Vielleicht hat sich mancher angesichts des Todes von Xaver Unsinn kurz mal gefragt: Wie heißt eigentlich der Mann, der jetzt gerade Eishockey-Bundestrainer ist?
Die Antwort wird den meisten schwerfallen. Nur ausgesprochene Eishockey-Spezialisten werden den Namen sofort parat haben. Die Zahl derer, die vielleicht sogar ein Bild dieses Mannes vor Augen haben, die dürfte noch geringer sein.
Xaver Unsinn haben alle gekannt. Auch jene, die noch nie einen Puck aus der Nähe gesehen haben, die niemals ein Eisstadion betreten haben, für die Penalty und Powerplay immer Fremdworte geblieben sind. Xaver Unsinn war allen ein Begriff. Mister Eishockai eben. Eine Legende, bereits zu Lebzeiten.
Täuscht es, oder gibt es immer weniger dieser Persönlichkeiten? Menschen, die mehr Statur haben, als es ihre Position im Leben eigentlich vermuten lässt? Ist es nicht so, dass sich diese Überfiguren immer mehr auf wenige Bereiche im Sport konzentrieren. Vor allem auf den übermächtigen Fußball.
Theoretisch erfährt das Publikum heute viele mehr aus dem Sport als zu den großen Zeiten von Xaver Unsinn. Die Berichterstattung in den Druckmedien ist umfangreicher, schneller, hintergründiger. Es gibt mehr Fernsehsender, es gibt eigene Sportkanäle. Es gibt das omnipräsente Internet.
Aber was kommt tatsächlich beim Publikum an? Für viele scheint das Internet nur eine riesige Spielwiese zu sein, auf der sie rastlos, ziellos und gedankenlos umherhüpfen. Die Informationen rauschen vorbei, werden damit abgewertet zum Hintergrundrauschen.
Das Fernsehen? Die verbesserte Erfassung der Zuschauerzahlen hat eine unselige Entwicklung ausgelöst. Viel gesendet wird nur noch, was viel gesehen wird. Fußball wollen viele sehen – also wird noch mehr Fußball ins Programm gehievt. Andere Sportarten, zum Beispiel Eishockey, ziehen weniger Zuschauer an – also taucht noch weniger Eishockey im Programm auf. Und für das, was wenig im Fernsehen stattfindet, gilt: aus den Augen, aus dem Sinn. Dass diese Entwicklung auf die Zeitungen abfärbt, ist nicht zu leugnen. Ein Teufelskreis.
Popularität ist heute kein allzu seltenes Gut mehr. Dank Internet besitzt inzwischen fast jeder die Chance, es zu 15 Minuten Berühmtheit zu bringen, so wie Andy Warhol es prophezeite. Es gibt mehr Stars als früher. Jungstars, Superstars, Megastars, Altstars, Sternchen … Aber Persönlichkeiten? Wie Xaver Unsinn eine war?
Eishockey-Bundestrainer ist im Moment übrigens Jakob Kölliker. Ein durchaus interessanter Mann. Ein Schweizer, über 200 Länderspiele, über 500 Ligaspiele. Ob er aber in diesen Zeiten je zur Legende wachsen kann?