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Stiefvater schießt auf Ulmer Boxerin.: Rola El-Halabi und ein "kontrollsüchtiger Narzisst"

Stiefvater schießt auf Ulmer Boxerin.

Rola El-Halabi und ein "kontrollsüchtiger Narzisst"

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    Rola El-Halabi mit ihrem Trainer Jürgen Grabosch.
    Rola El-Halabi mit ihrem Trainer Jürgen Grabosch. Foto: anbr

    Rola El-Halabi könnte eine Ikone der arabischen Frauenbewegung sein. Die 26-jährige Tochter libanesischer Bürgerkriegsflüchtlinge studiert Sportmanagement und ist Box-Weltmeisterin im Leichtgewicht. Am vergangenen Freitag kurz vor Mitternacht will sich die selbstbewusste Ulmerin in Berlin einen weiteren Gürtel holen. Doch der Traum und vermutlich die ganze Karriere werden in der Kabine von vier Kugeln zerstört. Abgefeuert aus der Pistole ihres Stiefvaters und ehemaligen Managers Hicham „Roy“ El-Halabi. Gezielt schießt er der Boxerin in beide Beine, in eine Hand und eine Kniescheibe. Der als dominant und aufbrausend bekannte Mann hat sich durch Rolas Wunsch nach sportlicher und privater Selbstbestimmung offensichtlich in seiner Ehre verletzt gefühlt.

    Gegen 22.40 Uhr laufen in der Kabine die letzten Vorbereitungen auf Rolas Titelkampf gegen die Bosnierin Irma Adler. Trainer Jürgen Grabosch beschreibt die Stimmung gegenüber unserer Zeitung als „angespannt und konzentriert“. Im Allerheiligisten der Boxerin halten sich neben ihm ihr Arzt und ein Physiotherapeut auf. Dann sind vor der Kabine Stimmen zu hören. Zwischen Roy El-Halabi und den beiden von Rola angeheuerten russischen Türstehern entbrennt eine Diskussion.

    Mit gezückter Pistole in die Kabine

    Wenig später fallen die ersten Schüsse. Grabosch bekommt alles aus nächster Nähe mit. El-Halabi verletzt zwei Sicherheitskräfte schwer, darunter einen der Russen, stürmt in die Kabine und schickt mit gezückter Pistole Trainer, Arzt und Physiotherapeut hinaus. „Er hat dann die Tür zugeschlagen, und als ich einen Meter weg war, habe ich zwei weitere Schüsse gehört“, berichtet Jürgen Grabosch.

    Die erste Kugel trifft Rola in die rechte Hand. Im weiteren Verlauf schießt Roy seiner um Gnade flehenden Stieftochter in beide Beine und ins Knie. Zwischenzeitlich soll der Libanese auch angekündigt haben, sich selbst zu erschießen. Stattdessen wird Roy El-Halabi von Spezialkräften der Berliner Polizei überwältigt.

    Rola wird noch in der Nacht im Unfallkrankenhaus Marzahn notoperiert und liegt nach wie vor auf der Intensivstation. Lebensgefahr besteht nicht, aber der Trümmerbruch an der durchschossenen Hand wird eine Fortsetzung ihrer Karriere kaum zulassen. „,Ich weiß, dass sie eine Kämpferin ist“, sagt ihr Trainer. „Wenn die Hand es zulässt, dann wird sie zurückkommen. Aber manchmal reicht der Wille alleine nicht aus.“

    Trainer erwägt Anzeige gegen den Veranstalter

    Gestern teilt die Berliner Polizei mit, dass gegen den 44-Jährigen Haftbefehl erlassen wurde. Aber es bleiben offene Fragen. Weshalb wurden am Eingang die Besucher offensichtlich unzureichend oder gar nicht kontrolliert? Wie konnte Roy El-Halabi überhaupt in die Halle kommen und weshalb wurde er dort geduldet? Schließlich hatte Rola panische Angst vor ihrem Stiefvater, der die Boxerin seit seinem Rauswurf als Manager zum Jahreswechsel mit Verleumdungen und Drohungen verfolgt haben soll. „Diese Drohungen gab es und jetzt hat Roy sie in die Tat umgesetzt“, sagt Rolas Trainer, der über eine Anzeige gegen den Veranstalter nachdenkt.

    Dem Vernehmen nach liegen auch bei der Ulmer Staatsanwaltschaft Anzeigen gegen den Mann vor, der die Karriere seiner Stieftochter rund 15 Jahre lang als Manager begleitet hat. Zum familiären Zerwürfnis soll es dann gekommen sein, als sich Rola vor etwa einem Jahr verliebte. Ein offenbar unerträglicher Zustand für den Libanesen, der von Jürgen Grabosch als „kontrollsüchtiger Narzisst“ beschrieben wird. Der Stiefvater habe den psychischen Druck so stark erhöht, dass seine Stieftochter mehrfach ohnmächtig wurde.

    Roy El-Halabi forderte öffentlich die Beendigung der Karriere wegen angeblicher gesundheitlicher Probleme, die der Libanese gern und ausführlich bis ins Detail beschrieb. Letztlich konnten auch ihre russischen Leibwächter die Boxerin nicht mehr vor dem in seiner Ehre gekränkten Stiefvater schützen.

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