München Noch sitzt Bruno Spengler ganz entspannt in den Ausstellungsräumen von BMW an der Schleißheimer Straße in München. Wenige Meter neben dem Kanadier stehen Vergangenheit und Zukunft der Bayerischen Motoren Werke in der Tourenwagen-Meisterschaft: ein 20 Jahre alter M3 und das aktuelle Modell M3 DTM. „Ich werde alles dafür tun, damit der Propeller so schnell wie möglich wieder vorne steht“, sagt der 28-jährige Kanadier und spielt damit auf das Firmenzeichen der Bayern an.
Nach 20 Jahren Abstinenz kehrt die Traditionsmarke in das Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) zurück. Der erste Saisonlauf steigt am kommenden Sonntag (live ab 14 Uhr in der ARD) auf dem Hockenheimring. Zwar verfügen die Münchner über viel Erfahrung im Motorsport, doch in der DTM warten mit Audi und Mercedes zwei starke Konkurrenten, die sich seit dem Ausstieg von Opel (2005) aus der DTM gegenseitig beharken. Das Konzept von BMW-Motorsport-Direktor Jens Marquardt hieß: von jedem Konkurrenten einen Fahrer abwerben und dazu einige Talente. Von Audi lotste der ehemalige Toyota-Formel-1-Teamchef Marquardt den Bayern Martin Tomczyk los. Der 30-jährige Rosenheimer gewann 2011 immerhin die Meisterschaft mit einem alten Audi-Modell. Bruno Spengler fährt seit 2005 in der DTM und holte mit der Mercedes-C-Klasse zweimal die Vizemeisterschaft. „Wir müssen noch viel lernen, aber wir wollen so schnell wie möglich auf das Podest“, gibt Spengler als Ziel für die ersten Rennen an.
Im Rennsport zählen allerdings nicht nur die Fahrer. „Ich habe einen neuen Renningenieur, mit dem ich mich schon sehr gut verstehe. Das ist unglaublich wichtig, wenn man in der DTM erfolgreich sein will“, sagt der Kanadier über Valentino Conti. Der Renningenieur gibt das Kompliment zurück: „Bruno ist ein Profi durch und durch, er weiß, worauf es in der DTM ankommt.“ Der 34-jährige Augsburger kennt sich nicht nur mit den Boliden aus. Zusammen mit seinem Bruder Leonardo Conti, dem ehemaligen Eishockey-Nationatorhüter und jetziger Nummer zwei der Augsburger Panther, holte Valentino die deutsche Junioren-Meisterschaft. Nach dem Studium von Maschinenbau und Fahrzeugtechnik arbeitete der Augsburger in DTM-Mannschaften von Opel und Mercedes. Als das Angebot des Schnitzer-Teams aus Freilassing kam, folgte der Wechsel zu BMW. Seine Aufgabe: „Ich muss nach den Aussagen des Fahrers und den vorliegenden Daten das Auto bestmöglich abstimmen.“
Aus Gründen der Kostenreduzierung sind viele Teile an den 480 PS starken Rennern vereinheitlicht. Bremsen, Motor-Elektronik, Getriebe, Reifen und die Fahrerzelle (Monocoque) sind für alle gleich, die Motoren-Entwicklung ist eingefroren. „Wir können den Heckflügel verstellen und arbeiten mit Reifendruck, Spur, Sturz oder auch der Federung“, umschreibt der Renningenieur sein Arbeitsfeld. Während des Rennens hält der Augsburger Funkkontakt mit Bruno Spengler.
Die Testfahrten aller drei Konkurrenten sind absolviert, doch wie schnell BMW ist, weiß auch Valentino Conti nicht: „Erfahrungsgemäß deckt man bei den Tests nicht alle Karten auf. Erst nach dem Hockenheim-Rennen werden wir wirklich wissen, wo BMW in der DTM steht.“