Die Trauer über den Tod von Eishockey-Nationalspieler Robert Dietrich ist groß. Tief erschüttert zeigten sich führende Sportfunktionäre. "Robert war ein ganz feiner Kerl, einer von der ruhigen Sorte, der immer alles gegeben hat", sagte der Generalsekretär des Deutschen Eishockey Bundes (DEB), Frank Reindl, dem Sender Sport 1. "Wir fühlen mit der Familie und mit seiner Freundin."
Der Sportmanager der Kölner Haie und ehemalige Nationaltrainer, Uwe Krupp, wollte sich nicht live auf dem Sender äußern. Er sei "sehr, sehr traurig" und finde keine Kraft dazu. Seine Gedanken seien bei der Familie Dietrichs, wurde er zitiert.
Der 25 Jahre alte Dietrich, der in Kaufbeuren aufgewachsen ist, war am Mittwoch bei einem Flugzeugabsturz in Russland zusammen mit zahlreichen seiner Mannschaftskameraden vom russischen Spitzenverein Lokomotive Jaroslawl ums Leben gekommen.
Im Sommer nach Russland gewechselt
Stundenlang hatte der DEB nach Bekanntwerden der Flugzeug-Tragödie am späten Mittwoch Mittag versucht, über die Familie Dietrichs an Informationen zu kommen. Reindl stand in engem Kontakt zu den Angehörigen des im kasachischen Ordschonikidse geborenen Spielers. „Wir konnten dann nur noch unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, sagte Reindl. Der Ex-Spieler der Adler Mannheim und DEG Metro Stars aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war im Sommer zum dreimaligen russischen Meister gewechselt.
Die Familie wohnt im Kaufbeurer Osten
Die aus Kasachstan stammende Familie von Robert Dietrich zog im Januar 1992, als Robert fünf Jahre alt war, ins Allgäu. Mutter Maria (51) und Vater Heinrich (54) wohnen im Kaufbeurer Osten. 1992 begann die Karriere von Robert Dietrich beim ESV Kaufbeuren, wo er bis 2002 alle Jugendmannschaften durchlief. Höhepunkt für die ganze Familie war die WM 2010 im eigenen Land, als Dietrich überragende Kritiken erhielt und die meiste Eiszeit aller deutschen Nationalspieler hatte.
Wie das russische Zivilschutzministerium am Donnerstag mitteilte, haben Rettungskräfte fast alle Leichen geborgen. Taucher seien insgesamt 30 Mal in die Wolga gestiegen, in die Teile der Maschine gestürzt waren. Die beiden Überlebenden des Absturzes vom Mittwoch waren nach Krankenhaus-Angaben noch in einem kritischen Zustand. Insgesamt waren 45 Menschen an Bord der Maschine vom Typ Jak-42. Die Ermittler schickten die Flugschreiber zur Untersuchung nach Moskau.
Spekulationen über die Unglücksursache
Die wahrscheinlichste Unglücksursache sei, dass eines der Triebwerke ausgefallen sei, sagte ein namentlich nicht genannter Flughafenmitarbeiter. In einer anderen Quelle heißt es, das Flugzeug sei mit minderwertigem Treibstoff betankt worden. Angeblich gewann die Maschine nach dem Start vom Flughafen Jaroslawl nicht schnell genug an Höhe, streifte eine Antenne und zerschellte dann am Boden.
Kremlchef Dmitri Medwedew wollte am Donnerstag zur Absturzstelle rund 280 Kilometer nordöstlich von Moskau kommen. Der Präsident wird zu einem internationalen politischen Forum mit vielen prominenten Gästen in Jaroslawl erwartet, wo er eine Grundsatzrede halten wollte. dapd/dpa/mis/ms