Von Florian Eisele Kapstadt - Diesmal wird wirklich alles besser. Denn der neue WM-Ball "Jabulani" wartet mit einer sensationellen Innovation auf: Er ist rund. Genaugenommen ist er laut Hersteller sogar "der rundeste Ball aller Zeiten".
Es gibt mal wieder einen "besten Ball der Geschichte" - traditionell wird er im Zweijahres-Rhythmus, kurz vor einer Welt- oder Europameisterschaft vorgestellt. Jetzt war's mal wieder soweit: Mit dem "Jabulani" sollen die Mannschaften bei der Fußball-WM für Zauber auf dem rasen sorgen. In einer feierlichen Eröffnung mit FIFA-Präsident Joseph Blatter, Franz Beckenbauer und Superstar David Beckham kurz vor der WM-Gruppenauslosung wurde der Ball der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Dessen Hersteller behauptet, "Jabulani" sei - ein revolutionärer Ansatz - der rundeste Ball, den es je gegeben hat.
Das Design mit elf verschiedenen Farben, stellvertretend für die elf offiziellen Sprachen Südafrikas und die elf südafrikanischen Stämme, wird als Symbol für die Vielfältigkeit des afrikanischen Spirits gesehen. Und der Name "Jabulani" stammt aus dem Sprachgut der Zulus und bedeutet übersetzt "feiern" oder "zelebrieren". Und deshalb wurde auch gleich mal was gefeiert und zelebriert - nämlich der Ball.
Auch hier gilt mal wieder: Vergesst, was vorher war. Im Vergleich zu diesem High-Tech-Projektil fühlen sich alle anderen Bälle an wie aufgepumpte Schweinsblasen. "Die neu entwickelte Außenhaut des Balls mit lediglich acht zusammengeschweißten Platten soll ein stabiles Flugverhalten und eine perfekte Griffigkeit bei allen Bedingungen erlauben", heißt es. Fast vier Jahre habe das Entwicklungsteam in das Projekt gesteckt, heißt es auch.
Wenn man sich die Reaktionen der Beteiligten anhört, war das auch bitter nötig. Losfee David Beckham zum Beispiel scheint froh zu sein, nach Jahren, in denen er mit ovalen und viereckigen Spielgeräten spielen musste, endlich mal einen richtigen Ball gesehen zu haben: "Selbst die besten Spieler der Welt brauchen Hilfe bei der Ballkontrolle, und dieser Ball hilft uns." Na Gottseidank.
Und auch der DFB-Capitano Michael Ballack ist vor Freude ganz aus dem Häuschen: "Fantastisch, der Ball macht genau das, was ich will", lobt er, um ebenso glückstrunken wie geheimniskrämerisch hinzuzufügen: "Es gibt keine Ausreden mehr." Aha. Ist gespeichert, Herr Ballack.
Sepp Blatter spricht dem Ball sogar mystische Kräfte zu: "Ein Ball kann die Welt nicht verändern, aber er kann die Botschaft der Hoffnung transportieren." Teilweise könnte diese Hoffnung aber auch mit einem Umsatzplus der daran beteiligten Firmen zusammenhängen, stolze 119,95 Euro soll die Kugel im Handel kosten. Die bisherige Rekordmarke hält der WM-Ball 2006, der "Teamgeist"mit 15 Millionen verkauften Exemplaren. Der "Fevernova" (WM 2002) und der "Roteiro" (EM 2004) wurden je sechs Millionen Mal abgesetzt.
Seine weltweite Premiere wird der Ball beim Freitagsspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Bayern München und Borussia Mönchengladbach. Es muss ein bewegender Moment sein, wenn die beiden Trainer heute abend in die Kabine gehen.
Louis van Gaal, der harte Hund der seit 20 Jahren als Trainer unterwegs ist, wird wahrscheinlich eine Träne der Rührung im Auge haben, wenn er seinen Jungs heute vor Spielbeginn die Jabulani-Nachricht verkündet: "Jungs, unser Ball ist heute mal wirklich rund. Echt. Ich wünschte, ich hätte auch mit ihm spielen können. Und jetzt geht raus und habt Spaß damit." Der Siegeszug des "Jabulani" - jetzt kann er kommen. Und er wird wahrscheinlich ganze zwei Jahre lang dauern.