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Tanzen
30.11.2021

Augsburg trauert um seinen Tanz-Weltmeister Rudi Trautz

Bei der Organisation von Tanzveranstaltungen war Rudolf Trautz in seinem Element: hier bei der deutschen Meisterschaft der Amateure in den lateinamerikanischen Tänzen in der Sporthalle Augsburg im Jahr 2010.
Foto: Ulrich Wagner

Mit 84 Jahren ist der vierfache Weltmeister Rudolf Trautz aus Augsburg gestorben. In seiner Tanzschule haben viele Schüler und Schülerinnen ihre ersten Tanzschritte gelernt.

Erst vor zwei Wochen hat Rudi Trautz seine letzte E-Mail an die Sportredaktion der Augsburger Allgemeinen geschrieben. Mit großer Freude berichtete er darin, dass seine Tochter Nina mit ihrem neuen Tanzpartner Andrey Larin zwei Titel bei den Deutschen Meisterschaften in den Lateinamerikanischen Tänzen gewonnen hatte. Stolz war der Profitänzer – selbst vierfacher Weltmeister –, dass seine Tochter die gleiche sportliche Karriere eingeschlagen hat und ihm nacheifert. Am Montag ist Rudolf Trautz, den alle nur Rudi nannten, im Alter von 84 Jahren gestorben.

„Ich habe immer die größte Unterstützung, Liebe und Führung von meinem Vater erhalten und werde ihm immer dankbar sein“, schrieb Nina Trautz in seinem Gedenken auf ihrem Instagram-Account und zeigte sich gerührt, dass ihr Vater ihren so erfolgreichen ersten Wettkampf und die Meister-ehrung mit Andrey Larin vor zwei Wochen in Bonn noch persönlich miterleben konnte. Ihr Vater habe sie inspiriert, habe in ihr die Leidenschaft für diesen Sport geweckt, als er sie ihn während seiner Tätigkeit als Turnierrichter zum legendären Tanzwettkampf ins britische Blackpool begleiten durfte.

Tanzschule Trautz & Salmen" trauert um den "begnadeten Tänzer und Freund"

Auch auf der Seite der Augsburger Tanzschule „Trautz & Salmen“, deren Inhaber er war, verabschiedet man sich mit rührenden Worten vom Seniorchef: „Ein ganz Großer ist von uns gegangen! Rudi, wir vermissen Dich als Ehemann, Vater, Teilhaber, begnadeter Tänzer und vor allem als Freund!“ Rudi Trautz hatte 1971 die von Andreas Benkhart 1909 in Augsburg gegründete Tanzschule übernommen und führte sie lange Jahre mit seinem vor eineinhalb Jahren verstorbenen Freund und Geschäftspartner Rainer Salmen.

Rudi Trautz lebte ebenso für das Tanzen wie auch seine Tochter Nina, die selbst Tanzlehrerin und Profi-Tänzerin ist.
Foto: Ulrich Wagner

Am 21. Dezember wäre der in Nürnberg geborene Rudolf Trautz 85 Jahre alt geworden. Er hinterlässt seine zweite Frau Martina, mit der er seit 1984 verheiratet ist, seine Tochter Nina sowie Sohn Nico mit Familie. Eigentlich wäre Rudolf Trautz gern Schauspieler geworden, durch eine glückliche Fügung aber war er stattdessen zum Tanzen gekommen – und hatte dort seine wahre Leidenschaft entdeckt. Er wurde nicht nur ein weltberühmter Profitänzer, sondern war als Trainer, Tanzlehrer, Turnierrichter und Organisator von Tanz-, Sport- und gesellschaftlichen Veranstaltungen für seine Professionalität, Disziplin und Akribie hoch geschätzt. Dabei blieb er jederzeit freundlich, verbindlich und gradlinig. Mit seiner ersten Frau und Tanzpartnerin Mechthild Trautz-Melzer, die 2017 verstarb, setzte er im Turniersport neue Maßstäbe.

Mechtild Trautz und ihr erster Ehemann Rudolf waren in den Sechziger- und Siebzigerjahren auf den nationalen und internationalen Tanzparketten nahezu unschlagbar.
Foto: Ohne Honorar/archiv Melzer

Mechthild und Rudi Trautz wurden als Tanzpaar weit über die Grenzen Augsburgs hinweg bekannt

Weit über die Grenzen Augsburgs hinaus wurde das Ehepaar Trautz in den 1960er und 70er Jahren durch den Gewinn von allein vier Weltmeistertiteln bekannt und gefeiert. In seiner Laufbahn verbuchte Rudi Trautz über 20 deutsche Meistertitel, acht EM-Siege, den Gewinn der traditionsreichen British Open in Blackpool und je drei Siege bei den United Kingdom Championships und World Cups. Kein Tanzsportler kam je an eine solche Fülle von Erfolgen heran.

Als Funktionär engagierte er sich in den Verbänden, leitete von 1980 bis 1990 das Professional Turnieramt (Vorgänger des Deutschen Professional Tanzsportverbandes) und war Vizepräsident des International Council of Ballroom Dancing (des heutigen World Dance Council WDC). Dazu erhielt Rudi Trautz unzählige Auszeichnungen wie das Silberne Lorbeerblatt und das Bundesverdienstkreuz.

Rudi Trautz organisierte Galabälle im Hotel "Maximilian´s"

Der Tod des ehemaligen Weltmeisters erschüttert nun weltweit die Tanzszene. Laut Würdigung des Landestanzsportverbands LTVB habe Rudi Trautz entscheidend dazu beigetragen, „Tanzen für Gesellschaftstanz, für Breitensportler und für Turnierpaare zu medialer Aufmerksamkeit zu verhelfen und sich unermüdlich sein Leben lang dafür eingesetzt“.

Vielen Augsburgern und Augsburgerinnen dürften nicht nur die von ihm initiierten großen Galabälle wie der Margaritenball, sondern auch unzählige Schulabschlussbälle im Hotel Maximilian´s in Erinnerung bleiben. Schließlich hat nahezu jeder Jugendliche aus Augsburg in der Tanzschule „Trautz&Salmen“ seine ersten Walzerschritte gelernt oder eine der legendären Samstagspartys besucht. Gern zitierte Seniorchef Trautz mit einem Schmunzeln den Satz, dass „ein Schüler erst ein richtiger Augsburger ist, wenn er ein Jahr bei Trautz&Salmen getanzt hat“. Auch die von ihm und seinem Team organisierten Meisterschaften – die Deutschen Titelkämpfe S-Latein im Jahr 2010 in der Augsburger Sporthalle oder die Deutsche Meisterschaft der Latein Professionals 2013 im Kongress im Park – waren sportliche Highlights, bei denen Rudi Trautz als eloquenter wie eleganter Conférencier durch den Abend führte.

Hunderte von Nachrichten und weltweite Anteilnahme erreichen die Familie Trautz

Wie beliebt Rudi Trautz war, zeigen „die unglaubliche Reaktion und Anteilnahme, die uns aus der ganzen Welt erreichen“ berichtet Nina Trautz, „in den letzten Tagen sind hunderte von Nachrichten eingegangen von Japan über China, USA und ganz Europa, was zeigt, wie viel Anerkennung und Wertschätzung er auf der ganzen Welt bekam! Dafür sind wir sehr dankbar.“

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