Der Countdown läuft. Unerbittlich. Auch an diesem Abend. Riesig leuchteten die Zahlen hinter Audi-Boss Gernot Döllner auf der gewaltigen Videoleinwand. 115 Tage sind es am Mittwoch noch, bis die Formel 1 in die neue Saison startet. Audi ist also auf der Zielgeraden der Vorbereitung.
Die Zeit drängt. Vor allem in der Formel 1, der Königsklasse. Audi wird ein Neueinsteiger sein. Nach vielen Projekten im Motorsport wagt sich der Hersteller aus Ingolstadt an die größte Herausforderung. Die Formel 1 ist die weltweit am meisten beachtete Rennserie. Und die, die den meisten technischen Aufwand verlangt. Aber auch die Chance bietet, sich zu präsentieren.
Am Mittwochabend hatte Audi an den Münchner Flughafen geladen. Dort steht das Audi Brand Experience Center. Ein großer Veranstaltungsort, der am Mittwoch rot leuchtete. Um kurz nach 18.30 Uhr heulten die ersten Motoren auf. Audi ließ die Erfolgsrennwagen der vergangenen Jahrzehnte vorfahren. Boliden, mit denen der Hersteller in Le Mans, bei der DTM oder der Rallye Dakar gewonnen hat. Und nun soll die Formel 1 das nächste Kapitel der Erfolgsgeschichte werden.
Die Formel 1 ist die größte Herausforderung
„Unser Einstieg in die Formel 1 ist Teil von etwas Größerem“, sagte Döllner und strahlte, „es ist der nächste Schritt in der Neuaufstellung des Unternehmens mit dem Ziel, unsere Position im globalen Wettbewerb zu stärken.“
Viele Jahre hatte Audi gezögert. Hatte sich anderen Projekten im Motorsport zugewandt. Hatte die 24 Stunden von Le Mans gewonnen und dort wertvolle Ideen für die Serienfahrzeuge gewonnen. Jetzt aber soll es die Formel 1 sein. Weil die Königsklasse ab der kommenden Saison ihre Rahmenbedingungen stark verändert. Die Motoren werden zu 50 Prozent elektrisch sein, auch das Design der Fahrzeuge verändert sich. Ein Umbruch, der den Einstieg erleichtern mag. Andererseits weiß niemand, wie weit welches Team bei einer solchen Neuausrichtung wirklich ist.
Viele Hersteller haben sich schwergetan, als sie den Schritt in die Formel 1 wagten. BMW oder Toyota sahen ihre Erwartungen nicht vollumfänglich erfüllt und stiegen irgendwann wieder aus. Auch die Audi-Verantwortlichen wissen, dass am Anfang eine Durststrecke drohen könnte. „In den nächsten zwei Jahren werden wir Herausforderer sein. Von 2028 an wollen wir wettbewerbsfähig sein, ab 2030 wollen wir um den Titel fahren“, sagte Döllner.
Eine Einschätzung, die auch Audis Formel-1-Chef Mattia Binotto teilt. Der langjährige Ferrari-Mann trägt die technische Verantwortung des Prestigeprojekts. „Das ist das spannendste Projekt im Motorsport, wenn nicht sogar im Sport überhaupt. Das Ziel ist klar: Ab dem Jahr 2030 um Meisterschaften zu kämpfen. Diese Reise braucht Zeit, die richtigen Talente und den Willen, sich permanent zu verbessern.“
In Neuburg entstehen die Antriebseinheiten
Audi hat den Schweizer Sauber-Rennstall übernommen und wird ab dem Saisonauftakt im März in Melbourne als Werksteam antreten. Die Antriebseinheit wird in Neuburg an der Donau produziert, Teamsitz wird weiterhin in Hinwil in der Schweiz sein. Der Aufwand ist enorm. In Neuburg wurden neue Hallen errichtet, um die anfallenden Aufgaben bewältigen zu können.
Doch wie passt das Formel-1-Engagement ins Portfolio eines Herstellers in Zeiten durchaus schwieriger finanzieller Lage? „Natürlich ist die Formel 1 Emotion pur. Doch für Audi stehen klare rationale Gründe hinter dem Einstieg. Die Kostendeckelung garantiert finanzielle Nachhaltigkeit. Gleichzeitig bietet die globale Reichweite der Formel 1 unserer Marke eine unvergleichliche Sichtbarkeit“, sagte Döllner. Dennoch soll das Projekt innerhalb des Konzerns nicht gänzlich unumstritten sein.
Die beiden Fahrer scheinen zufrieden mit dem Auto
Um 20.08 Uhr am Mittwochabend war es so weit, als der große weiße Vorhang fiel und dahinter der Audi R26 Concept zum Vorschein kam. In grau, silber und rot stand er da, der erste Entwurf des neuen Boliden. Bis zu den Testfahrten im Januar in Barcelona wird er sich noch stark verändern, der erste Eindruck aber gefiel. Vor allem den beiden Fahrern Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto, die miteinander tuschelnd rund um ihr künftiges Dienstfahrzeug liefen. Was sie sahen, beeindruckte sie. Entscheidend aber wird der erste Test auf der Rennstrecke sein.
Ein nächster Schritt ist also seit Mittwochabend gemacht. Die Vorfreude ist bei allen Beteiligten groß. Allerdings auch die Erwartungshaltung, die alleine aus der erfolgreichen Vergangenheit im Motorsport entsteht. „Audi war nie nur dabei, sondern hatte das Ziel, zu führen, Innovationen hervorzubringen und zu gewinnen. Genau das wollen wir auch in der Formel 1 tun“, sagte Döllner.
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