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Joshua Kimmich will keinen Berater mehr - Horst Szymaniak wäre stolz auf ihn

Glosse Von Tilmann Mehl
16.04.2021

Dass es Fußballer nicht so mit Zahlen haben, ist seit Horst Szymaniak bekannt. Mit Joshua Kimmich könnte sich der Ruf der Kicker nun ändern.

Begibt sich der Fußballer ins Land der Zahlen, verliert sein Auftritt schnell an jener Präzision, die ihn bei der Bearbeitung gegnerischer Schienbeine auszeichnet. Es gibt gute Gründe, weshalb die Tore nicht größer sind oder sich die Regel-Ahnen absurde Konventionen wie Abseitsstellungen erdacht haben. Das alles führt dazu, dass die Kicker nicht den Überblick verlieren. Durchschnittlich fallen pro Partie nur etwas mehr als drei Tore. Bedeutet: Wer zwei Mal trifft, gewinnt gemeinhin. Dafür braucht es kein ausgeprägtes mathematisches Verständnis. Das Berufsbild aber bringt es mit sich, dass die Stars sich einen größeren Zahlenraum erschließen müssen.

Der Klassenerhalt beispielsweise gilt dann als sicher, wenn ein Bundesliga-Team 40 Punkte erreicht hat. 40! Den Schalkern fehlt für diese absurde Größenordnung jegliche Vorstellungskraft. Besonders gemeine Gesellen haben sich zudem den Spaß erlaubt, den Teilnehmern internationaler Spiele einen Rechen-Knüppel zwischen die Hirnwindungen zu werfen: Europapokal-Arithmetik. Auswärtstore zählen plötzlich doppelt. Aber nur, wenn die Summe der Treffer beider Mannschaften nach Hin- und Rückspiel identisch ist. Wer soll sich denn da noch auf das Spiel konzentrieren können?

Profis müssen sich in die Hände von Beratern begeben

Seit etlichen Jahren haben sich rührige Helfer der Profis angenommen, auf dass sie nicht gänzlich dem Wahnsinn anheimfallen. Um Millionengehälter auszuhandeln (da geht es um SIEBENSTELLIGE Zahlen!), bedarf es einem Faible für höhere Mathematik. Sich in die Hände eines Beraters zu begeben, ist deswegen unerlässlich.

Horst Szymaniak konnte mit Sepp Herberger besser als mit Zahlen.
Foto: dpa

Für Horst Szymaniak kamen die Segnungen des Beraterwesens zu spät. Der Mittelfeldspieler musste sich in den 50er und 60er Jahren noch selbst um die Ausgestaltung seines Vertragswerkes kümmern. Von einer jener Verhandlungen ist das Bonmot überliefert: „Ich will ein Viertel, nicht nur ein Drittel mehr.“ Eine Mahnung an alle Spieler, doch bitte den Kopf dazu zu nutzen, wofür der liebe Herrgott ihn auf den Hals gesetzt hat: Kopfbälle. Alles andere regeln die Berater.

Joshua Kimmich hat sich von der ihm zur Seite stehenden Agentur getrennt. Er wolle fortan selbst die Verhandlungen übernehmen, schließlich kenne niemand seinen Wert so gut wie er selbst. Bayerns Mittelfeldmann gilt als kluger Kopf der Zunft. Er könnte das Bild der eindimensional Begabten verbessern. Horst Szymaniak wäre stolz.

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