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Fußball
15.06.2019

Neues Team, alter Traum

Stefan Kuntz will in Italien und San Marino schaffen, was noch keinem seiner Vorgänger gelungen ist: mit einer neu formierten U21-Auswahl den EM-Titel verteidigen.
Foto: Armin Weigel, dpa

In Italien und San Marino will die Auswahl von Stefan Kuntz als erste deutsche U21 ihren Titel verteidigen. Doch schon in der Gruppenphase warten schwere Aufgaben

Das große Titel-Erbe ihrer Vorgänger kümmert die nächste deutsche Fußball-Generation wenig. Nationaltrainer Stefan Kuntz will mit seiner neu formierten Mannschaft bei der EM in Italien und San Marino als erste deutsche U21 den Titel verteidigen. „Wir sind eine andere Mannschaft, wir sind ein anderer Kader. Aber wir brauchen uns nicht verstecken vor den anderen Nationen“, sagte Verteidiger Timo Baumgartl. „Wir sind als Titelverteidiger auch ein Titelanwärter.“

Nach dem EM-Coup von 2017 soll der nächste deutsche Triumph folgen. Vier Europameister von damals sind noch dabei: Mahmoud Dahoud, Nadiem Amiri, Levin Öztunali und Waldemar Anton.

„Ich finde es immer schwer, wenn man von einer Titelverteidigung spricht, denn wir treten mit einem komplett anderen Kader an“, sagte Kuntz. Zwei Jahre lang hat der 56-Jährige an der neuen Mannschaft gebastelt, insgesamt 31 Profis in der U21 debütieren lassen. „Es ist schon eine gute Entwicklung zu sehen in den letzten zwei Jahren“, sagte der gebürtige Saarländer.

Und die ist für den Titel auch notwendig. In der Gruppe B gegen Dänemark (17. Juni), Serbien (20. Juni) und Österreich (23. Juni) darf sich die DFB-Elf keinen Ausrutscher erlauben. Denn nur die Gruppensieger sowie der beste Gruppenzweite ziehen ins Halbfinale ein.

„Man kann nicht im ersten Spiel sagen, jetzt kommst du erst mal rein ins Turnier“, mahnte Kuntz. Immerhin geht es auch um das Olympia-Ticket, das vier Nationen buchen können. Auch deshalb setzt der Europameister von 1996 auf Jonathan Tah und Lukas Klostermann, die nach ihren Einsätzen in der EM-Qualifikation mit der A-Nationalmannschaft kurz vor Turnierstart in Italien zum Team stoßen.

„Jona und Lukas sind absolute Führungspersönlichkeiten bei uns“, lobte Kuntz. „Sie haben in den letzten Monaten schon den Spagat zwischen A-Nationalmannschaft und U21 geschafft und werden von den Erfahrungen in der EM-Qualifikation profitieren.“

Dass sich andere Spieler, die Kuntz gerne dabei gehabt hätte, längst in der A-Elf festgespielt haben und damit fehlen, nimmt der frühere Nationalspieler gelassen hin. „Als U21-Trainer ist es meine Hauptaufgabe, Spieler an die A-Nationalmannschaft heranzuführen“, sagte Kuntz mit Blick auf die noch spielberechtigten Leroy Sané, Kai Havertz, Timo Werner, Julian Brandt und Thilo Kehrer.

Zwar fehlen auch anderen Nationen wie England und Frankreich einige Topstars wie Jadon Sancho oder Kylian Mbappé, diese kommen aber dennoch mit deutlich verstärkten Kadern. Beim deutschen Vorrunden-Gegner Serbien steht in Luka Jovic, der von Eintracht Frankfurt zu Real Madrid wechselt, ein Top-Stürmer im Aufgebot, Dänemark hat BVB-Profi Jacob Bruun Larsen dabei. Österreich reist mit sechs Bundesliga-Profis nach Italien.

„Das ist für uns eine schwere Gruppe“, urteilte Kuntz. Doch auch der deutsche Kader verfügt über viel Erfahrung. Profis wie Schalke-Torwart Alexander Nübel, Bremens Maximilian Eggestein oder Arne Maier von Hertha BSC sind Stammspieler in ihren Vereinen. „Jeder von uns 23 hat zig Bundesliga-Spiele. Ich glaube, das können nicht viele Nationen behaupten“, sagte Führungsspieler Baumgartl.

Die deutsche U21 reist daher mit einer realistischen Titelchance nach Italien – als einzige deutsche Nachwuchs-Auswahl in diesem Jahr. Für die U17 war bei der EM in der Vorrunde Schluss, die U17-WM, die U19-EM und die U20-WM finden sogar ganz ohne deutsche Beteiligung statt.

„Das ist schon eine Zustandsbeschreibung“, sagte Kuntz dazu. Der Nationaltrainer hat für seine jungen Fußballer das Halbfinale und damit die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio als Minimalziel ausgerufen.

Aus dem deutschen U21-Titel 2009 erwuchs die Weltmeister-Generation um Manuel Neuer. Doch die damaligen Titelverteidiger scheiterten krachend in der folgenden Qualifikation. Diese Hürde hat die aktuelle Elf mit einer Niederlage in zehn Spielen problemlos genommen und so träumt der eine oder andere schon von mehr. (dpa)

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