleichen vorne. Wenn ein Pilot aggressiver fährt, wird er sofort bestraft. Das ist zu steril. Den Start kann man sich ansehen, da kann noch etwas passieren. Aber danach gibt es meist nur Verschiebungen durch einen Fehler beim Boxenstopp oder eine Dummheit.

    Sie waren früher Teamchef bei Force India und bei Hispania Racing. Wie sehen Ihre aktuellen Kontakte in die Formel 1 aus?

    Kolles: Ich bin nicht mehr Teamchef, aber ich habe nach wie vor täglich mit der Formel 1 zu tun. Mehr will ich nicht sagen.

    Würden Sie ein aktuelles Formel-1-Rennen besuchen?

    Kolles: Meine Familie hatte früher nicht viel Geld. Da habe ich mit meinem Vater und meiner Mutter ein Rennen angeschaut und wir haben im Auto übernachtet. Wir sahen spannende Rennen, Piloten wie Mario Andretti sind aus dem Auto gestiegen und haben den Helm vor Wut auf den Asphalt geschleudert. Da waren Emotionen drin. Heute passiert zu wenig. Die Formel 1 ist ein Ingenieurs-Sport geworden und kein Kampf der Piloten gegeneinander, wo man sich im heißen Gefecht auch mal gegenseitig in die Kiste fährt.

    Also gewinnt nicht mehr der beste Fahrer, sondern die perfekte Technik?

    Kolles: Fernando Alonso und Jenson Button sind Ex-Weltmeister. Aber wenn die nicht im richtigen Auto sitzen, dann sind sie Letzter und Vorletzter. Wenn Lewis Hamilton nicht diese Granate fahren würde, dann würde er irgendwo weit hinten landen. Die Fahrer sind nicht mehr die Stars. Die Technik dominiert zu sehr.

    Wer wird 2016 Nachfolger von Weltmeister Lewis Hamilton?

    Kolles: Ich würde mein Geld nur auf Mercedes setzen.

    Kann Ferrari mit Sebastian Vettel die Lücke zu den Silberpfeilen schließen?

    Kolles: Ich glaube nicht.

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