Am Montag wird Lothar Matthäus 50. Die Zahl erschrecke ihn nicht, sagt er. Muss sie auch nicht. Nach einem halben Jahrhundert kehrt Ruhe ein. Keine Lust mehr auf Pisten und Jagden. Menisken und Bandscheiben zwicken. Stattdessen wunderbare Blicke vom Hochsitz. Männlein weiß, wo es hingehört.
So gesehen ist Lothar Mattäus erheblich jünger als die anstehenden 50. Er liebt Pisten und verabscheut Hochsitze. Das ist anstrengend, wenn Bandscheiben und Menisken zwicken, aber nicht, wenn einer aussieht wie der Franke. Lothar sagt, er fühle sich frisch und gesund, oder, wie er früher erklärt hätte: „Einem Lothar Matthäus tut nichts weh.“
Es waren die Jahre, in denen er nur in der dritten Person von sich gesprochen hat. Da war einer, der Abstand zu sich selbst suchte – ihn aber nicht fand („Ein Lothar Matthäus kann es sich nicht leisten, sich zu blamieren.“). Später sah er das anders. „Ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht.“
Was den Fußball betrifft, gilt das mehr als für die meisten, die je auf diesem Globus jemals gegen einen Ball getreten haben. Matthäus war ein Energiebündel, das Probleme im Spiel gelöst hat, ehe sie andere überhaupt wahrgenommen haben. Er war ein Frühvollendeter, der als 18-Jähriger dem Wunderkind Maradona die Lust am Zaubern nahm. Zwei Jahrzehnte später hat Matthäus noch immer für Deutschland gespielt. Maradona hatte damals schon mehrere Entziehungskuren hinter sich und trug nur noch Übergrößen.
Leider ist Matthäus nach seiner Karriere zum Beispiel dafür geworden, dass aus einem großen Spieler nicht automatisch ein großer Trainer wird. Kein deutscher Klub will den Franken verpflichten. Zu unberechenbar, zu anstrengend, zu fränkisch-schillernd. Also zieht er durch die Welt. Österreich, Ungarn, Serbien, Israel, zurzeit Bulgarien. Ein Suchender, als Trainer und 50-Jähriger unvollendet. Bald wird er wieder weg sein und erklären: „Ein Wort gab das andere – wir hatten uns nichts zu sagen.“